Wie Zucker und Zyklus zusammenhängen

Bei Frauen mit Diabetes können die Blutzuckerwerte vor und während der Monatsblutung Achterbahn fahren. Was gegen die Schwankungen hilft

von Sabine Lotz, aktualisiert am 17.12.2015

Beschwerden an den Tagen – manchmal spielt auch noch der Blutzucker verrückt

W&B/Forster und Martin

Viele Faktoren können die Blutzuckerwerte beeinflussen – dazu zählt auch der weibliche Monatszyklus. Rund zwei Drittel aller zuckerkranken Frauen im fruchtbaren Alter messen etwa drei Tage bis fünf Tage vor Beginn der Regelblutung einen erhöhten Blutzucker. Einige beobachten dieses Phänomen sogar noch früher. Hat die Regelblutung eingesetzt, kommt es nicht selten zum umgekehrten Effekt. Bei manchen Frauen sinkt der Blutzucker vor und nach der Regelblutung.

Hormone beeinflussen Insulinwirkung

Dass sich das Zyklusgeschehen auf den Zuckerhaushalt auswirkt, erklären sich Experten unter anderem damit, dass beides durch Hormone gesteuert wird. Sie können sich gegenseitig beeinflussen.

Verantwortlich für die Blutzucker-Achterbahnfahrten im Verlauf des Monatszyklus ist vermutlich die schwankende Konzentration der weiblichen Geschlechtshormone im Blut. So produzieren die Eierstöcke beispielsweise ab der Mitte des Zyklus vermehrt Progesteron. Das kann die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin verändern. Bei manchen Frauen mehr, bei anderen weniger. Wie sehr sie selbst davon betroffen sind, finden Frauen heraus, indem sie ab der zweiten Zyklushälfte besonders konsequent Blutzucker messen.


Auch Stresshormone spielen eine Rolle

Manche Frauen leiden am sogenannten prämenstruellen Syndrom. Sie haben vor ihrer Regel Beschwerden wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, Heißhunger, Kopfschmerzen oder depressive Verstimmungen. Diese Frauen sind besonders von zyklusbedingten Blutzuckerschwankungen betroffen. Eine Erklärung lautet, dass hier im Hormoncocktail möglicherweise noch Stresshormone mitmischen, die den Blutzucker beeinflussen. Vielleicht essen die Frauen in den Tagen vor den Tagen aber auch unbewusst mehr Süßes.

Menstruationsbeschwerden oft stärker bei Diabetes

Der Monatszyklus kann also den Blutzucker durcheinander bringen. Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Diabetes kann den Zyklus beeinflussen.

So verschlimmern Blutzuckerschwankungen manchmal prämenstruelle Probleme. Zuckerkranke Frauen neigen eher zu ausgeprägten Menstruationsbeschwerden. Längere Zyklen sowie starke und lange Blutungsphasen treten bei ihnen häufiger auf.

Schwankungen auf die Spur kommen

Nicht jede Frau nimmt schwankende Blutzuckerwerte wahr. Womöglich fallen sie nur auf, wenn über die Messwerte genau Buch geführt wird. Ein sorgfältiges Blutzuckerprotokoll hilft, Zuckerschwankungen zu erkennen und zu behandeln. Zusammen mit dem Arzt lässt sich auf Basis des Diabetes-Tagebuchs die Therapie individuell planen.

Therapie anpassen

Bei Typ-1-Diabetes kommen punktgenau abgeänderte Insulinmengen und -zusammensetzungen infrage. Eventuell ist die Umstellung auf eine Insulinpumpe sinnvoll. Frauen mit Typ-2-Diabetes können Blutzuckererhöhungen zum Beispiel mit mehr und regelmäßiger Bewegung entgegenwirken. Zusätzlich sollte der Frauenarzt andere Hormonstörungen ausschließen, die den Blutzucker beeinflussen.

Bei ausgeprägten prämenstruellen Problemen ist ebenfalls der Arzt gefragt. Buchführen hat sich auch hier bewährt: Wer Beschwerden und mögliche Auslöser notiert, erhält einen besseren Überblick und bekommt sie oft besser in den Griff.

Den Zyklus mit Antibabypillen zu stabilisieren, wie manchmal empfohlen wird, ist umstritten. Laut Professor Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes Gesellschaft gilt das als riskant. Denn die Hormonpillen können ein gewisses Thrombose-Risiko bergen, das bei Diabetes ohnehin erhöht ist.



Bildnachweis: W&B/Forster und Martin

ReadSpeaker

So lassen Sie sich unsere Artikel vorlesen  »

Newsletter: Grüne Taste

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages