Blutzucker: Das ist bei Diabetes wichtig

Eine gute Blutzucker-Einstellung ist die Basis der Diabetestherapie. Regelmäßig messen hilft, zu hohe und zu tiefe Werte zu vermeiden und Folgekrankheiten vorzubeugen

von Alexandra von Knobloch; Diabetes Ratgeber, aktualisiert am 04.05.2020

Was ist der Blutzucker?

Als Blutzucker bezeichnet man den Glukoseanteil im Blut. Glukose, besser bekannt als Traubenzucker, besteht aus einem einzigen kleinen Zuckermolekül. Aus der Glukose gewinnen die Körperzellen ihre Energie. Glukose gelangt aus dem Essen sehr schnell über die Darmwand ins Blut. Damit sie von dort in die Zellen geschleust werden kann, ist das Hormon Insulin nötig. Nur Nervenzellen und rote Blutkörperchen können Glukose auch ohne Insulin aufnehmen.

Bei gesunden Menschen produziert der Körper das Insulin bedarfsgerecht, die Blutzuckerwerte sind normal. Bei Typ-1-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse kein oder kaum Insulin. Ursache ist eine Autoimmunerkrankung. Betroffene müssen regelmäßig Insulin spritzen, um ihren Blutzucker zu regulieren und akute Stoffwechselentgleisungen sowie langfristige Folgeschäden zu verhindern. Die Insulindosis, die sie benötigen, berechnen Menschen mit Diabetes selbstständig. Dabei berücksichtigen sie den aktuellen Blutzuckerwert und andere Faktoren – etwa die Menge der Kohlenhydrate, die sie essen, oder sportliche Aktivitäten, die den Blutzucker senken.

Typ-2-Diabetes ist eine andere Erkrankung. Hier liegt eine Insulinresistenz vor: Die Körperzellen sprechen schlechter auf das Insulin an, der Zucker gelangt zu langsam in die Zellen und staut sich im Blut. Um diese Resistenz zu durchbrechen, bildet die Bauchspeicheldrüse zunächst immer mehr Insulin. Irgendwann erschöpft das Organ jedoch, der Insulinspiegel sinkt und der Blutzuckerspiegel steigt – bis er so hoch ist, dass die Kriterien für die Diagnose Diabetes Typ 2 erfüllt sind.

Symptome: So äußern sich erhöhte Blutzuckerwerte

Ein Typ-1-Diabetes entsteht meist im Kindes- oder Jugendalter. Er entwickelt sich sehr rasch, innerhalb weniger Wochen. Wegen seiner typischen Symptome – zum Beispiel starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Abgeschlagenheit – wird er gewöhnlich schnell erkannt.

Beim Typ-2-Diabetes vergehen dagegen oft viele Jahre bis zur Diagnose. Denn diese Diabetesform verursacht meist keine oder nur unspezifische Beschwerden, die auch Ärzte nicht immer sofort an die Zuckerkrankheit denken lassen. Zu den Anzeichen zählen ebenfalls Müdigkeit und vermehrter Durst, aber auch eine verstärkte Neigung zu Infekten, eine verzögerte Wundheilung oder trockene und juckende Haut.

Was tun bei Verdacht auf Diabetes?

Lassen Sie Ihren Blutzucker unverzüglich bei einem Arzt kontrollieren, wenn der Verdacht auf Diabetes besteht. Wer Eltern, Großeltern oder Geschwister mit Typ-2-Diabetes hat oder hatte, sollte wegen des erhöhten erblichen Risikos regelmäßig den Blutzuckerwert checken lassen. Dasselbe gilt, wenn andere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen vorliegen.

Außerdem ist es für Schwangere wichtig, die vorgesehenen Kontrollen des Blutzuckers wahrzunehmen, um einen Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu erkennen. Empfohlen ist die Untersuchung für den Zeitraum zwischen Schwangerschaftswoche 24 und 28.

Meist lässt sich erst durch mehrere Messungen zweifelsfrei feststellen, ob eine Zuckererkrankung vorliegt. Manchmal sind zur Klärung der Diagnose weitere Tests – insbesondere ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) – nötig.

Beratender Experte

Prof. Dr. med. Jochen Seufert leitet die Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg, einem von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) zertifizierten Diabeteszentrum. Er engagiert sich in der DDG unter anderem für die Förderung wissenschaftlicher Projekte und war Tagungspräsident der Diabetes-Herbsttagung im Jahr 2014 und des Diabeteskongresses 2018.

