Gut versorgt bei Blasenschwäche

Inkontinenz-Hilfsmittel kann der Arzt auf Rezept verordnen. Alles Weitere übernimmt die Apotheke

von Dr. Sabine Haaß, 05.06.2019

Wer unfreiwillig Urin verliert, redet meist nicht darüber und deckt sich selbst mit den nötigen Hilfsmitteln ein. Was viele nicht wissen: Der Arzt kann helfen. Mit Medikamenten, mit einer anderen geeigneten Therapie — und mit einem Rezept für Inkontinenz-Hilfsmittel. Den größten Teil der Kosten für aufsaugende Hilfsmittel wie Slip­einlagen, Vorlagen oder Höschen trägt dann die Krankenkasse. Sie wollen wissen, wie die Versorgung damit funktio­niert? Wir haben einen Experten gefragt.

Den zuständigen Lieferanten in der Nähe ermitteln

Zur Hilfsmittel-Versorgung haben die Krankenkassen meist Verträge mit mehreren Partnern abgeschlossen: mit Apotheken, Sanitätshäusern oder Fachhändlern. "Rufen Sie bei Ihrer Kasse an", empfiehlt Dr. Andreas Behncke, Apotheker in Berlin-Pankow. "Dort erhalten Sie eine Liste von Versorgern und können sich die nächstgelegene Apotheke aussuchen." In dieser Apotheke reichen Sie Ihr Rezept ein.

Die passenden Vorlagen finden: Eine Beratung hilft

Mit der Apotheke vereinbaren Sie einen Beratungstermin. Dafür hat sie fachkundiges Personal und einen separaten Raum. Im Gespräch erfragt die Beraterin, welche Art von Hilfsmitteln Sie brauchen. Wichtig sind vor allem Saugstärke, Größe, Form und Hautfreundlichkeit. Die Beraterin zeigt Ihnen Muster verschiedener Hersteller und gibt Ihnen eine große Auswahl zum Probieren mit. Wenn nötig, kann die Beraterin Sie auch zu Hause besuchen. Oder ein Bote der Apotheke bringt Ihnen Muster vorbei. Haben Sie sich für ein Produkt entschieden, kümmert sich die Apotheke um die Kostenübernahme durch Ihre Kasse.

Den monatlichen Bedarf liefern lassen

Was Sie im Monat brauchen, liefert Ihnen die Apotheke kostenfrei per Boten nach Hause. Und zwar neutral verpackt, damit niemand sieht, was drin ist. Manche Krankenkassen arbeiten bevorzugt mit Versandhändlern zusammen. Da kann es passieren, dass im Originalkarton geliefert und der dann auch noch beim Nachbarn abgegeben wird. Oder dass gleich der Bedarf für ein ganzes Quartal ankommt, für den in einer kleineren Wohnung der Platz fehlt. Dr. Behnckes Tipp: Wer mit seinem Versorger nicht zufrieden ist, kann die Krankenkasse in einer formlosen schrift­lichen "Wechsel­erklärung" um einen anderen Lieferanten bitten — zum Beispiel eine Apotheke in der Nähe, die ebenfalls zu den Vertragspartnern der Krankenkasse gehört.

Auf die Kassenleistung zuzahlen

Für Hilfsmittel erhält der Versorger eine Monatspauschale, die je nach Kasse und Bundesland variiert. Sie liegt etwa zwischen 15 und 30 Euro. Zehn Prozent der Pauschale müssen Sie zuzahlen, aber nicht mehr als zehn Euro im Monat. Wer eine chronische Krankheit wie Diabetes hat, kann sich von Zuzahlungen befreien lassen, sobald die ­finanzielle Belastung ein Prozent des jähr­lichen zu versteuernden Einkommens überschreitet.

Unzufrieden? In der Apotheke nachfragen

"Reicht die Menge oder die Qualität der Hilfsmittel nicht aus, wird Ihnen die Apotheke zunächst anbieten, auf ein anderes Produkt umzusteigen", sagt Dr. Behncke. Kostet die einzelne Vorlage weniger, bekommen Sie im Rahmen der Monatspauschale mehr davon. Bei einem saugfähigeren Produkt genügt vielleicht die kleinere Packung. Die Hilfsmittel der einzelnen Hersteller unterscheiden sich auch durch die anatomische Form. "Passt die eine Vorlage nicht, klappt es oft mit der anderen besser", so Dr. Behncke. "Das muss man ausprobieren." Deckt die Monatspauschale trotzdem nicht die Kosten für die benötigte Stückzahl oder Saugstärke, bleibt meist nur die Aufzahlung auf ein teureres Produkt. Eine Erhöhung des individuellen Monatsbedarfs genehmigt die Kasse nur in Ausnahmefällen. Aber auch bei einer Aufzahlung sind Ihre Kosten immer noch geringer, als wenn Sie alles selbst finanzieren müssten.

­Diabetes kann auf die Blase gehen

Es gibt viele Ursachen für eine Harn­inkontinenz, zum Beispiel eine Beckenbodenschwäche, eine vergrößerte Prostata, aber auch Diabetes. Über längere Zeit erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen, die die Blasenentleerung steuern. Die Folgen: eine Reizblase mit häufigem Harndrang oder eine sogenannte Überlaufblase, aus der ständig Urin tröpfelt. Ist ein schlecht eingestellter Blutzucker die Ursache vermehrter Harnbildung, lässt sich das in den Griff bekommen. Vertrauen Sie sich Ihrem Arzt an!

Fachliche Beratung:

Unser Experte Dr. Andreas ­Behncke versorgt in seiner Apotheke in Berlin-­Pankow Patienten mit ­Inkontinenz-Hilfsmitteln.