Insulin: Das Diabetes-Hormon

Viele Menschen mit Diabetes benötigen Insulin. Wie es wirkt, welche Insulinarten und Insulintherapien es gibt, wie man Insulin richtig spritzt

aktualisiert am 22.06.2021

Insulin ist ein wichtiges Hormon für den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Es dient vor allem dazu, Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen zu schleusen. Dort werden die Zuckermoleküle zur Energiegewinnung benötigt.

Bei Diabetes ist dieser Vorgang gestört. Viele Betroffene benötigen eine Behandlung mit Insulin, um ihre Zuckerwerte stabil zu halten. Der Großteil der Diabetiker mit einer Insulintherapie spritzt sich das Insulin mithilfe eines Pens in das Unterhautfettgewebe. Wie das geht, lernen sie in Schulungen zu Beginn der Behandlung.

Typ-2-Diabetes: Insulin wirkt schlechter

Beim Typ-2-Diabetes, der mit Abstand häufigsten Diabetesform, sprechen die Körperzellen schlechter auf Insulin an. Die Folge dieser Insulinresistenz ist, dass nicht mehr ausreichend Zucker aus dem Blut in die Zellen weitergeleitet wird und der Blutzuckerspiegel steigt.

Zunächst reichen in der Regel Medikamente aus, um die Krankheit zu behandeln. Im späteren Verlauf lässt beim Typ-2-Diabetes jedoch oft die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse nach, sodass Insulin gespritzt werden muss. Ein geringerer Teil der Betroffenen – meist normalgewichtige und schlanke Menschen – hat das Problem der nachlassenden Insulinproduktion von Anfang an und muss oft rasch mit Insulin behandelt werden.

Typ-1-Diabetes: Nicht genug Insulin

Anders sieht es beim selteneren Typ-1-Diabetes aus. Er entsteht, wenn das Immunsystem aus bislang ungeklärten Gründen die Insulin produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Betroffene benötigen deswegen meist direkt nach der Diagnose und lebenslang Insulin.

Schnelle und langsame Insuline

In der Diabetesbehandlung kommen verschiedene Insulinarten zum Einsatz. Die meisten heute gebräuchlichen Insuline werden gentechnisch hergestellt – mithilfe von Bakterien oder Hefekulturen. Die Produktion im Labor erlaubt es, die Wirkung zu verändern. So gibt es Insuline, bei denen die blutzuckersenkende Wirkung schnell eintritt und nur kurze Zeit andauert. Sie dienen dazu, Blutzucker-Anstiege nach den Mahlzeiten abzufangen und die natürliche Insulinausschüttung nach dem Essen nachzubilden.

Daneben gibt es lang wirkende Insuline, deren Wirkung bis zu einem Tag oder länger anhält. Sie sollen als sogenanntes Basalinsulin die natürliche Nüchtern-Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse nachahmen. Diese gibt fortlaufend kleine Mengen des Hormons ins Blut ab, um den Zuckerspiegel stabil zu halten.

Insulintherapien bei Typ 1 und Typ 2

Vielfalt gibt es auch bei den Therapieformen. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist eine intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) Standard. Sie spritzen ein- bis zweimal täglich ein Langzeitinsulin sowie zu den Mahlzeiten oder für kurzfristige Korrekturen ein schnelles Insulin. 

Viele Typ-1-Diabetiker nutzen zudem eine Insulinpumpe. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das am Körper getragen wird und über einen dünnen Schlauch (Katheter) laufend Insulin ins Unterhautfettgewebe abgibt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten aber nur in bestimmten Fällen.

Bei Typ-2-Diabetes verordnet der Arzt Insulin, wenn Medikamente allein den Blutzucker nicht mehr ausreichend senken. Die Therapie richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen: Manche Typ-2-Diabetiker brauchen zusätzlich zu den blutzuckersenkenden Tabletten nur einmal am Tag ein Langzeitinsulin, andere spritzen zu den Mahlzeiten ein schnell wirkendes Insulin. Wenn nötig und sinnvoll, kommt auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes eine intensivierte konventionelle Insulintherapie infrage.

