Nervenschmerzen: Was bringt ein Schmerzbewältigungstraining?

Schmerzmediziner Dr. Oliver Emrich erklärt, wie ein psychologisches Training hilft, mit der Pein besser zurechtzukommen

von Alexandra von Knobloch , 16.01.2019

Ständig dieses Kribbeln, der Schmerz! Manche Patienten fühlen sich machtlos gegen Nervenschmerzen — und gegen die Einschränkungen, die die Beschwerden für ihr Leben bedeuten. Sie sind verzweifelt. "Wenn Sorgen und Befürchtungen wegen der Schmerzen den Alltag beherrschen, ist es Zeit für eine neue Behandlungsstrategie", so Dr. Oliver Emrich, Leiter des regionalen Schmerzzentrums DGS Ludwigshafen. Dann könnte ein Schmerzbewältigungstraining helfen.

Bei diesem Training lernen Betroffene, aus eigener Kraft einen inneren Abstand zu den Gedanken oder Gefühlen zu gewinnen, die sie momentan lähmen. Sie üben Methoden, die ihnen wieder eine selbstbestimmte und positivere Lebensgestaltung erlauben, darunter zum Beispiel Möglichkeiten zur gedanklichen und körperlichen Ablenkung. "Der Schmerz verschwindet nicht", erklärt Emrich. Aber er verliert seinen zerstörerischen Einfluss. "Der Patient erlangt die Kontrolle zurück."

Training in der Gruppe

Das Training beinhaltet meist mehrere Gruppensitzungen, angeleitet von Schmerz- oder Psychotherapeuten. Die dabei gezeigten Methoden werden ausprobiert, sodass jeder Teilnehmer für sich die richtige finden kann.

"Erfolg verspricht ein Schmerzbewältigungstraining vor allem, wenn es Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie ist", betont Emrich — also einer Therapie, die aus vielen verschiedenen Einzelbausteinen besteht. Das bedeutet: Schmerzlindernde Medikamente und physikalische Maßnahmen wie etwa TENS-Anwendungen werden mit psychologischen Strategien kombiniert. Ein solches Schmerzbewältigungstraining kann der Arzt zum Beispiel verordnen, wenn die Schmerzen unerträglich sind oder bereits zu Depressionen geführt haben. Das Training findet meist ambulant oder im Rahmen eines Reha-Aufenthaltes statt.

Für eine wirksame Schmerzbewältigung gibt es zwei Voraussetzungen: "Der Patient muss sich darauf einlassen, dass das Erleben des Schmerzes auch damit zusammenhängt, wie er selbst den Schmerz bewertet", sagt Emrich. Und natürlich muss das Erlernte nach dem Kurs zu Hause weiter geübt und angewendet werden.