„Ich sehe täglich, welche enormen Schäden das Virus im Körper anrichten kann. Durch die Impfung kann ich mich und andere schützen.“

Martina Seidl (33) hat Diabetes Typ 1 und arbeitet als Fachpflegerin für Intensiv- und Anästhesiepflege auf einer Intensivstation im Klinikum München Großhadern. Sie hat bereits im Dezember ihre Impfung erhalten. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen

von Katja Töpfer, 14.01.2021

Trotz meiner Diabetes-Typ-1-Erkrankung hatte ich bisher keine allzu große Angst, mich mit Corona anzustecken. Ich gehe nur in voller Schutzausrüstung in die Patientenzimmer und weiß, wie ich mich verhalten muss, um mich zu schützen. Aber klar, mit Diabetes habe ich vermutlich ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf im Fall einer Corona-Infektion. Denn leider schwanken meine Blutzuckerwerte manchmal sehr stark, und dass ich auf Station vier Stunden am Stück in meiner vollen Schutzausrüstung stecke und in dieser Zeit weder selbstständig meine Insulinpumpe bedienen noch zwischendurch eine Kleinigkeit essen kann, macht mein Blutzuckermanagement nicht einfacher.

Nutzen und Risiken abwägen

Als die Impfung zugelassen wurde, war ich zunächst skeptisch und hatte Sorge, dass sie Nebenwirkungen haben könnte, die man aktuell noch gar nicht abschätzen kann. Am meisten beunruhigt hat mich die Vorstellung, dass dieser neuartige mRNA-Impfstoff mein Erbgut verändern könnte. Ich habe mich dann eingehend informiert und mit Ärzten hier in der Klinik gesprochen. Das war gut, ich weiß jetzt, dass meine DNA durch die Impfung nicht verändert wird. Daher war ich dann auch froh, dass ich so früh die Chance bekam, mich hier bei uns am Klinikum impfen zu lassen.

Bitte kein Impfzwang!

Ein paar meiner Kollegen haben sich noch nicht impfen lassen. Sie wollen erst einmal abwarten, bis weitere Studiendaten zu den Nebenwirkungen der Impfung vorliegen. Ich kann das nachvollziehen. Niemand sollte gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Andererseits sehen wir hier in der Klinik, wie Corona im Körper wüten kann. Dieses Virus befällt nicht nur die Lunge. Gefäße, Nieren, Leber – die Erkrankung kann im ganzen Körper erheblichen Schaden anrichten. Wir haben im Klinikum viele Patienten, die nach einer überstandenen Corona-Infektion noch lange mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen kämpfen. Das ist einfach eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung.

Auch junge Menschen sterben an Corona

Ich habe viele Argumente für mich abgewogen. Letztendlich bin ich überzeugt, dass die Impfung mehr nützt als schadet. Was für mich den Ausschlag gab, war ein Corona-Patient auf unserer Nachbarstation, der mit 41 Jahren starb. Er war vollkommen gesund und sportlich, sein einziges gesundheitliches Problem: Er hatte Diabetes Typ 1.

Am 29. Dezember habe ich die erste Impfung erhalten, die zweite Spritze folgt im Januar. Nebenwirkungen habe ich bisher gar keine gespürt, nicht mal mein Blutzucker, der sonst gerne mal verrücktspielt, schwankte nach der Injektion. Hier am Klinikum wurden nun ja schon viele Kollegen geimpft, und auch sie berichteten nur von leichten Nebenwirkungen wie etwas erhöhter Temperatur, Gliederschmerzen oder Müdigkeit. Mir ist klar, dass ich erst nach der zweiten Injektion einen wirksamen Impfschutz habe, doch innerlich fühlt sich mein Leben nach der Impfung schon jetzt wieder etwas leichter und unbeschwerter an.