Schlaganfall: Vorsorge und Behandlung

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Wer Diabetes hat, ist besonders gefährdet. Welche Symptome ein Schlaganfall hat, wie Sie sich schützen

aktualisiert am 26.01.2017

Ein Schlaganfall ist für Betroffene und ihre Angehörigen ein dramatisches Ereignis. Oft verläuft er tödlich. In vielen anderen Fällen leiden Patienten im Anschluss unter geistigen und körperlichen Einschränkungen durch Lähmungen und Muskelschwächen. Die medizinische Definition des Schlaganfalls ist dagegen eher nüchtern: Es handelt sich um den unvermittelt – schlagartig – einsetzenden Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns.

In den meisten Fällen ist die Ursache des Schlaganfalls, auch Apoplex oder Hirninsult genannt, eine akute Störung der Gehirndurchblutung durch eine verstopfte Hirnarterie. Diese führt zum Untergang von Gehirnzellen. In diesem Fall sprechen Ärzte vom Hirninfarkt. Wird der Schlaganfall dagegen durch eine Einblutung ins Gehirngewebe verursacht, beispielsweise infolge eines Risses in einem Blutgefäß, ist von einer Hirnblutung die Rede.

Schlaganfall und Diabetes

Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Wenn neben den erhöhten Blutzuckerspiegeln, die typisch für einen Diabetes sind, noch weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder schlechte Blutfettwerte dazu kommen, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall drastisch an. Das Risiko steigt übrigens bereits im Vorstadium des Diabetes (Prädiabetes) an.

Betroffen sind vor allem Typ-2-Diabetiker, da bei diesen häufig die weiteren Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen vorliegen. Allerdings erhöht auch Typ-1-Diabetes das Schlaganfallrisiko.

Risiko senken und Warnzeichen ernst nehmen

Der Schlaganfall ist eine schwere Krankheit – aber auch eine Krankheit, die sich verhindern lässt: durch eine gesundheitsfördernde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung, gesunder Ernährung, Abbau von Übergewicht und Verzicht auf Zigaretten – und natürlich durch eine optimale Behandlung von Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Außerdem ist es entscheidend, bei Warnzeichen eines Schlaganfalls – wie beispielsweise plötzlicher Schwäche oder Lähmung eines Armes oder Beines – sofort den Rettungsdienst (Notruf 112) zu verständigen. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto größer sind die Chancen, einen Schlaganfall abzuwehren. Lesen Sie mehr dazu in den nächsten Kapiteln.

Beratender Experte:

Dieser Text wurde erstellt in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik in Hamburg-Altona

Hauptursache: Durchblutungsstörungen

Überwiegend sind Schlaganfälle die Folge einer akuten Durchblutungsstörung im Gehirn. Sie heißen dann ischämischer Schlaganfall. Der Blutfluss kann aus verschiedenen Gründen behindert werden. Häufig sind eine oder beide Halsschlagadern (Carotis-Arterien) von Kalkablagerungen verengt. Diese Ablagerungen, auch Plaques genannt, sind Folge einer Gefäßverkalkung, einer Arteriosklerose.

Die Ablagerungen können die Halsschlagader einerseits so stark verengen, dass nicht mehr genug Blut ins Gehirn gelangt. Andererseits können sich Teile der Ablagerungen lösen und mit dem Blutstrom ins Gehirn verschleppt werden, wo sie ein kleineres Gehirngefäß verstopfen. Beides kann zu einem Schlaganfall führen.

In anderen Fällen sind kleine Gefäße im Gehirn, zum Beispiel infolge des Diabetes oder erhöhter Blutdruck- und schlechter Blutfettwerte, so geschädigt, dass die Durchblutung gestört ist. Auch dies kann zu einem Schlaganfall beziehungsweise zu einem Ausfall von Hirnfunktionen führen.

Eine dritte Möglichkeit: Der Schlaganfall ist Folge eines Blutgerinnsels, das aus dem Herzen ins Gehirn verschleppt wird. Solche Blutgerinnsel bilden sich insbesondere bei Menschen mit Vorhofflimmern. Dabei handelt es sich um eine häufige Form von Herzrhythmusstörungen. Weil die Vorhöfe des Herzens sich nicht mehr richtig zusammenziehen, wird das Blut darin verwirbelt und es können sich Gerinnsel bilden. Ein Gerinnsel aus dem linken Vorhof kann mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen, dort ein Gefäß verstopfen und einen Schlaganfall auslösen.