Die Blutzuckerwerte – also die Konzentration der Glukose im Blut – lassen sich in zwei Einheiten angeben: "Milligramm pro Deziliter" (mg/dl) oder "Millimol pro Liter" (mmol/l). Mmol/l ist die international am weitesten verbreitete Einheit. Allerdings halten zum Beispiel auch die USA an der Einheit mg/dl fest.

Die Angabe mg/dl bezieht sich auf das Gewicht der gelösten Zuckerteilchen pro Volumen. Die Angabe mmol/l berechnet die Anzahl der gelösten Zuckerteilchen – also die Stoffmenge – pro Volumen.

Ziel der Diabetesbehandlung ist es, den Blutzuckerspiegel den Werten von Stoffwechselgesunden anzunähern. Bei einem gesunden Erwachsenen liegt der Blutzucker nüchtern – also nach 8 bis 10 Stunden ohne Nahrung – meist unter 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l. Zwei Stunden nach einer Mahlzeit liegt der Wert meist unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l).

Ein Diabetes liegt vor, wenn der Blutzucker nüchtern bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher oder zu einem beliebigen Zeitpunkt (z.B. nach dem Essen) über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) liegt. Ein Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) weist auf ein Typ-2-Diabetes-Vorstadium (Prädiabetes) hin. Menschen, bei denen Nüchternwerte in diesem Bereich gemessen werden, können das Auftreten von Diabetes verhindern, wenn sie Risikofaktoren für Diabetes in ihrem Leben identifizieren und etwas tun, um sie zu abzubauen.

Blutzuckerwerte: Ein Überblick

Blutzuckerwerte bei gesunden Menschen:

  • nüchtern: unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l)
  • zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer Mahlzeit: unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
  • HbA1c: zwischen 4,5 und 5,7%

Blutzuckerwerte bei Menschen mit Diabetes:

  • nüchtern: 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher
  • zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer Mahlzeit: über 200 mg/dl (11,1 mmol/l)
  • HbA1c: höher als 6,5%

Blutzuckerwerte bei Prädiabetes:

  • nüchtern: zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l)
  • zu einem beliebigen Zeitpunkt nach einer Mahlzeit: 140 bis 199 mg/dl (7,8 bis 11 mmol/l)
  • HbA1c: zwischen 5,7 und 6,5%

Für Menschen mit Diabetes sind sowohl die Nüchtern-Blutzuckerwerte als auch die Werte nach dem Essen interessant. Denn sie zeigen, wie gut der Diabetes eingestellt ist und ob die Therapie geändert werden muss: ob etwa, trotz guter Nüchternwerte am Morgen, der Blutzucker nach dem Essen so stark steigt, dass es nötig werden kann, zu den Mahlzeiten ein schnell wirkendes Insulin zu spritzen.

Blutzucker-Zielwerte: Abhängig vom Einzelfall

Menschen mit Diabetes klären immer im Einzelfall mit ihrem Arzt ab, welche Zielwerte sie anstreben sollten. Die Zielwerte sollten so gewählt sein, dass das Risiko für langfristige Folgeschäden möglichst gering ist. Sie müssen aber hoch genug sein, dass es im Alltag nicht zu häufigen oder schweren Unterzuckerungen kommt.

Die Zielwerte hängen deshalb von vielen Faktoren ab, etwa von den Lebensumständen des Einzelnen, von seiner Motivation und seinen Möglichkeiten, die Therapie im Alltag umzusetzen. Bei herzkranken Senioren werden zum Beispiel etwas höhere Werte akzeptiert, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Bei einer Unterzuckerung schüttet der Körper nämlich Stresshormone wie Adrenalin aus. Diese erhöhen Puls und Blutdruck und können dadurch Herzrhythmusstörungen oder einen Herzinfarkt auslösen, was im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Weil der Blutzuckerwert immer nur eine Momentaufnahme ist, bestimmt der Arzt in regelmäßigen Abständen (idealerweise alle drei Monate) den sogenannten HbA1c-Wert, auch "Langzeitwert" oder "Blutzuckergedächtnis" genannt. Der HbA1c-Wert spiegelt den durchschnittlichen Zuckergehalt im Blut in den vergangenen acht bis zwölf Wochen wieder. Er wird in Prozent oder in "Millimol pro Mol" (mmol/mol) angegeben.

