Was Sie über Zuzahlungen bei Medikamenten wissen sollten

Wofür muss ich zuzahlen? Wann kann ich mich befreien lassen? Hier bekommen Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen

von Sabine Lotz, 30.11.2018

Seit 2004 müssen sich erwachsene gesetzlich Krankenversicherte an den Kosten für die Medikamente und Hilfsmittel beteiligen, die ihnen der Arzt verschreibt. Lediglich Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren sind von dieser Zuzahlung befreit. Kostet ein Produkt weniger als fünf Euro, müssen erwachsene Versicherte die Kosten komplett übernehmen. Für Arzneien und Hilfsmittel, die fünf Euro oder mehr kosten, wird ein Eigenanteil von zehn Prozent des Preises fällig. Und zwar mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Das gilt allerdings nicht für jeden und nicht in jedem Fall. Hier die wichtigsten Infos:

Wofür muss ich sonst noch zuzahlen?

Bei Diabetes zuzahlungsbefreit sind Blutzucker-Teststreifen. Für alles andere fallen Rezeptgebühren an, also auch für Kanülen, Katheter & Co.

Wann kann ich mich von Zuzahlungen befreien lassen?

Dann, wenn die sogenannte Belastungsgrenze überschritten wird. Diese finanzielle Obergrenze für Rezeptgebühren soll verhindern, dass Krankheitskosten ernste finanzielle Probleme bereiten.

Wie kann ich meine Belastungsgrenze errechnen?

Um die eigene Belastungsgrenze für Zuzahlungen auszurechnen, braucht man folgende Angaben:

  • das jährliche Brutto-Einkommen von sich und den im selben Haushalt lebenden Angehörigen;
  • die für die Angehörigen geltenden Freibeträge.

Für 2018 sind das 
7428 Euro für jedes Kind und 
5481 Euro für den Ehepartner bzw. eingetragenen Lebenspartner.

Ein Rechenbeispiel:

Sie verdienen pro Jahr 60.000 Euro brutto. Weil Ihr Partner derzeit keinen Beruf ausübt und zusammen mit Ihrem gemeinsamen 22-jährigen Sohn bei Ihnen familienversichert ist, reduziert sich Ihr familiäres Bruttoeinkommen um 12.909 Euro (= 7428 + 5481) auf 47.091 Euro. Wäre keiner von Ihnen dreien chronisch krank, läge Ihre Belastungsgrenze für Zuzahlungen bei zwei Prozent der 47.091 Euro – also bei 941,82 Euro. Doch Ihr Mann hat Diabetes. Und wenn einer der Angehörigen eine chronische Krankheit hat, liegt die Zuzahlungshöchstgrenze bei nur einem Prozent des Familien-Gesamtbruttos. In Ihrem Fall sind das 470,91 Euro.

Kann ich das Rechnen nicht auch der Krankenkasse überlassen?

Wer mit Zahlen eher auf Kriegsfuß steht, kann am Jahresende alle Belege für Bruttoeinkommen und Zuzahlungen bei der Kasse einreichen (ist vier Jahre rückwirkend möglich). Dann erstattet die Kasse das, was Sie zu viel bezahlt haben.

Wer nicht so lange warten will oder kann, rechnet besser laufend mit und beantragt bei der Kasse eine Zuzahlungsbefreiung bis zum Jahresende, sobald die Obergrenze erreicht ist.

Sie können aber auch Ihre Zuzahlungen bei der Kasse vorauszahlen. Dazu überweisen Sie der Krankenkasse am Anfang des Kalenderjahres den geschätzten Eigenanteil und bekommen dies schriftlich bestätigt. Legt man diesen Nachweis beim Arztbesuch vor, tragen alle Rezepte den Vermerk "zuzahlungsbefreit". Dieses letzte Verfahren lohnt sich aber nur, wenn Sie die Belastungsgrenze sicher überschreiten.