Geschichte des Insulins

Gehen Sie einfach mit der Maus auf die entsprechende Jahreszahl in der Zeitleiste beziehungsweise tippen Sie darauf, dann erhalten Sie die Informationen dazu.

Insulin ist ein wichtiges Hormon für den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Es dient vor allem dazu, Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen zu schleusen. Dort werden die Zuckermoleküle zur Energiegewinnung benötigt.

Insulin: Entstehung

Insulin entsteht in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), genauer gesagt in den Beta-Zellen, die sich in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse befinden. Daher auch der Name: Insulin kommt vom lateinischen "insula", zu Deutsch "Insel". Die Betazellen produzieren zunächst eine Vorstufe, das Proinsulin. Es spaltet sich auf in ein Insulin-Molekül und ein sogenanntes C-Peptid. Beide werden im gleichen Verhältnis ausgeschüttet. Der Spiegel des C-Peptids im Blut lässt sich messen – und auf diese Weise feststellen, ob der Körper noch eigenes Insulin produziert.

In den Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse bildet der Körper zudem das Hormon Glukagon. Es ist der Gegenspieler des Insulins: Während Insulin den Blutzucker senkt, fördert Glukagon die Bildung und Freisetzung der hauptsächlich in der Leber gespeicherten Zuckerreserven ins Blut und lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen.

So wirkt Insulin im Körper

Der Dünndarm spaltet Kohlenhydrate aus der Nahrung unter anderem in Traubenzucker auf. Diese Zuckermoleküle gehen anschließend über die Darmwand ins Blut über, um von dort in die Zellen in den verschiedenen Körperbereichen verteilt zu werden, wo sie der Energiegewinnung dienen.

Insulin ist dabei quasi der Schlüssel, der die Zellen für die Zuckermoleküle öffnet. Dazu dockt Insulin an den Insulinrezeptoren auf der Zelloberfläche an. So kann der Traubenzucker aus den Blutgefäßen ins Zellinnere gelangen. Ist dieser Mechanismus gestört, wie es beim Typ-2-Diabetes der Fall ist, bleibt der Zucker im Blut, der Blutzuckerspiegel steigt.

Insulin schleust Zucker vor allem in die Zellen der Muskeln, der Leber, der Nieren und des Fettgewebes, nicht aber ins Gehirn. Die Hirnzellen können Glukose unabhängig vom Insulin aufnehmen. Der Körper speichert außerdem Traubenzucker, den er nicht sofort zur Energiegewinnung benötigt, in Form von Glykogen in der Leber und besonders in der Muskulatur.

Neben dieser Schlüssel-Funktion hat Insulin noch andere Aufgaben im Körper. So beeinflusst es im Gehirn das Appetitempfinden. Zudem hemmt das Hormon den Abbau von Fettgewebe (Lipolyse). Bei vollständigem Insulinmangel, wenn kein Zucker in die Zellen gelangt, zieht der Körper das Fettgewebe zur Energiegewinnung heran. Die Folge: Freie Fettsäuren überschwemmen den Organismus, was eine Ketoazidose, eine Übersäuerung des Blutes, zur Folge haben kann. Diese schwere Stoffwechselentgleisung kann vor allem bei Typ-1-Diabetes auftreten, seltener bei einem langjährigen Typ-2-Diabetes.

Für die Insulintherapie ist in Deutschland eine Vielzahl von Insulinen erhältlich. Sie lassen sich nach ihrer Herstellung und nach ihrer Wirkdauer unterscheiden.

In Deutschland vertriebenes Insulin wird gentechnisch im Labor hergestellt. Humaninsulin gleicht dabei in seiner Struktur dem menschlichen Insulin. Analoginsuline besitzen dagegen einen veränderten Aufbau. Sie wirken deswegen besonders schnell und kurz oder besonders langsam und langanhaltend im Vergleich zu normalem Insulin.