Seltener: Schlaganfall nach Gehirnblutung

Zum Teil wird ein Schlaganfall durch eine Einblutung ins Gehirngewebe verursacht. Dann heißt er Gehirnblutung oder hämorrhagischer Schlaganfall. Auslöser kann beispielsweise ein stark erhöhter Blutdruck sein. Wenn die Adern nach jahrelanger Schädigung durch hohe Zucker- oder Blutdruckwerte ihre Elastizität verloren haben, kann es bei einer plötzlich auftretenden Blutdruckspitze zum Riss in einem Gehirngefäß kommen, aus dem Blut ins umliegende Gehirngewebe eintritt.

Seltenere Ursachen für einen Schlaganfall infolge einer Einblutung sind beispielsweise angeborene Gefäßfehlbildungen, die plötzlich platzen, aber auch Gefäßrisse nach einer Kopfverletzung.

Wenn plötzlich eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, sollte sofort der Arzt oder Notarzt verständigt werden. Das gilt auch, wenn sich die Symptome von alleine wieder bessern oder zurückbilden.

1. Plötzliche Schwäche oder Lähmung eines Arms oder Beins derselben Körperseite sind häufig Zeichen eines Schlaganfalls. Wenn der Schlaganfall die linke Gehirnhälfte betrifft, führt das zu Ausfallerscheinungen auf der rechten Körperseite und umgekehrt. Eine Halbseitenlähmung nennen Ärzte auch "Hemiparese".

2. Plötzlich auftretende Gangunsicherheit bis hin zu Stürzen können ebenso wie plötzlicher starker Schwindel Zeichen eines Schlaganfalls sein.

3. Eine halbseitige Lähmung einer Gesichtshälfte ist häufiges Symptom eines Schlaganfalls. Sie kann leicht oder stark ausgeprägt sein. Typisch ist ein Hängen des Mundwinkels auf einer Seite (was beim Lächeln oft besonders deutlich wird) oder ein hängendes Augenlid. Eine Gesichtslähmung kann aber auch viele andere Ursachen haben.

4. Sprach- und Sprechstörungen, die plötzlich auftreten, können auf einen Schlaganfall hinweisen. Es kann sowohl zu reinen Störungen des Sprechens kommen, bei denen der Betroffene zum Beispiel undeutlich oder verwaschen spricht, als auch zu Sprachstörungen. Je nach betroffenem Hirnbereich können sich diese so äußern, dass der Patient Schwierigkeiten hat, die richtigen Worte zu finden, Worte verwechselt oder mitunter auch einen starken Rededrang hat.

5. Plötzlich auftretende Missempfindungen auf einer Körperseite, aber auch zum Beispiel eine plötzliche Schwäche der Hand, bei der Betroffene etwa die Kaffeetasse beim Frühstück nicht mehr halten können, sind mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall.

6. Sehstörungen treten im Rahmen eines Schlaganfalls häufig auf. Dabei kann es sich um Doppelbilder handeln, aber auch um eine vorübergehende Erblindung auf einem Auge. Auch ein Gesichtsfeldausfall ist möglich. Bei einer Schädigung in der rechten Gehirnhälfte kann dann beispielsweise die linke Hälfte des Gesichtsfeldes beider Augen ausfallen. Das Gesichtsfeld ist der Bereich, der bei unbewegt geradeaus gerichtetem Blick wahrgenommen wird.

TIA: Der kleine Schlaganfall

Einem Schlaganfall gehen nicht selten so genannte "TIA" voraus (Transitorische Ischämische Attacken, zu deutsch: vorübergehende Blutleere-Attacken). Von einer TIA ist die Rede, wenn sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden zurückbilden. Meist verschwinden sie aber wieder nach einigen Minuten oder ein bis zwei Stunden.


Die TIA ist unbedingt ernst zu nehmen. Denn häufig ist sie der Vorbote eines echten Schlaganfalls. Außerdem kommt es beim Schlaganfall auf jede Sekunde an. Deswegen nicht abwarten, ob die Beschwerden wieder verschwinden, sondern gleich den Notarzt (Notruf 112) anrufen.