Bei Menschen ohne Diabetes liegt der HbA1c um die 5 Prozent (30 mmol/mol) Beim Typ-1-Diabetes empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft einen HbA1c-Wert unter 7,5 Prozent (58 mmol/mol) – solange das ohne schwerwiegende Unterzuckerungen oder sonstige Nebenwirkungen möglich ist. Beim Typ-2-Diabetes rät sie zu Zielwerten zwischen 6,5 bis 7,5 Prozent (48 und 58 mmol/mol).

Die genannten HbA1c-Zielwerte sind Richtwerte und keine verbindlichen Grenzen, die um jeden Preis erreicht werden müssen. Die Zielwerte sollten Ärzte immer individuell festlegen und dabei die persönlichen Lebensumstände des Patienten, sein Alter und mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigen.

Gerade für die Diabetesbehandlung im hohen Alter gelten teilweise andere Regeln als bei jüngeren Menschen. Zum Beispiel akzeptieren Ärzte bei Senioren mit einem hohen Sturzrisiko etwas höhere Blutzuckerwerte, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Im Unterzucker würde sonst die Gefahr weiter wachsen, dass diese Personen stürzen und sich dabei verletzen. Außerdem schüttet der Körper bei einer Unterzuckerung vermehrt Adrenalin aus. Dadurch steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen oder einen Infarkt.

Eine gute Blutzuckereinstellung ist bei Diabetes wichtig, um langfristige Folgeschäden zu vermeiden und um akute Entgleisungen wie eine Unterzuckerung oder – besonders bei Typ-1-Diabetes – eine Ketoazidose zu verhindern.

Eine Ketoazidose kommt vor allem bei Menschen mit Diabetes vor, deren Körper kein eigenes Insulin produzieren kann – insbesondere also bei Typ-1-Diabetes. Wenn dem Körper bei einem schweren Insulinmangel keine Glukose für die Energieversorgung zur Verfügung steht, deckt er seinen Energiebedarf, indem er freie Fettsäuren abbaut. Dabei entstehen Ketonkörper, die das Blut übersäuern.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist die Gefahr einer Ketoazidose in der Regel sehr gering. Hier besteht eher das Risiko eines ein sogenannten hyperosmolaren Komas: Wenn der Blutzuckerspiegel sehr hoch ist, scheidet der Körper übermäßig viel Harn aus. Auf diese Weise versucht er, die überschüssige Glukose loszuwerden. Insbesondere bei älteren Menschen mit Flüssigkeitsmangel oder Nierenschwäche kann es dabei zu einem massiven Flüssigkeitsverlust mit Elektrolytstörung und sehr stark erhöhten Blutzuckerwerten (in der Regel über 600 mg/dl bzw. 33,3 mmol/l) kommen. Dies kann zu Bewusstseinsstörungen, Koma und schlimmstenfalls zum Tod führen.

Zuckerspitzen und dauerhaft erhöhte Werte vermeiden

Bei der Diabetestherapie geht es also einerseits darum, akute Stoffwechselentgleisungen zu verhindern, wie sie weiter oben beschrieben sind. Andererseits muss verhindert werden, dass dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte die Blutgefäße und Nerven im Körper schädigen. Schäden an Gefäßen und Nerven sind die Hauptursache der Folgeerkrankungen des Diabetes - etwa eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls.

Ist der Zuckerspiegel im Blut chronisch zu hoch, bemerken Betroffene meist nichts davon. Zwar gibt es Symptome, doch sind diese unspezifisch und äußern sich oft nicht oder nur schwach. Das ist auch der Grund, weshalb viele Menschen mit Typ-2-Diabetes oft jahrelang nicht von ihrer Erkrankung wissen. Wird sie dann entdeckt, bestehen oft schon Folgeschäden – wie etwa eine Nierenschwäche, Netzhautschäden oder schlecht heilende Fußgeschwüre.

1. Hände waschen

Am besten mit warmem Wasser die Hände waschen. Das regt die Durchblutung an. Danach gut abtrocknen, weil Wasserreste den Blutstropfen verdünnen könnten. Tipp für unterwegs: Finger mit etwas Wasser aus der Trinkflasche reinigen und mit einem Taschentuch abtrocknen.

2. Lanzette einsetzen

Nehmen Sie die Verschlusskappe der Stechhilfe ab, setzen Sie eine neue Lanzette ein. Drehen Sie die Schutzkappe der Lanzette ab, setzen Sie die Verschlusskappe wieder auf. Eventuell müssen Sie die Stechhilfe vor dem Einstich mit einer Spannvorrichtung spannen.

3. Teststreifen einführen

Nehmen Sie einen Streifen aus der Dose, und stecken Sie ihn in das Messgerät. Dadurch schaltet es sich ein. Bei einigen wenigen Geräten muss das Gerät bei Verwendung einer neuen Teststreifenpackung codiert werden – Infos dazu stehen in der Gebrauchsanleitung.

4. Piksen

Drücken Sie die Stechhilfe an die Fingerkuppe (seitlich – dort tut der Einstich am wenigsten weh). Betätigen Sie den Auslöser. Daumen und Zeigefinger schonen, weil diese im Alltag am häufigsten gebraucht werden. Auf warme Finger achten. Tipp: Kommt nicht genug Blut, drücken Sie die Fingerkuppe sanft, oder streichen Sie den Finger mit leichtem Druck zur Kuppe hin aus. Wichtig: Nicht quetschen, das kann das Ergebnis verfälschen.

5. Blut auftragen

Halten Sie den Streifen vorsichtig an den Blutstropfen, sodass Blut angesogen wird. Tipp: Haben Sie den Tropfen mit dem Streifen verwischt, kann dieser nicht genug ansaugen. Bei einigen Geräten (bitte in der Gebrauchsanleitung nachsehen) können Sie nachträglich Blut auf denselben Streifen nachdosieren, bis die Menge reicht.

6. Ergebnis notieren

Notieren Sie den Wert mit Datum und Uhrzeit in Ihrem Blutzucker-Tagebuch. Schreiben Sie auch auf, was den Blutzuckerwert beeinflusst haben könnte (z. B. Essen, Sport, Krankheit). Die Werte können auch in einer App dokumentiert werden.

Video: So messen Sie Ihren Blutzucker richtig

Fehler beim Blutzuckermessen vermeiden

Bei der Blutzuckermessung kann manches schief gehen. Zum Beispiel kann es das Messergebnis verfälschen, wenn die Teststreifen beschädigt sind, weil man sie lose in der Hemdtasche aufbewahrt hat, oder wenn man vergessen hat, sich vor dem Messen die Hände zu waschen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie beim Blutzuckermessen alles richtig machen, lassen Sie es sich von Ihrem Apotheker, Arzt oder Diabetesberater noch einmal genau erklären.

Wenn Sie sich über merkwürdige Zuckerwerte wundern, liegt das vielleicht daran, dass sich bei der Messung Fehler eingeschlichen haben. So können schon kleinste Zuckerreste an den Fingern, etwa von einem Apfel, einen zu hohen Wert vortäuschen. Hier finden Sie eine Übersicht häufiger Fehlerquellen:

1. Teststreifen unbrauchbar

Wenn die Teststreifen feucht oder schmutzig geworden sind, liefern sie falsche Werte. Transportieren Sie Teststreifen deswegen nie lose (etwa in der Hemd- oder Handtasche), sondern immer in der Originaldose – sie schützt die Streifen auch vor Feuchtigkeit. Heruntergefallene Streifen nicht mehr verwenden. Beachten Sie das Haltbarkeitsdatum.

2. Streifen oder Messgerät falsch gelagert

Hitze, Sonnenlicht und Minusgrade setzen den Teststreifen zu. Lagern Sie die Streifen möglichst schattig und nicht im Kühlschrank. Übliche Raumtemperaturen vertragen alle. Den genauen Temperaturbereich finden Sie in der Gebrauchsanweisung. Am wichtigsten ist es, die Teststreifen trocken zu lagern. Sobald sie Feuchtigkeit ziehen, kommt ein chemischer Prozess in Gang, der die Messergebnisse verfälscht. Schließen Sie die Dose nach Entnahme eines Streifens gleich wieder.

Beim Messgerät gilt es, darauf zu achten, dass es nicht zu heiß oder zu kalt wird. Lassen Sie es im Sommer oder bei Minusgraden im Winter beispielsweise tagsüber im Auto liegen, kann das eine Fehlfunktion auslösen.

3. Hände feucht oder schmutzig

Feuchtigkeit, Spuren von Creme oder Zucker an den Fingern (etwa von Obst, Marmelade oder Honigseife) können das Ergebnis verfälschen. Daher das Händewaschen (und Abtrocknen) nicht vergessen! Verwenden Sie, falls nötig, eine milde Seife oder Waschlotion – ohne Zutaten wie Honig oder Karamell. Achten Sie auf trockene Finger. Desinfizieren der Finger ist unnötig, zumal auch Spuren von Desinfektionsmittel zu falschen Werten führen können.