Wichtig: Alle folgenden Angaben zu Eintritt, Maximum und Dauer der Wirkung sind grobe Richtwerte. Die tatsächliche Wirkung eines Insulinpräparats kann sich individuell stark unterscheiden.

1. Schnell wirkende Insuline

Sie dienen in der Diabetestherapie dazu, den Insulinbedarf zu den Mahlzeiten abzudecken, den sogenannten Bolus. Zudem lassen sich kurzzeitig zu hohe Blutzuckerwerte mit einer Dosis schnell wirkenden Insulins korrigieren.

Schnelle Insuline haben im Vergleich zum Humaninsulin den Vorteil, dass sich mit ihnen Blutzuckeranstiege nach dem Essen leichter abfangen und Unterzuckerungen infolge zu langer Wirkung besser vermeiden lassen.

Die blutzuckersenkende Wirkung tritt meist nach rund zehn bis 15 Minuten ein, bei besonders schnellem Turbo-Insulin sogar nach fünf Minuten. Der Zeitpunkt der größten Wirkung wird oft nach rund einer Stunde erreicht, bevor diese nach etwa drei Stunden abebbt. Bei Humaninsulin wird der Höhepunkt erst nach zwei bis drei Stunden erreicht. Die Wirkung kann bis zu acht Stunden andauern.

Abhängig vom Insulinpräparat und dem aktuellen Blutzuckerspiegel kann es sinnvoll sein, schnelles Insulin eine bestimmte Zeit vor dem Essen zu spritzen. Das soll je nach geplanter Mahlzeit verhindern, dass die Werte zu stark ansteigen, bevor das Insulin wirkt. Wann es sinnvoll ist, einen Spritz-Ess-Abstand einzuhalten, und wie lang dieser sein sollte, klären Menschen mit Diabetes immer mit ihrem Arzt im Rahmen der Therapie-Einstellung. Dank moderner Turbo-Insuline ist ein Spritz-Ess-Abstand heute oft unnötig.

Info: Insulinkonzentration

Insulin für Patronen und Pumpen ist meist in der Konzentration U100 erhältlich. U100 bedeutet, dass ein Milliliter Flüssigkeit 100 Einheiten Insulin enthält.

Langzeit- und Kurzzeitinsuline gibt es in Fertigpens vereinzelt auch in den Konzentrationen U200 und U300. Die höhere Konzentration soll die Wirkdauer verlängern und das Volumen der Injektion verringern.

2. Lang wirkende Insuline

Sie decken den von den Mahlzeiten unabhängigen Grundbedarf des Körpers an Insulin ab. Lang wirkende Insuline heißen auch Basalinsuline. In der Regel werden sie ein- oder zweimal täglich gespritzt. Lang wirkende Insuline sollen die natürliche Aktivität der Bauchspeicheldrüse unabhängig vom Essen nachahmen. Diese gibt laufend kleine Mengen an Insulin ins Blut ab, um die Zuckerwerte stabil zu halten.

Auch bei den Langzeitinsulinen gibt es verschiedene Präparate, die sich in ihrem Verhalten unterscheiden. Die Wirkung tritt nach einer Stunde oder später ein und endet nach rund 16 bis 24 oder sogar erst nach 48 Stunden. Da Langzeitinsuline eine flache Wirkungskurve besitzen, haben sie kein so ausgeprägtes Wirkungsmaximum wie andere Insulinarten.

Verzögerungsinsuline bilden einen Mittelweg  zwischen kurz und lang wirkenden Insulinen. Sie heißen auch Intermediärinsuline. NPH-Insulin (Neutral Protamin Hagedorn) ist Humaninsulin, das durch den Zusatz von Protamin verspätet seine Wirkung entfaltet. Es besitzt einen ausgeprägteren Wirkhöhepunkt als echtes Langzeitinsulin. Die Gefahr nächtlicher Unterzuckerungen ist bei Verzögerungsinsulin größer als bei den Langzeitinsulinen.

