Schwindel: Was steckt dahinter?

Schwindel kann sehr viele Ursachen haben — einige davon hängen mit dem Diabetes zusammen. Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen!

von Dr. Antje Kunstmann, 07.01.2019

Es ist ein bisschen wie damals als Kind nach dem Karussellfahren: Der Gang unsicher, im Kopf ein wattiges Gefühl, die Umgebung schwankt. Aber anders als früher fühlt sich das nicht lustig an, sondern bedrohlich. Wer verliert als Erwachsener schon gern die Kontrolle? "Angst und Schwindel sind Brüder", sagt Dr. Helmut Schaaf, Leiter der Gleichgewichtsambulanz im Krankenhaus Bad Arolsen.

Schwindel ist dabei keine Krankheit, sondern ein Symptom, hinter dem viele Ursachen stecken können. Unser Gleichgewichtsempfinden entsteht aus dem, was das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, unsere Augen und Messfühler in Muskeln und Gelenken ans Gehirn melden. Ein kompliziertes Zusammenspiel. Wenn in diesem System etwas nicht funktioniert, empfinden wir Schwindel.

Wo steckt das Problem?

Das kann bereits der Fall sein, wenn der Flüssigkeitshaushalt nicht in der Balance ist. "Die wichtigste Frage, gerade bei älteren Menschen, ist darum, ob sie genug getrunken haben", sagt Schaaf. Auch ein zu niedriger Blutzuckerspiegel kann sich durch Schwindel bemerkbar machen. "Allerdings kommen dann oft Beschwerden wie Herzrasen und Schweißausbrüche dazu", so Dr. Dirk Hochlenert, Dia­betologe in Köln. Eine weitere Ursache kann ein niedriger Blutdruck sein, der dazu führt, dass das Innenohr nicht ausreichend durchblutet wird. Manchmal, zum Beispiel bei Hitze, sind etwa Medikamente gegen Blut­hochdruck zu hoch dosiert — und der Druck sinkt zu stark. Wenn Sie Schwindel als Nebenwirkung vermuten, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen, aber keinesfalls die Medikamente allein absetzen.

Aktiv bleiben

Die Hauptursache für durch Diabetes bedingten Schwindel liegt in der Neuropathie. Die Nervenerkrankung führt zu Gefühlsstörungen vor allem in den Füßen. "Das fühlt sich an, als würde man auf Schaumgummi laufen", erklärt Dr. Bodo Schiffmann, Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Schwindelexperte aus Sinsheim. Typisch ist, dass die Probleme nur dann auftreten, wenn die Füße die Erde berühren: "Patienten können zum Beispiel gut Fahrrad fahren, aber sobald sie einen Fuß auf den Boden stellen, wird ihnen schwindelig." Bleiben Sie trotzdem aktiv: Wer sich aus Unsicherheit immer mehr zurückzieht, verliert sein Gleichgewichtsempfinden. "Unser Körper hat die Chance, das Gefühl mangelnder Stabilität auszugleichen, aber nur, wenn wir den Gleichgewichtssinn trainieren", sagt Experte Schiffmann. Dabei helfen Übungen (Beispiele siehe unten).

Ein Fall für den Notarzt?

Zum Arzt sollten Betroffene immer dann gehen, wenn der Schwindel erstmals auftritt. Und natürlich, wenn er ihren Alltag beeinträchtigt, wenn er schlagartig und heftig kommt und von Erbrechen, Atemnot, Ohnmachtsgefühlen oder Fieber begleitet wird. Der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, wenn gleichzeitig Lähmungen, etwa ­einer Gesichtshälfte oder eines Arms, und Sprachstörungen auftreten. Dann zählt wirklich jede Minute, und der Notarzt muss gerufen werden (Notruf: 112). Ansonsten ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner, der an Experten wie den Hals-­Nasen-Ohren-Arzt, Diabetologen oder Neurologen überweisen kann. An verschiedenen Kliniken gibt es außerdem sogenannte Schwindelambulanzen. "Grundsätzlich ist es wichtig, den Beschwerden auf den Grund zu gehen und sie nicht als normale Alterserscheinung hinzunehmen", so Bodo Schiffmann.