Beim leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Notarzt (Telefonnummer: 112) verständigen. Wenn Sie den Notruf absetzen, sagen Sie:

  • Dass der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht
  • Die Adresse des Patienten
  • Ihren Namen
  • Ihre Telefonnummer für einen eventuell nötigen Rückruf
  • Legen Sie nicht auf, bevor Sie dazu aufgefordert werden

Wenn möglich: Schicken Sie jemanden auf die Straße, der den Notarztwagen einweist. Geben Sie dem Notarzt eine Medikamentenliste mit. Insbesondere Informationen über die Einnahme von Blutverdünnern sind wichtig (Marcumar, ASS, andere Blutverdünner).

So helfen Sie dem Patienten, bis der Notarzt kommt:

  • Beruhigen Sie ihn, verbreiten Sie keine Hektik
  • Lockern Sie enge Kleidung (Kragen, Krawatte, Gürtel), damit der Patient leichter atmen kann
  • Lagern Sie ihn mit leicht erhöhtem Oberkörper
  • Wenn der Patient bewusstlos wird, bringen Sie ihn in die stabile Linksseitenlage

Wenn keine Atmung zu erkennen beziehungsweise kein Puls tastbar ist, beginnen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Bringen Sie den Patienten sofort in die Rückenlage. Wenn Sie sich keine Atemspende zutrauen, machen Sie so lange eine Herzmassage, bis das Rettungsteam eintrifft. Wie Sie diese richtig durchführen, erfahren Sie in diesem Video.

Nach der Erstversorgung bringt der Notarzt den Patienten in eine für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten geeignete Klinik. Im Idealfall verfügt diese über eine Schlaganfall-Einheit (Stroke Unit). Dort wird zunächst eine Computertomographie (CT) des Gehirns gemacht. Diese Untersuchung dauert wenige Minuten und zeigt, ob eine Gehirnblutung oder Durchblutungsstörung die Ursache des Schlaganfalls ist. Oft wird auch eine Gefäßdarstellung (CT-Angiographie) durchgeführt, die zeigt, ob ein größeres Blutgefäß verstopft ist. Die Erkenntnisse sind entscheidend für die Wahl der Therapie: Ein Schlaganfall infolge einer Durchblutungsstörung muss völlig anders behandelt werden als ein durch eine Gehirnblutung bedingter Schlaganfall.

Behandlung bei Blutgerinnsel

Wenn der Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel verursacht wurde, das ein Gefäß verstopft, kann der Arzt mit dem Thrombolyse-Verfahren (Kurzform: Lyse-Therapie) versuchen, dieses Gerinnsel gezielt aufzulösen. Das muss aber schnell geschehen. Voraussetzung für den Erfolg der Therapie ist, dass sie innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome erfolgt.

Bei der Thrombolyse erhält der Patient über eine Vene ein Medikament, das das Gerinnsel auflöst. Das Verfahren hat ein geringes Blutungsrisiko, so dass es bei bestimmten Vorerkrankungen des Patienten nicht geeignet ist.

Als Alternative zur Lyse-Therapie gibt es die Thrombektomie. Bei diesem relativ neuen Verfahren führen die Ärzte über die Leiste einen Katheter an die Verschlussstelle, der das Gerinnsel entfernt. Diese spezielle Methode, die erfahrene Spezialisten durchführen, kommt aber nur bei Schlaganfallpatienten mit sehr großen Gefäßverschlüssen in Frage.

Behandlung bei Hirnblutung

Liegt eine Gehirnblutung vor, gilt es zum einen die Blutung zu stoppen und zu verhindern, dass das Gehirngewebe Schaden nimmt. Denn das ausgeflossene Blut verdrängt das empfindliche Gewebe, wodurch dieses einem erhöhten Druck ausgesetzt wird und zerstört werden kann.

In einigen Fällen ist es möglich, die offene Stelle im Gefäß zu verschließen. Ist ein erhöhter Blutdruck für die Blutung verantwortlich, werden die Ärzte versuchen, diesen zu senken. Sind größere Mengen Blut ausgeflossen, muss der Neurochirurg dieses unter Umständen mithilfe eines Eingriffs beseitigen.