3. Mischinsuline

Mischinsuline enthalten ein kurz und ein lang wirksames Insulin. Es gibt sie in unterschiedlichen Kombinationen (Humaninsulin + NPH-Insulin; kurz wirkendes Analoginsulin + Verzögerungsstoff) und unterschiedlichen Mischungsverhältnissen (zum Beispiel 30/70 = 30 Prozent schnell wirkendes + 70 Prozent lang wirkendes Insulin). Der Anteil kurz wirksamen Insulins liegt je nach Präparat zwischen 15 und 50 Prozent. Mischinsuline kommen im Rahmen der konventionellen Therapie (CT) zum Einsatz und sind vor allem für Menschen geeignet, die einen regelmäßigen Tagesablauf mit festen Essens- und Bewegungsgewohnheiten haben.

Fast alle Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen die sogenannte intensivierte konventionelle Therapie (ICT). Die lange Zeit übliche konventionelle Insulintherapie (CT), bei der zweimal täglich eine festgelegte Mischung aus kurz und lang wirkendem Insulin gespritzt wird, spielt bei Typ-1-Diabetes heute kaum noch eine Rolle. Eine Alternative zur ICT ist die Insulinpumpentherapie.

1. ICT: Intensivierte konventionelle Therapie

Prinzip: Ein- bis zweimal täglich wird Langzeitinsulin gespritzt, um den Grundbedarf abzudecken. Kurz wirkendes Insulin, vor dem Essen gespritzt, soll zusätzlich Blutzuckeranstiege nach den Mahlzeiten ausgleichen oder kurzzeitig erhöhte Werte korrigieren. Die jeweils nötige Insulindosis berechnet der Betroffene selbstständig.

Für wen? Bei der ICT wird die gespritzte Insulindosis immer an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Das erlaubt ein weitgehend normales Leben, heißt aber natürlich auch, dass man in der Lage sein muss, sich verantwortungsvoll um seinen Diabetes zu kümmern und die Therapie im Alltag selbstständig durchzuführen. Man muss zum Beispiel den Kohlenhydrat-Gehalt im Essen richtig einschätzen können sowie durch Messungen seinen Blutzucker im Auge behalten. Das nötige Wissen dazu lernen Typ-1-Diabetiker zu Beginn der Therapie in einer Schulung.

Beispiele verschiedener ICT-Injektionsschemata

(gelb: Basalinsulin; rot: Bolusinsulin)

Im Bild oben:

Basalinsulin: Glargin (lang wirkend), 1 Injektion spät. Oder: 2 Injektionen im Abstand von 12 h

Im Bild oben:

NPH-Verzögerungsinsulin, dreimal täglich gespritzt

Im Bild oben:

NPH oder Detemir (lang wirkendes Analoginsulin), zweimal täglich gespritzt

Im Bild oben:

NPH-Verzögerungsinsulin, viermal täglich gespritzt

 

2. CSII: Insulinpumpen-Therapie

Prinzip: Ein kleines Gerät, das am Körper getragen wird, gibt über einen dünnen Schlauch (Katheter) und eine Nadel (Kanüle) laufend Insulin ins Unterhautfettgewebe ab. Die Abgabemenge lässt sich individuell einstellen. Mittels Knopfdruck kann der Nutzer bei Bedarf, etwa zu den Mahlzeiten, zusätzlich eine größere Menge Insulin freisetzen.

Für wen? Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten für eine Insulinpumpe nur in Ausnahmefällen – in der Regel nur bei Diabetikern, die ihre Blutzuckerwerte mit einer ICT nicht in den Griff bekommen oder zu schweren Unterzuckerungen neigen. Kinder mit Typ-1-Diabetes erhalten heute meist gleich nach der Diagnose eine Insulinpumpe.

