Wie natürlich ist meine Kosmetik?

Pflanzliche Körperpflege liegt im Trend. Aber wie gut eignet sie sich für die Haut bei Diabetes?

von Cornelia Menner, 10.05.2019

Das Graue-Maus-Image mit zäher Textur und strengem Geruch ist sie schon lange los, die Naturkosmetik. Heute kommt sie in edlen Tiegeln und Töpfchen daher, deren Inhalt nicht oder dezent duftet und sich angenehm auftragen lässt. Aber steckt auch wirklich Natur drin, wo Natur draufsteht?

Nach wie vor ist der Begriff "natürliche Inhaltsstoffe" nicht geschützt. Das heißt: Auch wenn Natur draufsteht, ist nicht zwingend Natur drin — und häufig schon gar nicht in Bio-Qualität. Verlässlich sind dagegen Siegel für zertifizierte Naturkosmetik wie NaTrue oder BDIH (Bundesverband der Indus­­trie- und Handelsunternehmen). So ausgezeichnete Produkte stehen dafür, dass die Pflanzen in der Zusammensetzung verwendet werden, die auf der Packung ausgelobt ist, dass die Rohstoffe aus biologischem Anbau stammen, die Betriebe ökologisch arbeiten und die Erzeuger fair bezahlt werden.

Verträglich? Nicht für jeden!

Zertifizierte Naturkosmetik gilt zwar als besonders verträglich. Eine Verträglichkeitsgarantie bei  trockener, empfindlicher Haut, wie sie gerade Menschen mit Diabetes häufig haben, gibt es aber nicht. Helen Brugger, Apothekerin aus Herrsching, empfiehlt daher, bei der Markenwahl vorsichtig zu sein: "Grundsätzlich ist Naturkosmetik nicht immer das Beste für die Haut. Viel wichtiger ist es gerade für Menschen mit empfindlicher Haut, Cremes und Serien mit möglichst wenigen Inhaltsstoffen zu nehmen." Das findet auch Dr. Stefanie Kamann, Dermatologin und Diabetes-Expertin aus Feldafing, und ergänzt: "Wer Naturkosmetik wählt, sollte darauf achten, dass möglichst wenig oder am besten kein Alkohol enthalten ist. Und nur milde Tenside, also waschaktive Substanzen."

Spüren, was die Haut mag

Welche Kräuter und Pflanzen sind nun besonders gut für die Haut geeignet? Auch das lässt sich nur individuell beantworten. Dermatologin Dr. Kamann beobachtet in ihrer Praxis nicht selten Allergien auf pflanzliche Inhaltsstoffe: "Besonders auf Korbblütler wie die Ringel­blume." Apothekerin Brugger hat die Erfahrung gemacht: "Viele Menschen vertragen die entzündungshemmenden und hautberuhigenden Pflanzen Kamille oder Arnika nicht." Gut verträglich seien dagegen Produkte, die Mandel- oder Nachtkerzenöl enthalten: "Beide liefern viel Feuchtigkeit und wirken rückfettend. Nachtkerzenöl hat durch seine vielen ungesättigten Fettsäuren sogar noch einen antientzündlichen Effekt."

Um wirklich sicherzugehen, empfiehlt die Expertin, jede neue Creme, ob Naturkosmetik oder nicht, 24 Stunden in der Armbeuge zu testen. Und sich, wenn möglich, zum Testen erst mal mit Pröbchen einzudecken oder zumindest eine kleinere Packung zu nehmen

Zertifizierte Naturkosmetik ist sicher frei von:

  • Chemischen Konservierungsstoffen, etwa Parabenen. Sie könnten sich u.a. ungünstig auf den Diabetes auswirken
  • Chemischen UV-Filtern. Sie stecken nicht nur in Sonnen-, sondern oft auch in Gesichtscremes
  • Künstlichen Duftstoffen. Sie lösen möglicherweise Allergien aus
  • Tensiden und Emulgatoren. Sie können die Haut austrocknen

Finger weg von Farbstoffen

Und was tun, wenn kein Siegel auf der Naturcreme steht? Dann sollte man sich die Inhaltsstoffe, die auf jedem Produkt angegeben sein müssen, genau ansehen. Diese INCI-Deklaration ist die internatio­nale Richtlinie für die korrekte Angabe der Inhaltsstoffe von Kos­metika. Die Bestandteile sind stets nach absteigender Reihen­folge der Konzentration auf der Verpackung aufgeführt. Das, wovon viel enthalten ist, kommt also immer zuerst. Meist am Ende stehen Farbstoffe, abgekürzt mit C.I. für Colour Index. Sie haben keine Funktion für die Pflege — aber manche Menschen vertragen sie nicht.

Der wichtigste Tipp bei der Kosmetik lautet deshalb: Lassen Sie sich beim Einkaufen gut beraten, am besten in Ihrer Apotheke.