Kleines Blutzucker-ABC

Nüchternzucker, HbA1c, OGTT: Was die vielen Kürzel und Fachbegriffe eigentlich bedeuten
von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 30.08.2017

Wissen Sie, was mit dem postprandialen Zuckerwert gemeint ist?

W&B/Creativ Collection

Nüchternzucker

Der morgens vor dem Frühstück gemessene Nüchtern-Blutzuckerwert spielt eine wichtige Rolle. Denn nachts steigt der Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes oft an. Das liegt am Stoffwechsel selbst, aber auch daran, dass die Wirkung der blutzuckersenkenden Tabletten oder des Insulins vom Vortag eventuell nicht mehr ausreicht. In diesem Fall wird die Diabetestherapie "nachgebessert" – zum Beispiel, indem die Tabletten- oder Insulindosis erhöht wird.

Hohe Nüchternwerte können auch den Ausschlag dafür geben, dass ein Typ-2-Dia­betiker, der bislang nur Tabletten genommen hat, abends zusätzlich ein lang wirkendes Insulin spritzt.

Postprandialer Zucker

Postprandial bedeutet "nach dem Essen" (lateinisch: post = nach, prandium = das Essen). Der ein bis zwei Stunden nach dem Essen gemessene Blutzuckerwert zeigt, wie stark die Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel in die Höhe getrieben haben. Idealerweise sollte er niedriger als 145 mg/dl (8 mmol/l) sein. Bei höheren Werten muss gegebenenfalls die Insulin- oder Tablettendosis angepasst werden. Manchmal genügt es auch, den Kohlenhydratgehalt der Mahlzeiten zu verringern und Kohlenhydrate zu meiden, die sehr schnell ins Blut gehen (etwa Weißbrot, Marmelade). In Einzelfällen kann der Arzt einen Wirkstoff verschreiben, der die Aufnahme von Zucker ins Blut verzögert.

HbA1c: Der Langzeit-Wert

Den HbA1c-Wert nennt man auch Langzeit-Wert oder Blutzuckergedächtnis. Der HbA1c verrät, wie hoch die Zuckerwerte der vergangenen acht bis zwölf Wochen im Durchschnitt waren. Denn bei hohen Werten haften sich mehr Zuckermoleküle an den roten Blutfarbstoff an, das Hämoglobin (abgekürzt Hb), das vom Körper etwa alle 120 Tage erneuert wird.

Der "verzuckerte" Teil des Hämoglobins wird als HbA1c bezeichnet. Je höher der HbA1c ist, desto länger und stärker waren die Blutzuckerwerte erhöht. Bei Typ-2-Dia­betes sollte der HbA1c zwischen 6,5 und 7,5 Prozent (48 bis 58 mmol/mol) liegen, bei Typ-1-Diabetes werden im Allgemeinen Werte unter 7,5 Prozent angestrebt. Entscheidend ist, dass jeder Diabetiker seinen Zielwert individuell mit dem Arzt festlegt. Denn je niedriger der HbA1c, desto größer ist oft auch das Risiko für Unterzuckerungen. Die wiederum sind gerade für alte Menschen, Diabetiker mit Herzproblemen oder einer Unterzucker-Wahrnehmungsstörung sehr gefährlich und sollten vermieden werden.

OGTT: Der Zucker-Belastungstest

Keine Sorge: Mit Anstrengung hat der Zucker-Belastungstest nichts zu tun, auch wenn der Name das nahelegt. Diesen Test benutzt der Arzt im Rahmen der Früherkennung und bei der Diagnose von Typ-2-Diabetes. Etwa, wenn jemand Nüchtern-Zuckerwerte hat, die höher sind als bei einem Gesunden, aber noch nicht so hoch, dass man von Diabetes sprechen kann. In dieser Grauzone hilft der orale Glukosetoleranztest (OGTT) weiter. Der Arzt misst zunächst den Nüchtern-Blutzucker. Dann trinkt man eine Zuckerlösung, die genau 75 Gramm Glukose enthält. Nach ein und zwei Stunden (häufig auch nur nach zwei Stunden) wird der Blutzucker erneut gemessen. In der Zwischenzeit heißt es geduldig im Wartezimmer ausharren, weil körperliche Aktivität den Zuckerspiegel verändert. Steigt dieser nach zwei Stunden auf 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher, ist der Diabetes gesichert. Bei Werten zwischen 140 und 199 mg/dl (7,8 bis 11,0 mmol/l) liegt ein Diabetes-Vorstadium vor, eine "gestörte Glukosetoleranz".

So messen Sie Ihren Blutzucker richtig:

W&B/Martina Ibelherr

1. Hände mit warmem Wasser waschen und gründlich abtrocknen. Feuchtigkeit, Spuren von Creme, Zucker (z. B. nach dem Essen von Obst) oder Desinfektionsmittel können das Ergebnis verfälschen.

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2. Kappe der Stechhilfe entfernen und neue Lanzette einsetzen. Lanzettenkappe abdrehen und Kappe der Stechhilfe wieder aufsetzen. Um die Finger zu schonen, für jede Messung eine frische Lanzette verwenden.

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3. Teststreifen aus der Dose nehmen und diese sofort verschließen. Streifen in das Messgerät einführen, um es einzuschalten. Falls nötig: bei Anbruch einer neuen Streifenpackung die Codierung prüfen.

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4. Stechhilfe an die Seite einer Fingerkuppe drücken und Auslöser betätigen. Kommt nicht genug Blut, Finger mit leichtem Druck von der Wurzel zur Kuppe ausstreichen oder größere Stichtiefe einstellen.

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5. Blutstropfen vorsichtig an den Teststreifen im Gerät halten, sodass Blut in das Testfeld eingesogen wird und die Messung startet. Einige Geräte messen erst bei ausreichender Blutmenge.

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6. Das Ergebnis mit Datum und Uhrzeit im Blutzucker-Tagebuch dokumentieren. Dort notieren Sie auch, was sich auf den Zuckerwert ausgewirkt haben könnte (Kohlenhydrate, Sport, Fieber u.a.).


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