Warum sich lieben lohnt

Höchste Zeit, mit dankbaren Augen auf den Partner oder die Partnerin zu blicken. Denn große Gefühle tun mehr für unsere Gesundheit als gedacht!

von Rieke Winter, 11.02.2019

Stärkt die Liebe das Herz?

"Studien zeigen, dass Menschen in einer glücklichen Beziehung ein geringeres Risiko für Herzerkrankungen und -infarkte haben", sagt Professorin Dr. Christiane Waller, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Kardiologie am Klinikum Nürnberg. So zeigte eine internationale Studie: Nicht ver­heiratet zu sein erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 42 Prozent und für Herzgefäß-Erkrankungen um 16 Prozent. Aber: Die beste Vorsorge ist immer noch ein gesunder Lebensstil.

Leben Liebende länger?

Es gibt zumindest viele Studien, die dafür sprechen. So erholen sich Verheiratete im Schnitt schneller und besser von Krankheiten oder Operationen als Singles — und haben bessere Überlebenschancen. "Insgesamt ist auch die Wahrscheinlichkeit geringer, eine Erkrankung wie Krebs, Diabetes oder Herzprobleme zu entwickeln", sagt Christiane Waller. Und es fällt leichter, ungesunde Gewohnheiten wie Rauchen oder starken Alkoholkonsum aufzugeben, wenn der Partner oder die Partnerin mit gutem Beispiel vorangeht. All das kann sich positiv auf die Lebenserwartung auswirken.

Schützen Beziehungen vor Stress?

Wer verliebt ist, schüttet zwar mehr Stresshormone aus, Adrenalin und Dopamin zum Beispiel. Das sorgt für Herzklopfen. Aber: "Das ist positiver Stress", sagt Endokrinologe Professor Dr. Helmut Schatz aus Bochum. Langfristig hilft eine glückliche Partnerschaft dabei, negativen Stress zu reduzieren. Schließlich ist jemand da, mit dem man über Schwierigkeiten sprechen und sie gemeinsam angehen kann. Das baut auf.

Gemeinsam zu gesunder Ernährung?

Paare neigen zwar dazu, zu Beginn in einer Beziehung etwas an Gewicht zuzunehmen — aber sie essen gesünder. Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz haben in einer Studie das Ernährungsverhalten von mehr als 10.000 Erwachsenen aus neun europä­ischen Ländern verglichen. Sie fanden heraus: Verheiratete kaufen mehr unverarbeitete Lebensmittel als Fertigprodukte. Die Triebkräfte hinter diesem Verhalten scheinen allerdings vor allem die Frauen zu sein.

Mehr Sport zu zweit?

"Bei Menschen, die gemeinsam Sport treiben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie dranbleiben, zwar höher", sagt Professor Dr. Bernhard Kulzer, Diplom-Psychologe und Fachpsychologe Diabetes aus Bad Mergentheim. Aber zwei Couch-Potatoes animieren sich nicht plötzlich zum allabend­lichen Spaziergang. "Es braucht schon einen Partner, der sagt: Wir gehen jetzt raus", erklärt der Experte. Forschungen der Universität Heidelberg zeigen sogar, dass Menschen, die in einer Beziehung leben, durchschnittlich weniger Sport treiben als Alleinstehende — und an Gewicht zulegen. Offenbar werden Menschen ein wenig bequemer, wenn sie sich nicht mehr gegenüber anderen Singles behaupten müssen. Also: runter vom Sofa und raus in die Natur!

Wie wirkt die Liebe auf den Diabetes?

"Bei Schwierigkeiten suchen Menschen immer andere Menschen, die ihnen helfen und mit denen sie sich austauschen können", sagt Psychologe Kulzer. "Und auch bei einer Unterzuckerung ist der Partner oft der wichtigste Helfer." Aber auch andere Faktoren wie eine gesündere Ernährung und weniger Stress können einen positiven Einfluss auf den Diabetes haben. "Eine gute Beziehung ist einfach in vielen Bereichen ein Schutz­faktor", so Experte Kulzer.