Bei Typ-2-Diabetes ist es wichtig, dass Patient und Arzt gemeinsam ein Therapieschema finden, das auf die individuellen Bedürfnisse und die Lebenssituation des Betroffenen abgestimmt ist.

Welche Therapie infrage kommt, hängt von vielen Faktoren ab: Sind die Blutzuckerwerte vor allem morgens oder eher nach den Mahlzeiten erhöht? Wirken blutzuckersenkende Tabletten noch ausreichend? Bestehen altersbedingte Einschränkungen, die eine selbstständige Diabetestherapie erschweren? Häufig spielen Begleiterkrankungen wie eine Nierenschwäche oder hochgradige Sehbehinderungen eine Rolle. Daneben muss berücksichtigt werden, dass viele Typ-2-Diabetiker übergewichtig sind. Sie sollten durch eine Insulintherapie möglichst nicht oder nur wenig an Gewicht zunehmen.

Ein Überblick über die Therapieformen und für wen sie geeignet sind.

1. CT: Konventionelle Insulintherapie

Prinzip: Vor dem Frühstück und Abendessen wird eine feste Dosis Mischinsulin gespritzt: eine Mischung aus kurz und lang wirkendem Insulin. Die konventionelle Therapie kann mit Tabletten kombiniert werden, die den Blutzucker senken. Darunter sollten möglichst keine Wirkstoffe sein, die die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse anregen (zum Beispiel Sulfonylharnstoffe), weil sie das Risiko für Unterzuckerungen erhöhen.

Für wen? Die CT ist ein einfaches Therapieschema. Sie ist geeignet für Menschen mit regelmäßigem Tagesablauf. Sie kommt vor allem bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zum Einsatz, die nicht bereit oder in der Lage sind, ihre Insulindosis im Alltag selbstständig zu berechnen. Beispiel: Die morgendliche Spritze stellt ein Normalinsulin zum Frühstück bereit und über den Tag ein NPH-Insulin. Die Einfachheit hat aber einen Preis: Für diese im Voraus gespritzten Insulinmengen müssen die Betroffenen über den Tag dann auch entsprechende Kohlenhydratmengen essen, zum Teil auch Zwischenmahlzeiten, die durch die Therapie erzwungen sind.

 

2. ICT: Intensivierte konventionelle Therapie

Prinzip: Zum Essen spritzt man kurz wirkendes Insulin, dessen Dosis man je nach Kohlenhydratmenge selbst bestimmt. Den Grundbedarf deckt lang wirkendes Insulin, das in der Regel nur einmal täglich vor der Nacht gespritzt wird.

Für wen? Für Menschen mit Typ-2-Diabetes, die kaum noch eigenes Insulin produzieren und sich zugleich mehr Flexibilität wünschen, als die konventionelle Insulintherapie erlaubt. Die ICT erfordert die Bereitschaft, sich täglich mit seinem Diabetes zu befassen und die Blutzuckereinstellung selbstständig zu managen.

 

3. BOT: Basal unterstützte orale Therapie

Prinzip: Ergänzend zur Einnahme blutzuckersenkender Tabletten wird meist abends ein lang wirkendes Insulin gespritzt.

Für wen? Vor allem für Typ-2-Diabetiker, bei denen die morgendlichen Nüchternwerte zu hoch sind. Das abends gespritzte Insulin bewirkt, dass die Blutzuckerwerte über Nacht nicht zu stark ansteigen.

 

4. SIT: Supplementäre Insulintherapie

Prinzip: Zusätzlich zur Einnahme blutzuckersenkender Tabletten wird jeweils zu den Hauptmahlzeiten eine kleine Dosis möglichst kurz wirksamen Analoginsulins gespritzt.

Für wen? Für Typ-2-Diabetiker, die vor allem nach dem Essen deutlich erhöhte Blutzuckerwerte haben.

