Theresa May: Typ-1-Diabetes mit Mitte 50

Die neue britische Pemierministerin Theresa May hat Typ-1-Diabetes. Die Diagnose erhielt sie mit über 50 Jahren. Der späte Ausbruch ist selten – und kann zu Verwechslungen führen
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 14.07.2016

Theresa May: Die britische Premierministerin erkrankte spät an Typ-1-Diabetes

Mauritius Images/Alamy/Mark Thomas

Die neue britische Premierministerin Theresa May ist weltweit der erste Regierungschef, bei dem ein Typ-1-Diabetes bekannt ist. Und noch etwas ist an ihrer Erkrankung besonders: Die englische Politikerin erhielt ihre Diagnose erst im Jahr 2012, als sie bereits 56 Jahre alt war.

Typ 1: Die meisten erkranken in jungen Jahren

Dabei gilt Typ-1-Diabetes gemeinhin als "jugendlicher Diabetes", weil er sich vor allem bei jungen Menschen bildet. "Etwa 80 Prozent erkranken schon in Kindheit und Jugend daran", schätzt Professor Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Genaue Zahlen gebe es aber nicht, da Diabetes hierzulande nicht meldepflichtig ist.

Das heißt aber auch, dass sich immerhin bei rund einem von fünf Betroffenen die Krankheit erst später entwickelt. Der Erkrankungszeitpunkt von Theresa May ist damit zwar selten, aber nicht völlig außergewöhnlich.

Ärzte denken oft an einen Typ-2-Diabetes

Die Ärzte sollen den Diabetes von Theresa May zunächst fälschlicherweise für einen Typ-2-Diabetes gehalten haben. Dieser Irrtum ist kein seltenes Schicksal bei späten Typ-1-Diabetikern. Erkrankt jemand in der zweiten Lebenshälfte an der Zuckerkrankheit, handelt es sich in der Regel um einen Typ-2-Diabetes. Dieser entsteht klassischerweise in diesem Alter. Entsprechend haben Ärzte oft zuerst diese Form in Verdacht, wenn sie bei einem Patienten die für Diabetes typischen erhöhten Blutzuckerwerte feststellen.

Ein Typ-1-Diabetes lässt sich zwar mit einem Labortest eindeutig identifizieren. Finden sich dabei bestimmte Antikörper im Blut, ist das ein Nachweis für diese Diabetesform – beim Typ 1 handelt es sich nämlich um eine Autoimmunkrankheit. "In der Praxis wird der Test oft aber gar nicht gemacht", sagt Gallwitz.

Später Typ-1-Diabetes kann sich untypisch entwickeln

Stattdessen versucht der Arzt meist, aus anderen Kriterien die Diabetesform abzuleiten: Bei einem übergewichtigen Patienten liegt die Vermutung Typ 2 nahe, bei schlanken Typ 1. Auch wenn der Patient zunächst auf zuckersenkende Tabletten anspricht, spricht das für einen Typ-2-Diabetes. Dieser lässt sich zu Beginn oft gut mit Medikamenten einstellen, beim Typ-1-Diabetes benötigen Patienten dagegen sofort Insulin.

Nicht immer geht eine solche Rechnung aber auf. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen häufig untypisch entsteht. "Die Autoimmunreaktion läuft oft langsamer ab, deswegen entwickelt er sich über einen längeren Zeitraum", sagt Gallwitz. Dieser Verlauf ist wiederum eigentlich für einen Typ-2-Diabetes kennzeichnend.

Gefährliche Fehldiagnose

Für den Betroffenen kann ein Trugschluss unter Umständen gefährlich werden. Wird ein Typ-1-Diabetiker fälschlicherweise zunächst wie ein Typ-2-Diabetiker mit Tabletten behandelt, droht im schlimmsten Fall eine Ketoazidose. Diese Stoffwechselentgleisung kann sogar tödlich enden.

Gerade im Zweifelsfall ist eine eindeutige Diagnose mit dem Bluttest also sinnvoll. Zudem sollten Ärzte und Patienten auf Warnhinweise achten. Verliert ein vermeintlicher Typ-2-Diabetiker zu Beginn der Therapie schnell an Gewicht, kann das darauf hindeuten, dass in Wirklichkeit ein Typ-1-Diabetes vorliegt.

Bei aller berechtigten Vorsicht besteht aber kein Grund zur Panik: Jährlich erkranken deutschlandweit vermutlich nur wenige hundert Menschen im Erwachsenenalter an Typ-1-Diabetes. Bei den insgesamt 300.000 Neuerkrankungen, von denen der Großteil auf Typ 2 entfällt, ist das eine fast verschwindend geringe Menge.

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