Auch in Zeiten von Corona: In Notfällen muss der Notarzt kommen!

Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gehen derzeit viele Menschen bei gesundheitlichen Problemen nicht mehr zum Arzt oder ins Krankenhaus. Doch wer in Notfällen zögert, ärztliche Hilfe zu holen, riskiert sein Leben

von Dr. Caroline Mayer, 28.04.2020

Bei Verdacht auf Herzinfarkt: Sofort die 112 rufen

Ärzte schlagen Alarm: Sie befürchten, dass derzeit viele Menschen mit ernsthaften Symptomen zu Hause bleiben und so nicht nur vermeidbare gesundheitliche Folgeschäden, sondern bisweilen sogar ihr Leben riskieren. Die internistische Notaufnahme am Universitätsklinikum Würzburg etwa ist nach eigenen Angaben seit Beginn der Corona-Krise nur halb so voll wie sonst. Laut Professor Dr. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, säßen viele Menschen ernste Krankheitsbeschwerden momentan lieber zu Hause aus. So würden beispielsweise Herzinfarkte verschleppt, was ernste Konsequenzen habe. Deutschlandweit gibt es noch keine konkreten Zahlen, aber immer mehr Ärzte in Kliniken berichten von Patienten, die mit einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einer Blinddarmentzündung verspätet eingeliefert werden, da sie aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus lieber abwarten wollten.

Dr. Ranka Marohl, Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), sagt: "Wenn ein Patient eine schwere Erkrankung verschleppt, ist das Risiko, einen Schaden zu erleiden, sicherlich höher, als wenn er sich einem – relativ geringen – Infektionsrisiko aussetzt." Die Praxen und Kliniken seien inzwischen gut gerüstet und hätten verschiedene Corona-Schutzmaßnahmen für Patienten und Personal umgesetzt.

Wann muss ich zum Arzt?

Für Ranka Marohl ist die Sache klar: "Menschen mit Diabetes sollten bei gesundheitlichen Fragen wie immer den Rat eines Arztes einholen." Wichtig sei allerdings, dass sie vorher in der Arztpraxis anrufen, um sich über veränderte Abläufe und Schutzvorkehrungen zu informieren. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, bieten Arztpraxen derzeit auch verstärkt Telefon- und Videosprechstunden an.

Notarzt rufen oder zum Arzt?

Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, Atemnot oder Bewusstlosigkeit wegen einer Unterzuckerung: Im Notfall ruft man, so Expertin Marohl, wie immer sofort die 112. Patienten mit Infektions-Verdacht, positiv Getestete und an Covid-19 Erkrankte werden in den Kliniken frühzeitig isoliert und getrennt von anderen Patienten behandelt. Sich dort anzustecken, sei also äußerst unwahrscheinlich.

Wenn andere gesundheitliche Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes, etwa am Wochenende, auftreten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst weiter. Die Telefonnummer lautet:116 117.