Die meisten Menschen, die sich Insulin spritzen, verwenden dafür einen Pen. Dieser enthält eine Patrone mit dem Insulinvorrat für mehrere Tage bis Wochen. Die Patrone ist entweder auswechselbar oder fest eingebaut (bei Fertigpens). Zum Spritzen setzt man eine feine Nadel auf den Pen, stellt die Dosis ein und gibt das Insulin per Knopfdruck ab. Wie Sie mit dem Pen richtig umgehen, lernen Sie zu Beginn der Insulintherapie in einer Schulung. Hier zeigen wir Ihnen die sechs wichtigsten Schritte, vom Ein­setzen der Insulinpatrone bis zur In­jektion.

Auch für erfahrene Anwender kann es sich lohnen, ihre Spritztechnik gelegentlich zu überprüfen. Denn Fehler können sich schnell auf die Blutzuckerwerte auswirken.

Bedienungsanleitung beachten: Die Handhabung kann je nach Pen etwas variieren. Bitte beachten Sie daher auch die Gebrauchsanweisung Ihres Pens.

1. Insulinpatrone einsetzen (Patronenwechsel)

Entfernen Sie die Penkappe, und schrauben Sie den Patronenhalter ab, entnehmen Sie gegebenenfalls die leere Patrone. Drehen Sie, wenn nötig, die Gewindestange zurück. Bei manchen Pens lässt sie sich per Fingerdruck ins Gehäuse zurückschieben. Setzen Sie eine neue Patrone in den Halter, und schrauben Sie ihn wieder auf.

Bei Fertigpens entfällt dieser Schritt.

2. Falls nötig: Mischen

Wenn Sie NPH- oder Mischinsulin (milchig-trübes Insulin) verwenden ist es wichtig, dieses gut zu durchmischen. Schwenken Sie dafür den Pen vor dem Spritzen 20-mal mit großen Armbewegungen auf und ab, bis der Inhalt der Patrone gleichmäßig trüb ist. Klare Insuline brauchen Sie nicht zu schwenken.

Wichtig: Schütteln Sie den Pen nicht. Denn das könnte dem Insulin schaden und dazu führen, dass sich Luftblasen in der Patrone bilden. Das oft praktizierte Rollen des Pens zwischen den Händen reicht für eine richtige Durchmischung nicht aus.

3. Nadel aufsetzen

Ziehen Sie zuerst die Schutzfolie der äußeren Nadelschutzkappe ab. Setzen Sie dann die Nadel gerade auf das Gewinde des Patronenhalters. Je nach Nadeltyp müssen Sie diese noch festschrauben. Anschließend nehmen Sie die äußere und (falls vorhanden) die innere Nadelschutzkappe ab.

4. Prüfen und entlüften

Prüfen Sie vor der Injektion, ob der Pen korrekt funktioniert. Halten Sie ihn dazu senkrecht mit der Nadel nach oben, und klopfen Sie eventuelle Luftblasen nach oben. Stellen Sie dann durch Drehen des Dosierknopfs zwei Einheiten Insulin ein. Drücken Sie den Dosierknopf anschließend bis zum Anschlag, um die zwei Einheiten in die Luft abzugeben. Wenn Insulin an der Nadelspitze austritt: alles okay. Wenn nicht: Vorgang wiederholen, bis der Pen "entlüftet" ist und Insulin austritt.

5. Insulindosis wählen

Stellen Sie mit dem Dosierknopf die benötigte Insulinmenge ein. Haben Sie eine zu hohe Dosis gewählt, können Sie das bei den meisten Pens korrigieren, indem Sie den Dosierknopf zurückdrehen.

Bitte beachten: Bei halbautomatischen Pens, die Insulin durch Drücken eines seitlichen Schiebers abgeben, lässt sich die Dosis nicht korrigieren. Dann das Insulin verwerfen und die Dosis neu einstellen.

