Diabetische Nephropathie: So halten Sie den Nierenschaden auf

Die Nieren leiden oft bei Diabetes. Doch Sie können eine Menge tun, um sie zu schützen

von Tina Haase, 08.07.2019

Unsere Nieren sind Multitalente: Sie filtern unser gesamtes Blut bis zu 300-mal am Tag und leiten schädliche Stoffe über den Urin ab. Sie regulieren den Wasser- und Mineralstoffhaushalt und spielen eine wichtige Rolle für den Blutdruck. Extrem leistungsstark, aber auch empfindlich: Hohe Blutzuckerwerte etwa machen den Nieren zu schaffen. Laut Deutschem Gesundheitsbericht Diabetes haben 42 Prozent der Typ-2-Diabetiker einen Nierenschaden. Auch viele Menschen mit Typ 1 leiden unter einer diabetischen Nephropathie, so der Fachbegriff für die Krankheit.

Die Nieren optimal behandeln

Das Gute: Mit der richtigen Therapie und einer gesunden Lebensweise lässt sich der Nierenschaden oft aufhalten.
Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Nieren schützen. Und eine Diabetikerin erzählt, wie sie mit ihrem Nierenschaden lebt.

 

1. Regelmäßig zum Nierencheck

Die Nieren leiden still. Schätzungsweise jeder dritte Betroffene weiß nichts von seinem Nierenproblem. "Bis sich Symptome wie Wassereinlagerungen oder Erschöpfung zeigen, ist die Krankheit oft schon fortgeschritten", sagt Privatdozent Dr. Thomas Ebert, Internist am Universitätsklinikum Leipzig. Deshalb sollten Diabetiker mindestens einmal jährlich zum Nierencheck: Zu viel Eiweiß im Urin und ein Nachlassen der Filterleistung sind Hinweise auf eine Erkrankung.

Wer bereits nierenkrank ist, muss in kürzeren Abständen zum Arzt. Lassen Sie unbedingt auch andere Organe wie Augen und Herz untersuchen. Denn bei Menschen mit Nierenschwäche ist das Risiko für Netzhautschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall er­höht.

2. Blutzucker gut einstellen

Um die Filterorgane zu entlasten, muss man auf gute Blutzuckerwerte achten: Sind die Nieren bereits geschädigt, kann eine optimale Blutzuckereinstellung ein Fortschreiten der Nierenschwäche zumindest verlangsamen.

Um bessere Werte zu erreichen, passt der Arzt die Diabetestherapie an. Dann kann bei Typ-2-Diabetikern zum Beispiel der Wechsel von Tabletten auf Insulin sinnvoll sein und bei Typ-1-Diabetikern die Umstellung auf eine Insulinpumpe. Welche Blutzuckerwerte im Einzelfall angestrebt werden, besprechen Arzt und Patient gemeinsam.

 

3. Achtsam mit Tabletten umgehen

"Die Nieren filtern auch Arzneimittelwirkstoffe aus dem Blut. Arbeiten sie eingeschränkt, kann der Wirkstoffspiegel im Blut steigen", warnt Dr. Monika Guggemoos, Apothekerin in Garmisch-Partenkirchen. Deswegen verschreiben Ärzte einige Medikamente, etwa bestimmte blutzuckersenkende Tabletten, bei fortgeschrittenem Nierenleiden nicht mehr, oder sie passen die Dosis an. Vorsicht gilt auch bei Insulin.

"In der Apotheke sollten Sie als Patient auf Ihren Nierenschaden aufmerksam machen", sagt Guggemoos. "Denn auch rezeptfreie Medikamente, etwa Schmerzmittel mit Diclofenac oder Ibuprofen, können die Niere schädigen." Die Expertin rät zu einem Medikationsplan, auf dem alle Medikamente — auch rezeptfreie — vermerkt sind. Arzt und Apotheker helfen dabei. Wenn eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ansteht, weisen Sie bitte den Arzt auf Ihr Nierenproblem hin, da bestimmte Kontrastmittel die Filterorgane belasten können.

