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Ist Diabetes Typ 1 mit anderen Immunkrankheiten verbunden?

Bekommen Kinder mit Diabetes Typ 1 auch noch häufiger andere immunologische Krankheiten (Autoimmunerkrankungen)? Aus der "Experten-Sprechstunde Diabetes"


Die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (gelb) produzieren das lebenswichtige Insulin

Kinder mit Diabetes Typ 1 haben tatsächlich ein erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen. Diese können sich zusammen mit, nach oder selten auch vor dem Diabetes entwickeln. Zum Diabetes Typ 1 kommt es, wenn durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems Antikörper gegen Insulin und Bestandteile der das Insulin produzierenden Zellen (sogenannte Inselzellen) der Bauchspeicheldrüse gebildet werden, die die Inselzellen angreifen und zerstören. Entsprechend können auch Antikörper gegen Strukturen weiterer Organe entstehen, die deren Funktion mehr oder weniger beeinträchtigen.

Bei Untersuchungen an über 7 000 Kindern und Jugendlichen mit Diabetes in Deutschland und Österreich wurde bei 21 Prozent mindestens ein Schilddrüsen-Antikörper gefunden, Mädchen waren dabei häufiger betroffen als Jungen.

Eine durch Antikörper hervorgerufene Entzündung der Schilddrüse – der Fachbegriff dafür lautet Hashimoto-Thyreoiditis – ist aber nicht gleichbedeutend mit einer behandlungsbedürftigen Funktionsstörung. Neben der noch selteneren Überfunktion entwickelt sich bei nur ein bis drei Prozent der diabetischen Kinder und Jugendlichen eine manifeste (mit Krankheitszeichen einhergehende) Unterfunktion der Schilddrüse. Diese schwerwiegende Erkrankung gefährdet die körperliche, geistige und seelische Entwicklung, lässt sich aber sehr gut medikamentös behandeln. Deshalb empfehlen Kinderdiabetologen ein jährliches Screening auf Schilddrüsenantikörper, das gegebenenfalls durch weitere Laboruntersuchungen (zum Beispiel der Schilddrüsenhormone) und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Schilddrüse ergänzt wird.

Einmal jährlich sollte das Blut auch auf Zöliakie-spezifische Antikörper untersucht werden, denn Zöliakie kommt bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 etwa zehnmal häufiger vor. Die hierfür verantwortlichen Erbanlagen sind bekannt. Die Zöliakie ist eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Unverträglichkeitsreaktion gegenüber dem in vielen Getreiden enthaltenen Eiweiß Gluten ausgelöst wird. An der Entzündung sind wiederum Antikörper beteiligt. In der Folge verkümmern die Schleimhaut und Zotten (die fingerförmigen Ausstülpungen der Innenwand des Darmes). Dadurch ist die Nährstoffaufnahme aus dem Darm eingeschränkt. Typische Symptome sind je nach Schweregrad chronischer Durchfall, Blähbauch, Kleinwuchs, verspätete Pubertät und Blutarmut (Anämie) durch Eisen- und/oder Folsäuremangel. Bei Patienten mit Diabetes Typ 1 verläuft die Zöliakie häufig weniger ausgeprägt, so dass sie lange Zeit unentdeckt bleibt. Trotzdem muss rechtzeitig behandelt werden, um eine chronische Schädigung des Darmes mit der Gefahr einer Entartung (Entwicklung von Darmkrebs) zu verhindern. Die Therapie besteht in der konsequenten und lebenslangen Vermeidung von Gluten, was aber durch eine gezielte Ernährungsumstellung gut zu erreichen ist.

Sehr selten einmal kann der Diabetes Typ 1 auch als Teil eines sogenannten Autoimmun-Polyendokrinopathie-Syndroms auftreten, bei dem Antikörper weitere Organe wie Nebenschilddrüsen, Nebennieren, Eierstöcke oder Hoden schädigen. Für Diagnostik und Therapie sind Endokrinologen (Spezialisten für Drüsenkrankheiten) zuständig.


Dr. med. Bernd Regling, Diplom-Psychologe und Diabetologe (DDG), Experte der "Sprechstunde Diabetes", in der Sie interessante Fragen, Antworten und Tipps finden, speziell auch zu Diabetes Typ 1


Diese Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise und dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Sie können einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.








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www.apotheken-umschau.de; 17.02.2009, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: W&B/ Kühn

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