6. Spritzen

Stechen Sie die Nadel senkrecht unter die Haut. Berühren Sie den Dosierknopf dabei noch nicht. Klären Sie vorab beim Arzt, ob Sie vor dem Einstechen eine Hautfalte bilden sollten. Und wohin Sie Ihr Insulin am besten spritzen. Drücken Sie den Dosierknopf jetzt langsam und gleichmäßig bis zum Anschlag. Warten Sie anschließend noch mindestens zehn Sekunden, bevor Sie die Nadel herausziehen (dabei Knopf gedrückt halten). Sonst kann Insulin zurückfließen. Zudem dauert es ein paar Sekunden, bis der Pen das Insulin vollständig abgegeben hat.

Desinfizieren der Haut ist nicht nötig, sie muss aber sauber sein.

7. Nadel entfernen

Setzen Sie zum Entfernen der Nadel die äußere Schutzkappe wieder auf. Schrauben Sie die Nadel damit ab und entsorgen Sie diese in einem bruch- und stichsicheren Behälter. Etwa in einer speziellen Entsorgungsbox aus der Apotheke. Setzen Sie zum Schluss die Penkappe wieder auf, um das Insulin vor Licht zu schützen. Bewahren Sie den Pen bei Raumtemperatur auf.

Wie Sie Insulin richtig spritzen, zeigt auch unser Video:

Acht Tipps für eine sichere und schmerzarme Insulininjektion

Neben der richtigen Spritztechnik sind noch einige weitere Dinge wichtig, um Probleme bei der Injektion zu vermeiden:

1. Die passende Nadel-Länge finden

Die Pen-Nadel (auch: Pen-Kanüle) darf weder zu lang noch zu kurz sein, damit das Insulin dort landet, wo es hin soll: im Unterhautfettgewebe. Von dort gelangt es zuverlässig ins Blut. Pen-Nadeln gibt es in Längen von 4 bis 12,7 mm. Die Nadel-Länge sollten Sie mit Ihrem Diabetesteam auswählen. Sie hängt vor allem von der Spritztechnik ab. Wenn Sie keine Hautfalte bilden und senkrecht einstechen (was meist empfohlen wird), genügt oft eine Nadel mit vier oder fünf Millimetern Länge. Mit Hautfalte eignen sich (außer bei sehr schlanken Menschen) auch Sechs- oder Acht- Millimeter- Nadeln. Auch Übergewichtige brauchen meist keine längeren Nadeln. Für Kinder und Jugendliche gelten andere Empfehlungen.

Läuft trotz korrekter Spritztechnik Insulin aus der Einstichstelle zurück, kann eine etwas längere Nadel helfen.

2. Geeignete Spritzbereiche wählen

Insulin wird meist in Bauch, Flanken, oberes Gesäß oder Oberschenkel gespritzt (im Einzelfall eignet sich auch der Oberarm). Hier sitzt normalerweise genug Fettgewebe unter der Haut, um zu gewährleisten, dass das Insulin tatsächlich dort landet und nicht im darunter liegenden Muskel. Klären Sie beim Arzt, wohin Sie Ihr Insulin am besten spritzen. Für manche Insuline eignet sich jeder der genannten Bereiche.

Bauch

Kurz wirkendes Humaninsulin (Normalinsulin) wird am besten in den Bauch gespritzt. Von hier gelangt es am schnellsten ins Blut.

Oberschenkel

Als Spritzstelle für Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) eignet sich der Oberschenkel. Von dort tritt das Insulin langsamer ins Blut über und wirkt länger.