4. Hohen Blutdruck senken

"Hoher Blutdruck schädigt das Herz, aber auch die feinen Blutgefäßknäuel in den Nieren", sagt Internist Thomas Ebert. "Deswegen muss er unbedingt mit Medikamenten behandelt werden." Mittel der Wahl sind ACE-Hemmer. Wer sie nicht verträgt, bekommt AT1-Blocker verschrieben.

Manchmal erhalten auch Nierenkranke ohne Blut­hochdruck diese Arzneimittel, weil es Hinweise darauf gibt, dass sie ein Fortschreiten der Erkrankung bremsen.

Die Zielwerte für Diabetiker mit Bluthochdruck und Nierenschwäche passt der Arzt bei jedem Patien­ten individuell an.

5. Aktiv leben

Bewegung scheint ein Allheilmittel für viele Faktoren zu sein, die die Nieren belasten. Sport senkt Blutzucker, Blutdruck und Choleste­rinspiegel. 150 Minuten Bewegung in der Woche, zum Beispiel an fünf Tagen jeweils eine halbe Stunde, gelten als Minimum. Sporteinsteiger und Herzpatienten sollten sich von ihrem Arzt grünes Licht holen.

Wie wäre es heute mit einem Spaziergang durch den Park oder mit einer kleinen Fahrradtour? Ihnen fehlt der Antrieb oder die Zeit? Suchen Sie sich einen Partner, mit dem Sie zusammen Ihre Runden drehen, und notieren Sie sich Ihre Sporttermine im Kalender. Das hilft Ihnen, aktiver zu werden.

Marika W. (72) aus ­Alzenau in Bayern hat Diabetes und eine Nieren- schwäche

"Ich habe seit 25 Jahren Typ-2-Diabetes, seit zehn Jahren spritze ich Insulin, und vor fünf Jahren erfuhr ich, dass ich kranke Nieren habe. ,Wenn Sie so weitermachen, kommen Sie an die Dialyse‘, sagte mein Arzt. Seitdem versuche ich, gesünder zu leben. Das fällt mir schwer. Ich esse ja so gerne. Aber an Bewegung mangelt es mir nicht. Ich bin den ganzen Tag unterwegs, kaufe ein, mache den Haushalt, koche für meinen Mann und die Enkel. Jeden Abend gehe ich zudem spazieren. Ich rauche und trinke nicht. Die Blutzuckerwerte könnten allerdings besser sein. Bald steht eine Reha an. Hoffentlich verhilft sie mir zu besseren Werten. Vielleicht schaffe ich es dort auch, etwas abzunehmen. Das täte meinen Nieren gut."

6. Mit dem Rauchen aufhören

Studien haben gezeigt, dass die Nieren von Diabetikern, die rauchen, besonders leiden: Die Gefäße in den Filterorganen verengen sich, die Nieren werden schlechter durchblutet. Rauchende Diabetiker bekommen meist früher eine Nierenschwäche und müssen eher zur Dialyse als Diabetiker, die nicht rauchen. Auch deswegen raten Ärzte dazu, mit dem Rauchen aufzuhören. Raucherentwöhnungskurse, die oft die Krankenkasse bezahlt, unterstützen dabei.

7. Gesund essen und trinken

Übergewicht kann die Nierenkör­perchen schädigen. Eine ausgewogene Ernährung hilft beim Abnehmen und dabei, die Nieren zu schützen. Hat der Arzt einen Nierenschaden festgestellt, sollte man auch nicht übermäßig viel Eiweiß essen. Eiweißhaltig sind zum Beispiel Fleisch und Milchprodukte. Auch mit Salz gilt es sparsam umzugehen, weil es den Blutdruck in die Höhe treiben kann (siehe auch Seite 44). Als Getränke eignen sich Wasser und ungesüßte Tees: Eineinhalb bis zwei Liter über den Tag verteilt werden empfohlen.

Wer einen schweren Nierenschaden hat, sollte die Trinkmenge mit seinem Arzt absprechen. Wichtig ist in diesem Fall auch eine kalium- und phosphatarme Ernährung. Dazu berät Sie Ihr Arzt.