Hautprobleme durch Glukosesensoren und Insulinpumpen

Glukosesensoren und Insulinpumpen, die auf der Haut kleben, werden immer beliebter. Doch manche Anwender plagen Unverträglichkeiten und Allergien. Schuld daran sind nicht immer die Pflaster

von Andrea Grill, 26.10.2018

Die modernen Dia­­beteshelfer sind klein, praktisch und diskret: Soge­nannte CGM- und FGM-Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung ersparen das ständige Piksen am Finger und können unauffällig getragen werden. Aufklebbare Patch-Pumpen versorgen den Körper schlauchlos mit Insulin. Nur logisch, dass solche Systeme in der Therapie des Typ-1-Diabetes immer beliebter werden.

Juckreiz und Schmerzen

Die Kehrseite der schönen neuen Welt zeigt sich bei manchen Anwendern, wenn sie die Pflaster abziehen: Die Haut ist gerötet, manchmal mit Bläschen übersät oder nässt. Juckreiz und Brennen machen das Tragen der Pflaster zur Qual. Diabetologen und Hautärzte erleben solche Probleme bei ihren Patienten immer häufiger. Was ist der Grund dafür? "Mit den neuen Systemen bleiben die Pflaster immer länger auf der Haut", erklärt die Dermatologin Dr. Stefanie Kamann aus Feldafing, "das können ein bis zwei Wochen sein." Die Größe der Auflagefläche spiele ebenfalls eine Rolle. So klebt eine Patch-Pumpe eine viel größere Fläche ab als das Katheterpflaster einer Schlauchpumpe.

Irritation oder Allergie?

Für die Behandlung ist es wichtig, zwischen Hautreaktionen und echten Allergien zu unterscheiden. Ist die Haut "nur" irritiert, dann juckt sie und ist gerötet. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man unter einem Pflaster stark schwitzt. Die Symptome sind mal stärker, mal schwächer. Unter Pflastern kann sich die Haut auch verfärben oder sich rund um die Einstichstelle von Messfaden oder Katheter entzünden. Mit spezieller Hautpflege lassen sich solche Probleme meist gut behandeln.

Lebenslang sensibel

Viel seltener sind echte Kontaktallergien. Sie entstehen oft erst nach Monaten, bleiben aber lebenslang. Hat sich eine Allergie entwickelt, treten Symptome wie Jucken, Rötung und Bläschen jedes Mal bei Kontakt mit dem Auslöser zeitnah auf. Wer einen Sensor trotz Allergie weiter aufklebt, muss mit immer heftigeren Symptomen rechnen und riskiert sogar Kreuzreaktionen: Dann wird plötzlich auch das Pumpenpflaster nicht mehr vertragen oder ein Waschmittel oder die Hautcreme. Denn Acrylate stecken in vielen Haushaltsprodukten.

Diagnose beim Hautarzt

"Melden Sie Hautprobleme immer bei der Hotline der Herstellerfirma", rät Stefanie Kamann. Die sei auf Rückmeldungen von Anwendern angewiesen, um reagieren zu können. Ansprechpartner für eine genauere Abklärung ist zunächst der Diabetologe, der seine Patienten bei Verdacht auf eine Allergie an einen Hautarzt oder ein Allergiezentrum überweist. Zur Diagnose dient ein sogenannter Epikutantest auf Kunststoffe und Klebstoffe. Dabei klebt der Arzt ein Pflaster mit verschiedenen Allergie-Auslösern auf den Rücken und liest einige Tage später ab, wie die Haut reagiert.

Schutzpflaster helfen

Ist die allergieauslösende Substanz identifiziert, können Arzt und Patient gemeinsam nach alternativen Produkten anderer Hersteller suchen. Kommt ein Wechsel nicht infrage, bleibt die Möglichkeit, spezielle Hautschutzpflaster unter dem Sensor oder der Pumpe anzubringen. "Sie müssen dick genug und undurchlässig sein, damit das Allergen nicht zur Haut durchdringen kann", sagt Kamann. Sie empfiehlt Blasenpflaster oder Hautschutzplatten aus der Apotheke.

Wichtig: Nadel oder Messfaden nicht durch die Schutzauflage stechen, sondern vorher ein kleines Loch ausschneiden. Weil die Schutzpflaster ein paar Millimeter dick seien, der Messfaden also weniger tief ins Gewebe reicht, könne es bei Glukosesensoren in seltenen Fällen zu Messabweichungen kommen. Anwender sollten deshalb durch Vergleichsmessungen mit einem herkömmlichen Blutzuckermessgerät prüfen, ob die Werte weiterhin korrekt sind.