3. Einstichstelle regelmäßig wechseln

Ganz wichtig: Wechseln Sie die Einstichstelle bei jeder Injektion. So vermeiden Sie, dass an den Einstichstellen Verhärtungen oder Beulen (Spritzhügel) entstehen. Aus diesen Lipohypertrophien (Lipos) gelangt das Insulin ungleichmäßig ins Blut. Dadurch kann der Blutzucker stark schwanken und der Insulinbedarf steigen. Um Lipos vorzubeugen, wechseln Sie die Einstichstelle am besten nach einem festen Schema. Beispielsweise am Bauch reihenweise von links nach rechts. Halten Sie dabei immer mindestens zwei Fingerbreit Abstand zur letzten Einstichstelle und zum Nabel. Lassen Sie die Spritzbereiche alle drei bis sechs Monate beim Arzt kontrollieren.

4. Pen-Nadel nur einmal verwenden

Allgemein wird dazu geraten, Pen-Nadeln nur einmal zu verwenden. Denn diese werden mit jedem Gebrauch stumpfer und rauer. Das erhöht das Risiko für Gewebeschäden (Lipohypertrophien), welche die Insulinaufnahme beeinträchtigen (siehe 3.).

Ebenfalls wichtig: Schrauben Sie die Nadel gleich nach dem Spritzen ab. So kann weder Luft in die Patrone gelangen noch Insulin auslaufen, noch die Nadel verstopfen.

5. Die richtige Spritztechnik finden

Die Pen-Nadel wird in der Regel senkrecht unter die Haut gestochen. Vielen Menschen fällt es leichter, in eine Hautfalte zu spritzen. Diese sollte etwa drei bis fünf Zentimeter breit sein. Heben Sie dazu die Haut mit Daumen und Zeigefinger (eventuell noch mit dem Mittelfinger) locker an. Wer sehr schlank ist oder in den Oberschenkel spritzt, sollte immer eine Hautfalte bilden, um eine Injektion in den Muskel vermeiden. Drücken Sie die Hautfalte nicht zu fest, sonst pressen Sie Insulin heraus.

6. Veränderte Stellen meiden

Spritzen Sie nicht in Lipohypertrophien, bis sich diese zurückgebildet haben, was einige Monate dauern kann. Bitte spritzen Sie auch nicht in andere veränderte Stellen, etwa blaue Flecken, Narben oder Muttermale.

7. Nicht durch die Kleidung spritzen

Wenn Sie etwa durch die Hose spritzen, sehen Sie nicht, ob Sie eine ungünstige Stelle erwischt haben. Vor allem bei einer kurzen Pen-Nadel ist wegen der Stoffschicht nicht gewährleistet, dass das Insulin ins Unterhautfettgewebe gelangt. Zudem kann sich die Nadel verbiegen und abreiben, wodurch der Einstich weh tut.

8. Insulinvorräte und Pen richtig lagern

Lagern Sie nicht angebrochene Insulinpatronen im Kühlschrank bei einer Temperatur zwischen zwei und acht Grad Celsius – etwa im Gemüsefach. Aber Achtung: In manchen modernen Kühlschränken ist das Gemüsefach eine Null-Grad-Zone. Das ist für das Insulin zu kalt! Auch an der Hinterwand des Kühlschranks oder in der Nähe des Gefrierfachs kann die Temperatur zu niedrig sein – und gefrieren darf Insulin auf keinen Fall. Denn dadurch kann es seine Wirkung verlieren.

Benötigen Sie eine neue Pen-Patrone, nehmen Sie diese spätestens eine halbe Stunde vorher aus dem Kühlschrank (wenn nötig, in Hosentasche oder Hand erwärmen). Wenn Sie die Nadel auf eine kalte Insulinpatrone schrauben, kann Luft in die Patrone gelangen. Zudem berichten manche Diabetiker, dass kaltes Insulin beim Spritzen brennt.

Angebrochene Insulinpatronen müssen nicht in den Kühlschrank. Bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt, halten sie bis zu vier Wochen, je nach Insulin länger (Herstellerangaben beachten!).

Dr. Dietrich Tews, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe, ist Inhaber einer diabetologischen Schwerpunktpraxis in Gelnhausen (Hessen).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.