Biergenuss: Das müssen Sie bei Diabetes beachten

Hopfen, Malz, Hefe und Wasser: Mehr darf nicht drin sein. Trotzdem gibt es große ­Unterschiede. Ein kleiner Bier-Führer

von Dr. Sabine Haaß, 21.06.2019

Es ist das beliebteste alkoholische Getränk in Deutschland. Besonders gern greifen die Bundesbürger zu Pils und Export (in Bayern "Helles"). Dabei interessiert gesunde Bierfans neben Geschmack und Preis höchstens noch der Alkoholgehalt. Für Dia­betiker dagegen ist es nützlich, mehr über Bier zu wissen.

Zunächst spielt der Alkohol auch für sie eine große Rolle. Vor allem wenn sie Insulin spritzen oder zuckersenkende Tabletten mit Sulfonylharnstoffen einnehmen: Alkohol bringt den Blutzucker durcheinander. Durch die Kohlenhydrate im Bier steigt der Zuckerwert erst einmal an, bevor ihn der Alkohol sinken lässt. "Oft kommt es dann nachts im Schlaf zur Unterzuckerung oder sogar noch am nächsten Vormittag", sagt Helmut Nussbaumer, Diabetesberater in Burg­hausen. Erst recht, wenn man Alkohol mit Bewegung kombiniert, etwa nach dem Sport oder zum Tanzen Bier trinkt. Für die Kohlenhydrate im Bier sollte man deshalb kein Insulin spritzen, häufiger den Zucker messen — und am besten vorab beim Arzt den Umgang mit Bier & Co. klären.

Apropos Kohlenhydrate: Im Bier steckt Malzzucker. Der geht rasch ins Blut und treibt den Zucker hoch. ­Kohlenhydrat­armes oder -reduziertes Bier (die Bezeichnung steht auf dem Etikett) und Leichtbier enthalten weniger Malzzucker und sind bei Diabetes die bessere Wahl. Leichtbier liefert auch weniger Alkohol. "Den höchsten Malzzuckeranteil hat alkohol­freies Bier", sagt Nussbaumer. Beim Brauen wird wenig davon vergärt, damit der Alkoholgehalt unter 0,5 Prozent bleibt. Diabetiker sollten eins wählen, dem der Alkohol erst nach dem Brauen entzogen wird. Es hat deutlich weniger Malzzucker. Weil der Alkohol fehlt, muss man für diese Kohlenhydrate aber Insulin spritzen. Informationen zu Brauverfahren und Nährwerten finden sich häufig auf den Webseiten der Brauereien.

Ansonsten gilt die Faustregel: Je dunkler das Bier, desto mehr Kohlenhydrate. Falls nichts gegen Alkoholkonsum spricht, ist ein herbes norddeutsches Pils wegen des geringeren Malzzuckergehalts bei Diabetes eher geeignet. Und jetzt endlich: prost!

Was steckt im Gerstensaft?

(ungefähre Angaben pro 100 Milliliter)

Biersorte Brennwert  (Kilokalorien) Kohlenhydrate (Gramm) Alkohol (Vol. -Prozent)
Pils 40 3 4,8
Export, "Helles" 50 3 5,0
Starkbier 70-75 4-5 7-8
Weizen- oder Weißbier 40 3 5
Leicht-/Light-Bier (z.B. Pils, Weizen) 25 2 2,5-3
Alkoholfreies Bier (z.B. Pils, Weizen) 25 5,5

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