Wer übergewichtig ist, hat häufig eine Fettleber. Jetzt haben Forscher herausgefunden: Möglicherweise ist sie auch eine der Ursachen von Typ-2-Diabetes
Die Grafik zeigt schematisch, wo sich die Leber befindet
"Übrigens, Ihre Leber ist verfettet. Aber keine Sorge. Das ist nicht weiter schlimm …“ So oder ähnlich haben es schon viele Patienten von ihrem Arzt gehört. Die Fettleber, meist nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, galt früher als harmlose Nebenerscheinung bei Übergewicht. Bis klar wurde, dass eine verfettete Leber nicht nur zu schweren Leberschäden führen kann. Sie spielt möglicherweise sogar eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes.
In Europa haben etwa 30 Prozent der Erwachsenen eine Fettleber. Unter fettleibigen Menschen mit Typ-2-Diabetes sind es bis zu 90 Prozent.
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan. Sie produziert Eiweiße, zum Beispiel für die Blutgerinnung oder die Immunabwehr, speichert Zuckerreserven und ist am Abbau und der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und Medikamenten beteiligt.
Nährstoffe, die aus dem Darm zur Leber gelangen, verarbeitet sie unter anderem zu Fetten, die sie dann wieder ins Blut abgibt. Bei einem Überangebot an Nährstoffen speichert die Leber das Fett in ihren Zellen, sie „verfettet“. Das eingelagerte Fett lässt die Leber anschwellen, was lange keine Beschwerden macht. „Erst wenn die Leber stark vergrößert ist, kann es zu Druck- oder Völlegefühl, Appetitmangel und Abgeschlagenheit kommen“, sagt Privatdozent Dr. Norbert Stefan, Diabetologe und Leberexperte an der Universitätsklinik Tübingen.
Aus Fettleber kann Zirrhose werden
Auch wenn die Leber verfettet ist, funktioniert sie meist völlig normal. Die Leberwerte, die der Arzt im Blut misst, können lange unauffällig sein. Das muss aber nicht so bleiben. „Jeder fünfte Patient mit Fettleber entwickelt im Laufe der Jahre eine Leberentzündung, eine Fettleber-Hepatitis“, sagt Norbert Stefan. Unbehandelt kann diese Entzündung bis zur Zirrhose fortschreiten. Die vergrößerte Leber schrumpft, verhärtet sich und versagt ihren Dienst. Manchmal entwickelt sich in der Zirrhose ein Krebsgeschwür – bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist dieses Risiko besonders hoch. Aber noch aus anderen Gründen ist eine Fettleber weniger harmlos, als früher angenommen. Denn das Gleichgewicht zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Cholesterin verändert sich. „Patienten mit Fettleber haben häufig erhöhte Spiegel des gefäßschädigenden LDL-Cholesterins und zu wenig gefäßschützendes HDL-Cholesterin“, sagt Norbert Stefan. Dadurch wächst das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Nach neuesten Erkenntnissen fördert eine Fettleber sogar Typ-2-Diabetes. Das hat verschiedene Gründe. Die Leber ist ein Speicherort für überschüssigen Zucker. Wenn sie verfettet, ist das Gleichgewicht aus Zuckeraufnahme und Zuckerabgabe gestört, sodass der Blutzucker steigt. Zum anderen schüttet die Fettleber verstärkt Entzündungsbotenstoffe aus. Sie bewirken, dass das Hormon Insulin den Zucker schlechter in Muskel- und andere Körperzellen schleusen kann, was den Blutzuckerspiegel weiter erhöht.
Dicker Bauch, hohes Risiko
Zirrhose, Gefäßverkalkung, Diabetes: Wer eine Fettleber hat, muss nicht zwangsläufig mit solchen Folgen rechnen. Jeder kann rechtzeitig gegensteuern. Das beginnt mit dem Abbau von Übergewicht. Zwar entwickeln etwa ein Drittel der Menschen auch bei starkem Übergewicht keine Fettleber. Der Grund sind vermutlich schützende Gene. „Am ehesten gefährdet ist der Apfeltyp“, sagt Norbert Stefan, „also Menschen, bei denen sich das Fett am Bauch sammelt. Wer vor allem an den Oberschenkeln oder am Gesäß Fett ansetzt, entwickelt seltener eine Fettleber.“
Um das „innere Fett“ loszuwerden, sollte man in erster Linie seine Ernährung überdenken. Besonders ungünstig sind Kohlenhydrate, die schnell ins Blut übertreten. Denn Kohlenhydrate, die der Körper nicht verbraucht, speichert die Leber als Fett. „Solche Kohlenhydrate stecken etwa in Fruchtsaftgetränken und süßem Obst wie Kirschen oder Trauben, aber auch in Weißbrot, Nudeln und geschältem Reis“, erklärt Norbert Stefan. Wer seine Ernährung umstellt, kann überschüssige Pfunde und Leberfett gleichzeitig zum Schwinden bringen: indem er weniger tierische Fette und mehr Ballaststoffe isst und Kohlenhydrate bevorzugt, die langsam abgebaut werden. Das bedeutet: bei Fleisch, Wurst und Milchprodukten fettarme Sorten wählen, auf Fruchtsäfte und Fruchtsaftgetränke verzichten und bei Brot, Nudeln und Reis zur Vollkornvariante greifen.
Zurückhaltung beim Alkohol ist ratsam
Auch beim Alkohol empfiehlt sich Zurückhaltung. „Patienten mit Fettleber rate ich, ihren Alkoholkonsum aufzugeben oder zumindest deutlich unter 20 Gramm pro Tag zu bleiben – das ist weniger als eine Halbe Bier oder ein Viertel Wein“, sagt Norbert Stefan.
Günstig für die Leber ist aber noch etwas ganz anderes: regelmäßige Bewegung. Wer sich mit Radfahren oder Walken fit hält, tut nicht nur etwas für Herz und Kreislauf – er verbrennt dabei auch Leberfett.
Arzneimittel sind selten schuld an einer Fettleber. „In Einzelfällen kann es zum Beispiel nach langer Therapie mit hohen Dosen Kortison zu einer Fettleber kommen“, sagt Norbert Stefan. „Blutdruck- und Cholesterinsenker oder Diabetes-Medikamente sind weitgehend unbedenklich“. Wer eine Fettleber-Hepatitis hat, sollte aber Schmerz- und Fiebermittel mit dem Wirkstoff Paracetamol nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.
Zwar gibt es bislang keine Medikamente, die etwas gegen eine Fettleber ausrichten können. Das ändert sich jedoch möglicherweise: Pioglitazon, ein Medikament, das die Insulinwirkung bei Typ-2-Diabetes verbessert, senkt nicht nur den Blutzucker. Es kann anscheinend auch gefährliches Leber- und Bauchfett in harmloseres Oberflächenfett verwandeln. „Wir hoffen, damit künftig beispielsweise eine Fettleber-Hepatitis gezielt behandeln zu können“, sagt Dr. Norbert Stefan.
Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber;
02.02.2010, aktualisiert am 25.06.2010
W&B/Ulrike Möhle
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