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Gibt es alternative Diabetestherapien?

Von Homöopathie bis Trampolinspringen: Was Experten von alternativen Behandlungsangeboten bei Diabetes halten


Hilft Yoga bei Diabetes? Möglicherweise ja

Alternative Therapieverfahren sind nur in den seltensten Fällen das, was ihr Name vorgibt: eine Alternative (also ein Ersatz) für die moderne Schulmedizin. In einigen Fällen können sie die Diabetestherapie jedoch sinnvoll unterstützen. Wir haben mehrere Experten um eine Bewertung ausgewählter Methoden gebeten.

Trampolinspringen gegen Diabetes

Trampolinschwingen regt die insulinproduzierenden Zellen an und kann Diabetes heilen: Das behaupten jedenfalls Werbetexter eines Trampolin-Herstellers. Das ist natürlich Unsinn. Aber: „Bewegung ist gesund – gerade bei Diabetes“, sagt Professor Edzard Ernst aus dem britischen Exeter, einer der führenden europäischen Experten für Alternativmedizin. Und unter diesem Aspekt ist gegen den Hüpfsport nichts einzuwenden.


Mit Pflanzenkraft zu besseren Werten?

Forscher sind erst langsam dabei, die Wirksamkeit von Heilpflanzen bei Diabetes durch Studien zu unterfüttern“, sagt Siegfried Bäumler, Oberarzt am Kneippianum Bad Wörishofen. Heilpflanzen können eine konventionelle Diabetestherapie seiner Ansicht nach zwar ergänzen, sollten aber nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. „Bei keiner Pflanze ist die Wirkung auch nur annähernd so gut belegt wie bei herkömmlichen Diabetes-Medikamenten“, ergänzt Professor Edzard Ernst. Zu einigen Pflanzen gebe es jedoch bereits vielversprechende Daten. Einige Beispiele:

  • Schopftintling & Co.: „Bestimmte Heilpilze, etwa der Schopftintling, können möglicherweise die Insulinempfindlichkeit verbessern“, sagt der Naturmediziner Dr. Andreas Kappl aus Wackersdorf. Er rät, nur Extrakte guter Qualität aus der Apotheke zu verwenden und die Einnahme mit dem Arzt abzustimmen.
  • Goldgelber Leinsamen liefert viele Ballaststoffe. Sie verzögern die Zuckeraufnahme und machen satt. „Dreimal täglich einen bis eineinhalb Esslöffel, zum Beispiel über die Mahlzeiten streuen“, empfiehlt Heilpflanzenexperte Bäumler – und dazu viel trinken.
  • Bittermelone: Die Bittermelone gehört zu den Kürbisgewächsen. „In Tierversuchen konnte sie die Insulinempfindlichkeit verbessern“, sagt Siegfried Bäumler. Bittermelonen-Prä­parate sollten aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da sie die medikamentöse Therapie beeinflussen können.

Chinesische Heilkunst

„Diabetiker können von einer unterstützenden Therapie mit chinesischen Heilkräutern profitieren, besonders bei Fußproblemen oder Gefühlsstörungen infolge eines Nervenschadens“, sagt Dr. Josef Hummelsberger, Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Chinesische Medizin. Die Behandlung sollte aber unbedingt durch einen in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) erfahrenen Arzt erfolgen.

Autogenes Training

Autogenes Training und andere Entspannungstechniken helfen bei vielen Krankheiten, sagt Professor Edzard Ernst aus Exeter.  „Auf den Diabetes haben sie keinen direkten Einfluss. Sie können jedoch zum Beispiel helfen, die innere Einstellung zu der Krankheit zu verbessern.“

Yoga

Yoga-Übungen können Studien zufolge bei Rückenschmerzen, Asthma oder Bluthochdruck – unter dem viele Diabetiker leiden – helfen. „Die Blutzuckerwerte können sich ebenfalls verbessern“, sagt Edzard Ernst. Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass Menschen, die Yoga machen, oft einen gesünderen Lebensstil entwickeln.

Heilsteine

Auch wenn eine Google-Suche fast 150.000 Treffer ergibt, wenn man nach Heilsteinen gegen Dia­betes sucht: „Es gibt keinerlei Hinweise, dass Steine eine heilende Wirkung bei Diabetes oder anderen Krankheiten haben“, sagt Edzard Ernst.

Reflexzonenmassage

Anhänger der Fußreflexzonenmassage behaupten, die Massage bestimmter Fußzonen könne die Funktion einzelner Organe beeinflussen. „Biologisch ist das nicht plausibel. Es gibt keine vernünftigen Hinweise auf eine Wirkung, die über eine allgemeine Entspannung hinausgeht“, so Professor Edzard Ernst. Dia­betiker mit Fußbeschwerden sollten in jedem Fall ihren Arzt fragen, ob er Einwände hat.

Homöopathie

Auch einige homöopathische Mittel sollen angeblich den Stoffwechsel bei Dia­betikern günstig beeinflussen. „Umfangreiche Studien belegen, dass homöopathische Substanzen keine Wirkungen haben, die über einen Placebo-Effekt hinausgehen“, sagt Edzard Ernst. Sein Fazit: „Zur Diabetes-Behandlung ist Homöopathie nicht geeignet.“

Kneipp-Güsse

Kalte Güsse oder Wechselgüsse mit warmem und kaltem Wasser, wie sie in der Kneipp’schen Hydrotherapie genutzt werden, regen das Immunsys­tem an. „Diabetiker können davon profitieren, weil hohe Zuckerspiegel die Abwehrkräfte schwächen und die Anfälligkeit für Infekte erhöhen“, sagt Kneippianum-Oberarzt Siegfried Bäumler. Wer bereits unter diabetesbedingten Folgekrankheiten, etwa einer Herz-Kreislauf- oder Gefäßerkrankung, leidet, sollte vorher seinen Arzt fragen.

Radionik und Bioresonanz

„Völliger Humbug und reine Geldmacherei“, sagt Edzard Ernst. Aus wissenschaftlicher Sicht sei keinerlei Effekt erkennbar. Ähnlich harsch bewerten Experten von diabetesDE und Deutscher Diabetes-Gesellschaft (DDG) die Biochronotherapie, welche angeblich das Immunsystem bei Typ-1-Diabetes „korrigieren“ soll.




Bildnachweis: Panthermedia/Cris Vaughan

Simone Herzner / Diabetes Ratgeber; 29.08.2012
Bildnachweis: Panthermedia/Cris Vaughan

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