Covid-19 und Parodontitis: Gesunde Zähne verbessern Prognose

Entzündungen des Zahnbettes können bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 das Risiko für schwere Verläufe deutlich erhöhen. Ein Grund mehr für Menschen mit Diabetes, besonders auf eine gute Mundgesundheit zu achten

von Andrea Grill, 29.03.2021

Verschiedene Vorerkrankungen, darunter Diabetes, erhöhen das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe. Wissenschaftler der Universität von Katar in Doha warnen jetzt, dass auch Patienten mit Parodontitis bei einer Covid-19-Infektion eher Komplikationen befürchten müssen – eine beunruhigende Nachricht für Menschen mit Diabetes, die gleichzeitig an einer Zahnbettentzündung leiden.

Beide Erkrankungen sind häufig vergesellschaftet. Der Zusammenhang ist wechselseitig: Einerseits begünstigen hohe Blutzuckerwerte Entzündungen. Umgekehrt wirkt sich die Entzündung im Mundraum negativ auf die Insulinempfindlichkeit und den Blutzucker aus.

Keime aus dem Mund alarmieren Immunsystem

Bei einer Parodontitis gelangen ständig Krankheitskeime vom Zahnfleisch in die Blutbahn. Das Immunsystem reagiert, indem es vermehrt Entzündungsbotenstoffe ausschüttet. Weil erhöhte Entzündungswerte im Körper generell als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf bei Covid-19-Patienten gelten, lag es für die Zahnmediziner in Doha nahe, den Einfluss einer Parodontitis auf die Erkrankung zu untersuchen.

Für ihre Studie werteten sie Daten von insgesamt 568 Covid-Patienten aus. 258 dieser Patienten hatten gleichzeitig eine Parodontitis, bei 33 von ihnen verlief die Corona-Infektion schwer. Unter den 310 Patienten ohne Parodontitis kam es nur in 7 Fällen zu bedrohlichen Komplikationen. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Wissenschaftler andere, bekannte Einflussfaktoren für schwere Corona-Verläufe – etwa Übergewicht – bei ihren Berechnungen berücksichtigt hatten. Insgesamt hatten die Zahn-Patienten ein dreifach erhöhtes Risiko.

Für Menschen mit Diabetes ist eine gute Zahnpflege besonders wichtig. Das gilt, wie die Studie zeigt, einmal mehr in Corona-Zeiten. Sie sollten mindestens zweimal am Tag gründlich (drei Minuten lang) die Zähne putzen, am besten mit einer elektrischen Zahnbürste, und einmal täglich mit Zahnseide die Zahnzwischenräume säubern.

Mindestens einmal im Jahr steht ein Kontrolltermin beim Zahnarzt an. Der kann schon bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung effektiv gegensteuern. Je früher eine Parodontitis erkannt wird, umso besser kann sie behandelt werden.