Lebensmittel: Was ist wie lange haltbar?

Viel zu viele Lebensmittel wandern in den Müll — auch wenn man sie noch gut essen könnte. Doch wie lange halten sie sich wirklich?

von Angela Boschert, 22.03.2019

Mindestens haltbar bis... Dieser Aufdruck findet sich auf vielen Produkten, etwa auf Joghurt, Milch oder abgepackter Wurst. "Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert der Hersteller, dass das Produkt bis zu diesem Datum die volle Qualität bietet bei Aussehen, Geschmack, Geruch, Farbe und Konsistenz", erklärt Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale Bayern. Vorausgesetzt, die Verpackung war ungeöffnet und das Lebensmittel wurde entsprechend dem Aufdruck — etwa "im Kühlschrank" oder "trocken" — gelagert. Das Mindesthaltbarkeits­datum (MHD) ist ein vorgeschriebenes Kennzeichnungselement, das laut EU-Recht auf Fertigpackungen anzugeben ist.

"Die meisten Produkte sind nach Ablauf des MHD durchaus noch genießbar", sagt Schwengel-Exner. Lebensmittel dürfen dann sogar noch verkauft werden. Allerdings geht die Verantwortung für die Qualität des Produkts dann auf den Händler über. Er reduziert meist den Verkaufspreis.

Ist das noch gut?

"Das Lebensmittel kann sich nach Ablauf des MHD zum Beispiel in Farbe und Konsistenz verändert haben, ohne dabei ungenießbar zu werden", erklärt Schwengel-Exner. "Beispielsweise könnte Erdbeer­joghurt gräulich werden, ohne dass er deswegen verdorben ist." Milchprodukte sind in der Regel weit über ihr MHD hinaus noch wohlschmeckend und bekömmlich. Manche Waren, etwa Brot, könnten aber auch weniger knusprig oder vielleicht trockener sein, als man es erwartet. Bei eingeschweißten Nahrungsmitteln, für die die MHD-Verordnung gilt, ist damit allerdings kaum zu rechnen.

Spezialfall Eier

Auf Eierkartons befindet sich noch die Angabe "bei + 5 bis + 8 °C zu kühlen ab …". Die Eier müssen ab dem genannten Datum bei der angegebenen Temperatur gelagert werden, um das MHD unbeschadet zu erreichen. Aber Achtung: Lagen die Eier im Laden bereits im Kühlregal, gehören sie zu Hause sofort in den Kühlschrank.

Tiefkühlkost & Co.

Auch Konserven und Tiefkühlprodukte tragen ein MHD. Konserven sind zwar nahezu unbegrenzt haltbar. Ist eine Konservenbüchse allerdings aufgequollen, ist das ein Zeichen für Verderb, und sie gehört ungeöffnet in den Mülleimer.

Tiefkühl-Pizza kann man in der Regel auch nach Ablauf des MHD noch verzehren; allenfalls könnte sie Aroma verloren haben, oder sie wird beim Backen nicht mehr richtig kross. Gesundheitsschädlich sind diese Veränderungen nicht, vorausgesetzt, die Pizza zeigt keine ungewöhnliche Verfärbung und riecht nicht verdorben. Denn auch Minusgrade schützen nicht vor bakterieller Zersetzung.

Augen und Nase auf!

Vor dem Verzehr sollte man jedes Lebensmittel genau betrachten, daran riechen und die Konsistenz prüfen. So lässt sich erkennen, ob es einwandfrei ist. Hat man Zweifel, kann man etwas davon kosten.

Kein Zweifel besteht, wenn man Schimmel oder gar Fäule sieht. Solche Lebensmittel müssen entsorgt werden. Angeschimmeltes Brot, Milchprodukte, Margarine, Weichkäse und Gemüse gehören komplett in den Müll! "Der sichtbare Schimmel ist nur die Spitze des Eisbergs. Seine Sporen sind weit in das Produkt eingedrungen. Man kann nicht sehen, wohin oder wie tief", warnt Anja Schwengel-­Exner. Schimmlige Stellen abzuschneiden bringt also nichts. Ausnahme: Sieht der Schimmel auf Käse weiß oder weiß-bläulich und flaumig aus, kann es sich um unschädlichen (Edel-)Schimmel handeln, etwa bei Roquefort.

Bitte bald essen!

Heikler ist es bei Hackfleisch oder anderen leicht verderblichen Lebensmitteln wie frischen Fleisch- und Geflügelprodukten, geräuchertem Fisch, Feinkostsalaten, geschnittenem Salat und geschnittenem Obst sowie frischer Rohmilch. Hier kommt das Verbrauchsdatum auf der Packung zum Tragen. "Es gilt für mikrobiologisch leicht verderbliche Lebensmittel, die nach Ablauf des Verbrauchsdatums mit Risiken für die menschliche Gesundheit verbunden sein können", erklärt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Homepage.

Die Verpackung muss die Aufschrift "verbrauchen bis …" tragen. Zudem müssen die Bedingungen beschrieben sein, unter denen das Lebensmittel aufzubewahren ist (zum Beispiel die Kühltemperatur).

Wichtig: Nach Ablauf des Verbrauchsdatums dürfen Lebensmittel nicht mehr verkauft werden. Man sollte sie dann auch nicht mehr verwenden. Im Gegensatz zum MHD ist das Verbrauchsdatum ein "Wegwerfdatum".

So lange halten sich Lebensmittel im Kühlschrank