Reha: Zurück ins Leben nach dem Schlaganfall

Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich nach einem Schlaganfall beginnen. Schon in der Akutklinik erhalten Patienten daher frühzeitig Krankengymnastik, Sprach- und Ergotherapie. Behält der Patient nach der Akutphase relevante Funktionsstörungen wie Lähmungen, Sprach- oder Sprechstörungen zurück, so wird die Rehbilitation in einer Rehabilitationsklinik fortgesetzt, in die der Patient im Anschluss an den Aufenthalt in der Akutklinik verlegt wird.

Das Ziel der Rehabilitation ist nicht in erster Linie die Heilung. Stattdessen soll sie dem Patienten ermöglichen, mit den verbleibenden Behinderungen so gut wie möglich in seinem Alltag zurechtzukommen. Zum Reha-Team gehören Pflegekräfte ebenso wie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Logopäden und Psychologen.

Pflegekräfte einer Stroke Unit sind speziell geschult. Sie unterstützen den Patienten beispielsweise, indem sie ihm bei der Körperpflege und Nahrungsaufnahme helfen, ihn lagern und ihm seine Medikamente verabreichen.

Physiotherapeuten üben mit dem Patienten, um die Beweglichkeit gelähmter Gliedmaßen wieder herzustellen. Aber auch selbstständiges Umlagern, Aufsitzen und das Gleichgewichthalten müssen viele Patienten in mühsamer Arbeit wieder erst mit Unterstützung von Physiotherapeuten und Pflegekräften lernen.

Logopäden üben mit den Patienten das Sprechen und das Verstehen von Sprache – beides ist nach einem Schlaganfall häufig beeinträchtigt. Logopäden helfen auch, wenn nach dem Schlaganfall eine Schluckstörung besteht.

Ergotherapeuten trainieren mit dem Patienten Bewegungsabläufe, wenn nach dem Schlaganfall die Motorik eingeschränkt ist. Auf diese Weise unterstützen sie Betroffene, nach der Reha wieder zu einem selbstständigen Leben zurückzufinden.

Sozialarbeiter helfen dabei, wenn es darum geht, Leistungen der Pflegekasse zu beantragen, beraten bei Fragen der Wohnraumanpassung und im Umgang mit Behörden wie etwa dem Wohnungs- oder Sozialamt.

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Achten Sie auf gute Blutdruckwerte: Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, um erhöhte Werte rechtzeitig zu entdecken. Bei Bluthochdruck benötigen Patienten meist lebenslang Medikamente. Zudem sind ausreichend Bewegung, eine gesunde Ernährung und sparsam salzen wichtig.

Diabetes gut einstellen: Blutzuckerwerte im Normbereich verringern das Risiko eines Schlaganfalls deutlich. Wie Sie den Diabetes am besten behandeln, sollten Sie im Einzelfall mit dem Arzt besprechen.

Bewegen Sie sich regelmäßig: Als ideal gilt fünfmal in der Woche mindestens eine halbe Stunde. Besprechen Sie mit dem Arzt, wie stark Sie sich anstrengen dürfen. Faustregel: Verausgaben Sie sich nur so sehr, dass Sie dabei noch sprechen können und leicht ins Schwitzen kommen. Bewegung senkt den Blutdruck und die Blutzuckerwerte, hält die Adern elastisch und hilft beim Abnehmen.

Ernähren Sie sich gesund: Bewährt hat sich die mediterrane Essweise. Diese setzt auf viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, dafür mehr Fisch. Nehmen Sie anstatt tierischen Fetten bevorzugt pflanzliche zu sich, zum Beispiel in Form von Olivenöl oder Nüssen.

Bei Übergewicht – nehmen Sie ab: Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt, wenn Sie an Gewicht verlieren möchten. Radikale Diäten bringen langfristig betrachtet meist wenig. Besser ist eine langfristige Lebensstiländerung mit mehr Bewegung und gesunder Ernährung.

Finger weg von Drogen: Zigarettenkonsum fördert die Verkalkung der Arterien sowie Bluthochdruck und ist ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle. Der Verzicht darauf gehört deswegen zu den effektivsten Vorsorgemaßnahmen. Außerdem sollten Sie Alkohol nur in Maßen trinken.

Gehen Sie mit Stress gezielt um: Lernen Sie, sich zu entspannen – zum Beispiel mit autogenem Training, progressiver Muskelentspannung oder Yoga. Kurse werden von vielen Volkshochschulen angeboten, zum Teil auch direkt von den Krankenkassen.