4. Hoch dosierte Medikamente

Manche Wirkstoffe können in sehr hohen Dosen das Ergebnis verfälschen: zum Beispiel mehr als ein Gramm Acetylsalicylsäure (ASS; ein Schmerzmittel) ein bis zwei Stunden vor der Messung. Hinweise dazu stehen im Beipackzettel der Teststreifen. Wer sich unsicher ist, sollte das mit dem Arzt absprechen.

Typ-2-Diabetes, mit Medikamenten behandelt

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes nehmen Medikamente, die den Blutzucker zwar senken, aber keine Unterzuckerungen auslösen – zum Beispiel Metformin. Trotzdem ist es gerade zu Beginn der Behandlung oder bei einer Therapieumstellung auch für diese Menschen sinnvoll, den Blutzucker häufiger selbst zu messen, um ein Gespür dafür zu bekommen, was ihn beeinflusst: zum Beispiel die Ernährung oder Bewegung.

Auch wenn mit Blutzuckerschwankungen zu rechnen ist – etwa bei akuten Erkrankungen – können Messungen kurzzeitig sinnvoll sein. Ebenso verhält es sich bei der Einstellung auf Tabletten mit höherem Unterzuckerrisiko, etwa Sulfonylharnstoffe. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Blutzucker-Teststreifen bei Typ-2-Diabetikern, die kein Insulin spritzen, allerdings nur in Ausnahmefällen.

Manchmal reicht es auch, den Blutzucker und den Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) alle drei bis sechs Monate beim Arzt messen zu lassen, zum Beispiel bei älteren Menschen mit sehr gleichmäßigem Alltag und Ernährungsgewohnheiten, deren Blutzucker gut eingestellt ist und nicht stark schwankt.

Typ-2-Diabetes, mit Insulinspritzen

Wer vom Arzt festgelegte Insulinmengen spritzt und stabile Zuckerwerte hat, für den genügt es häufig, alle ein bis zwei Wochen ein Tagesprofil zu machen. Das bedeutet, vor den Mahlzeiten, zwei Stunden nach den Mahlzeiten sowie vor dem Zubettgehen seinen Blutzucker zu messen und die Werte zu notieren. Auf diese Weise kann der Arzt erkennen, ob möglicherweise eine Therapieänderung nötig ist.

Menschen mit Typ-2-Diabetes, die eine intensivierte Insulintherapie bekommen, spritzen mehrmals täglich und passen die Dosis dabei selbst an. Sie erhalten in jedem Quartal ein Kontingent an Messstreifen. Den Bedarf schätzt der Arzt ab. Dabei orientiert er sich an den Empfehlungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Diese variieren je nach Bundesland.

Typ-1-Diabetes, mit intensivierter Insulintherapie oder Pumpe

Am häufigsten müssen Menschen mit Diabetes ihren Blutzucker messen, die Insulin spritzen und die Dosis selbstständig an den Bedarf anpassen. Dazu benötigen sie im Durchschnitt vier bis sieben Messungen täglich: etwa vor den Hauptmahlzeiten und vor dem Schlafengehen, aber auch bei Verdacht auf eine Unterzuckerung oder bevor man sich ans Steuer eines Autos setzt – letzteres gilt auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe nehmen. Sehr viele Menschen mit Diabetes nutzen dafür inzwischen eine kontinuierliche Zuckermessung anstelle von Messstreifen (siehe nächster Absatz).

Typ-1-Diabetes, mit kontinuierlicher Zuckermessung

Zunehmend mehr Menschen mit Diabetes Typ 1 (und auch einige mit Typ 2) nutzen ein System zur kontinuierlichen Zuckermessung: Continuous Glucose Monitoring (CGM) oder Flash Glucose Monitoring (FGM). Auch hier kann es in manchen Situationen sinnvoll sein, die Werte häufiger als sonst zu überprüfen – zum Beispiel beim Sport. Wenn Nutzer den vom Sensor angezeigten Wert anzweifeln, wird eine Messung per Fingerpiks nötig – zum Beispiel, wenn das Gerät normale Werte ausgibt, sie sich aber unterzuckert fühlen.

Moderne Messgeräte und Stechhilfen machen die Blutzuckerkontrolle sehr einfach. Welches Messgerät man wählt, hängt von den eigene Bedürfnissen ab, die sehr unterschiedlich sein können. Für Menschen mit einer Sehbehinderung empfehlen sich zum Beispiel Produkte, die ihnen die Messergebnisse vorsprechen. Viele Geräte speichern mehrere Messwerte. Zudem lassen sich die Daten oft einfach weiter übermitteln, etwa über USB und Bluetooth.

