Was bei Nagelpilz hilft

Bei Nagelpilz ist schnelles Handeln gefragt. Denn gerade für Menschen mit Diabetes kann er gefährlich werden

von Dr. Antje Kunstmann, 15.05.2019

Natürlich lässt sie sich erst mal igno­rieren, diese weißlich gelbe Ver­färbung am Nagel, der möglicherweise auch verdickt oder bröselig wirkt. Vielleicht geht die Sache ja auch wieder weg  ...? "Aber oft steckt ein Nagelpilz dahinter", sagt Dr. Joachim Kresken, Apotheker aus Viersen und Vorsitzender der Gesellschaft für Dermopharmazie.

Bei Diabetikern kann sich diese Infektion besonders leicht ausbreiten und ernste Folgen haben, warnt Professor Dr. Dietrich Abeck, Dermatologe aus München. Er rät, solche Veränderungen schnell dem Arzt zu zeigen, vor allem wenn eine Durchblutungsstörung oder eine Schädigung der Nerven besteht. Häufig tritt der Nagelpilz nach einer Fußpilzinfektion auf. Erreger sind oft Fadenpilze, die sich über Sporen verbreiten. Und Sporen können überall sitzen, wo man barfuß geht: in Schwimmbädern, Hotelzimmern, zu Hause...

Achtung bei Diabetes!

Bei Diabetes ist das Ansteckungsrisiko erhöht: Manchmal ist die Haut sehr trocken, die Schweißdrüsen arbeiten nicht mehr perfekt. "Das setzt die natürliche Hautbarriere herab, Pilze können leichter eindringen", sagt Apotheker Kresken. Auch Hände und Fingernägel können von einer Pilzinfektion betroffen sein. Deutlich häufiger siedeln die Erreger aber an den Füßen und Fußnägeln, die oft in engen Schuhen und Strümpfen stecken.

Gefährlich wird die Infektion, wenn sich zum Pilz Bakterien gesellen, eine sogenannte Super­infektion. Durch vom Pilz verdickte oder kantige Nägel entstehen leicht Verletzungen, über die Erreger eindringen können. Zudem kann die Wundheilung bei Diabetes gestört sein. "So entstehen schlimmstenfalls große Geschwüre", sagt Abeck. Bestätigt sich beim Arzt der Verdacht auf Nagelpilz, empfiehlt er häufig zunächst Anti-Pilz-Lacke. Es gibt sie rezeptfrei in der Apotheke.

Nicht wasserlösliche wendet man seltener an, etwa einmal in der Woche. Dabei muss der betroffene Nagel vorher mit einer Feile aufgeraut werden", erklärt Joachim Kresken. Pilzsporen siedeln nämlich in den Hohlräumen des Nagelgewebes. Und bis dorthin müssen die Wirkstoffe vordringen.

Bis gesundes Nagelgewebe nachgewachsen ist, braucht es Geduld: Bis zu zwölf Monate kann das dauern. In manchen Fällen heilt der Nagelpilz auch bei sorgfältiger Behandlung nicht aus, sondern kann nur in Schach gehalten werden. Außerdem gilt: Ist mehr als die Hälfte eines Nagels oder sind mehr als zwei bis drei Nägel pro Fuß befallen, reicht eine Behandlung von außen häufig nicht mehr aus. Fragen Sie Ihren Arzt, ob die Einnahme von Anti-Pilz-Medikamenten sinnvoll ist.

Auf Wechselwirkungen achten

Gerade bei Menschen mit Typ-2-Dia­betes muss der Arzt die Wirkstoffe sorgfältig wählen, sodass es zu keinen Wechselwirkungen mit Diabetesmedikamenten kommt. Und wie sieht es mit einer Laser­behandlung aus? "Sie kann die Therapie allenfalls unterstützen", sagt Abeck. Die Behandlungskosten müssen die Patienten selbst tragen. Wichtig: Bei diabetesbedingten Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen kommt eine Lasertherapie nicht infrage!

Anti-Pilz–Infos von A bis Z

Aufmerksam sein: Untersuchen Sie Füße und Nägel regelmäßig, zeigen Sie Auffälligkeiten sofort dem Arzt

Blutzucker optimieren: Gute Werte, verbesserte Heilung

Dranbleiben: Wenden Sie Anti-Pilz-Präparate konsequent an!

Hygiene einhalten: Waschen Sie Socken und Handtücher bei 70, besser 95 Grad. Nicht barfuß gehen, damit Sie andere nicht anstecken

Schuhe desinfizieren: Nutzen Sie pilzabtötendes Schuhspray. Des­infizieren Sie Nagelschere und Feile

Vorbeugen: Tragen Sie Badeschuhe in Bädern, Saunen oder zu Hause,
wenn Ihr Partner Fußpilz hat. Trocknen Sie Zehen­zwischenräume gründlich ab

Zirkulation erleichtern: Meiden Sie alles, was die Durchblutung verschlechtern würde. Tragen Sie keine zu engen Schuhe oder einschnürende Socken