Zahnimplantate bei Diabetes

Zahnimplantate füllen Lücken im Gebiss. Klingt unkompliziert. Doch bei Diabetes gibt es ein paar Sonderregeln

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 17.03.2020

Was sind Zahnimplantate?

Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, die meist aus Titan bestehen. Sie werden im Kieferknochen verankert. Auf das Implantat lässt sich eine Krone aus Keramik montieren und so ein Zahn ersetzen. Implantate können auch Prothesen oder Brücken tragen.

Welchen Vorteil haben Implantate?

Die klassische Methode, eine Einzellücke im Gebiss zu füllen, ist eine Brücke. Um diese zu befestigen, werden die Nachbarzähne beschliffen. "Dabei geht oft viel gesunde Sub­stanz verloren", sagt Zahnarzt Dr. Gregor Müller aus Baierbrunn. Durch ein Implantat lässt sich das vermeiden. Zudem fühlt sich das Kauen natürlicher an als bei einer Brücke. Ebenfalls günstig: Die künst­lichen Wurzeln übertragen die Kau­kräf­te auf den Kieferknochen, was dessen Erhalt unterstützt.

Implantate auch bei Diabetes?

Ja, bei gut eingestellten Zuckerwerten. "Erhöhte Werte können zum Beispiel die Infektanfälligkeit steigern. Dann besteht die Gefahr, dass das Implantat nicht richtig einheilt", sagt Dr. Anette Strunz, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin in Berlin und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI). Laut den zahnärztlichen Fachgesellschaften sollte der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c vor Behandlungs­beginn zwischen 6,5 und 7,5 Prozent (48 bis 58 mmol/mol) liegen. Auch später gilt: Gute Zuckerwerte schützen das Implantat.

Wann bin ich fit für ein Implantat?

Eine Parodontitis erhöht das Risiko, dass sich auch das Gewebe um das Implantat herum entzündet. Daher muss sie vor dem Eingriff behandelt werden. "Zudem ist es bei Diabetes generell sinnvoll, vor der Operation ein vom behandelnden Arzt verordnetes Antibiotikum einzunehmen, um Infektionen vorzubeugen", sagt Strunz. Auch Rauchen gefährdet das Implantat, weil es zum Beispiel die Einheilung stören kann. Bitte vorher damit aufhören!

Wie aufwendig ist das Verfahren?

"Das Einsetzen des Implantats selbst dauert nur etwa eine halbe Stunde. Bei Knochenaufbau länger", sagt Müller. Vor und nach dem Eingriff ist Geduld gefragt: Nach dem Ziehen des Zahns muss der Knochen ein paar Monate verheilen. In seltenen Fällen kann sofort implantiert werden. Dann muss das Implantat einheilen. Bis es stabil genug ist, um die Krone zu tragen, dauert es mehrere Monate.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Ein Implantat mit Krone kann um die 3000 bis 4000 Euro kosten. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nur mit dem Festzuschuss für eine Brücke (derzeit unter 500 Euro für einen fehlenden Zahn). Private Versicherungen und Zahn-Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten für Implantate häufig komplett.

Wie lange hält ein Implantat?

Studien zufolge sind nach zehn Jahren noch etwa neun von zehn Implantaten intakt. Geht alles gut, können Implantate ein Leben lang halten – auch bei Diabetes. Wichtige Voraussetzung: "Pflegen Sie Implantate so gut wie eigene Zähne, mit Zahnbürste, Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen. Und gehen Sie alle drei bis sechs Monate zum Zahnarzt – zur Kontrolle und zur professionellen Zahnreinigung", sagt Müller. "So lässt sich rechtzeitig erkennen, ob sich eine Entzündung anbahnt, die unbehandelt zum Verlust des Implantats führen kann."

Wie finde ich einen guten Arzt?

"Der Arzt sollte mindestens 100 Implantate pro Jahr setzen und sich bei einer Fachgesellschaft fortgebildet haben — etwa bei der Deutschen Gesellschaft für Implantologie", sagt Strunz. Zertifizierte Implantologen und Infos zu den verschiedenen Qualifikationen finden Sie zum Beispiel unter: www.dginet.de/web/dgi/implantologen-suche. Manche Zahnärzte übernehmen die komplette Behandlung. Andere arbeiten mit Fachärzten für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie oder Oralchirurgen zusammen.