Wie bekomme ich ein Messgerät?

Wer kein Insulin spritzen muss, muss sein Messgerät häufig selbst bezahlen. Hier kann eine Beratung in der Apotheke hilfreich sein. Mit dem Apotheker zusammen kann man zum Beispiel herausfinden, welche Zusatzfunktionen für einem wichtig sind. Wenn man Selbstzahler ist, sollte man außerdem auf den Preis von Geräten und Teststreifen achten. Bei beiden gibt es große Unterschiede.

Auf keinen Fall sollten Menschen mit Diabetes einfach irgendein Messgerät kaufen, das im Internetversandhandel, in einer Drogerie oder einem Supermarkt gerade günstig zu haben ist. Wem der Arzt ein Messgerät verordnen kann, der bestellt sein ausgewähltes Gerät über die Apotheke. Wegen der Rabattverträge sind allerdings die Auswahlmöglichkeiten begrenzt. Und: Ein Messgerät funktioniert nur mit den Teststreifen des Herstellers.

Was tun, wenn mir die angezeigten Werte komisch vorkommen?

Sie sind überzeugt, beim Blutzuckermessen alles richtig gemacht zu haben. Vielleicht haben Sie sich sogar ein zweites Mal in den Finger gepikst. Und dennoch: Sie werden das Gefühl nicht los, dass der angezeigte Wert nicht korrekt ist.

Wenn Sie sich Gewissheit verschaffen wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie gehen mit dem Messgerät zum Arzt, messen den Zucker noch einmal und vergleichen das Ergebnis mit dem des Laborgerätes. Je nach Selbstmess-Gerätetyp sind Abweichungen von fünf bis elf Prozent zum Referenzgerät beim Arzt normal.

Oder: Sie besorgen sich in der Apotheke eine Kontroll-Lösung, mit der Sie die Funktion Ihres Messgerätes bequem zu Hause überprüfen können. Oft ist das der einfachere Weg ist. Die Kontroll-Lösung, die es für jedes Messgerät gibt, enthält eine festgelegte Menge Traubenzucker (Glukose). Wie der Test funktioniert, zeigen Ihnen folgende Bildergalerie. Beachten Sie aber in jedem Fall die Angaben in der Gebrauchsanleitung des Gerätes und im Beipackzettel der Kontroll-Lösung.

Das Messgerät ist in Ordnung, wenn der mit der Kontroll-Lösung gemessene Wert in dem Bereich liegt, der auf der Verpackung der Teststreifen angegeben ist. Ist das nicht der Fall, vergewissern Sie sich, dass Sie bei der Messung alles richtig gemacht haben. Vielleicht haben Sie die Streifen falsch gelagert? Oder das Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen? Zur Sicherheit wiederholen Sie den Test noch einmal mit einem frischen Streifen.

Was tun, wenn ich einen Gerätedefekt vermute?

Liegt der Wert immer noch außerhalb des angegebenen Bereichs, ist Ihr Messgerät möglicherweise defekt. Benutzen Sie es dann sicherheitshalber nicht mehr, bis es von einem Profi geprüft wurde. Bitten Sie Ihren Apotheker, Arzt oder Diabetesberater um Hilfe. Die Apotheke kann Ihnen ein Austauschgerät zur Verfügung stellen, sollten Sie Ihr Gerät beim Hersteller einschicken müssen. Apotheken sind auch die Anlaufstellen der Wahl, wenn sich das Gerät aus unerfindlichen Gründen nicht mehr einschalten lässt.

Mögliche Fehler bei der Kontrolle:

  • Codierung vergessen: Manche Geräte müssen für jede neue Streifenpackung codiert werden. Ist der Code falsch, stimmt das Messergebnis nicht.
  • Falsche Lagerung: Teststreifen und Kontroll-Lösung im Temperaturbereich lagern, der auf der Packung vermerkt ist. Streifen immer in der Originalverpackung aufbewahren, diese nach der Entnahme eines Streifens sofort wieder schließen. Feuchtigkeit, Hitze und Kälte schaden den Streifen.
  • Verfalls- oder Entsorgungsdatum abgelaufen: Nach Anbruch halten Teststreifen nur eine bestimmte Zeit. Angaben des Herstellers beachten!
  • Temperatur zu hoch oder zu tief: Der Kontrolltest sollte bei Zimmertemperatur erfolgen. Wenn es zu heiß oder zu kalt ist, kann er fehlerhaft sein.