Hirschhausen-Kolumne: Zähme den Elefanten

Was haben gute Vorsätze mit trägen Dickhäutern zu tun? Dieser Frage geht unser Kolumnist Dr. Eckart von Hirschhausen auf den Grund
von Dr. Eckart von Hirschhausen, 14.07.2017

Der Elefant gibt die Richtung vor: Das Unterbewusstsein will nicht immer so wie wir

W&B/Martina Ibelherr

Warum klappt das mit den guten Vorsätzen so selten auf Dauer? Es ist eben leider so, dass unser Verstand und unser Verhalten zwei sehr verschiedene Dinge sind. Fragst du einen Übergewichtigen, warum er so viel isst, was antwortet er? "Weil’s mir schmeckt!" Wer spricht da? Die Großhirnrinde. Warum? Weil die sprechen kann! Die Großhirnrinde hat aber mit der Entscheidung nichts zu tun. Die fiel eine Etage tiefer bei den Hormonen. Der Verstand ist nämlich nicht die Regierung des Menschen. Mehr so der Regierungssprecher.

Wie in der Politik erfährt der Regierungssprecher als Letzter, was beschlossen wurde, muss es aber nach außen hin rechtfertigen. Die echten Entscheidungen fallen woanders, nämlich in den untersten Regionen, wo die Lobbyisten arbeiten. Wie kann Selbststeuerung so überhaupt gelingen?

Es klappt nur, wenn wir keine Ziele verfolgen, die gegen unsere inneren Bedürfnisse verstoßen – und wenn wir alle Hirnteile auf eine gemeinsame Richtung einschwören. Dazu braucht es Zeit, Geduld und ein Verständnis für die beteiligten Kräfte. Deshalb biete ich Ihnen ein Bild an, das mir schon öfter geholfen hat, diese Konflikte mit Humor zu betrachten und zu lösen. Stellen Sie sich vor: Das Bewusstsein ist wie ein Reiter auf einem Elefanten. Der Dickhäuter ist das Unbewusste, er repräsentiert all unsere automatischen Handlungen, von denen wir das Wenigste mitbekommen. Wenn der Reiter in eine andere Richtung will als der Elefant, zeigt sich schnell, wer der Stärkere von den beiden ist.

Elefanten bringt man besser nicht mit Gewalt zur Vernunft, sondern mit kleinen Belohnungen und indem man immer wieder übt, bis es auch dem Dicken in Fleisch und Blut übergegangen ist. Nur weil der Reiter zu Silvester einen guten Vorsatz gefasst hat, hat sich noch kein Elefant dauerhaft mehr bewegt oder weniger gegessen. Aber mit ein paar Erdnüssen im richtigen Moment frisst der Elefant uns aus der Hand und geht sogar freiwillig in die Richtung, die wir ihm vorschlagen.

Ein Trick dabei ist, sein eigenes Handeln zu beobachten. Wie viel Zeit verbringe ich mit dem, was ich mir vorgenommen habe, und wie viel damit, mir gewaltsam etwas zu verbieten? Dann kann man dem Elefanten zuhören und sich öfter gütlich einigen, bevor beide bockig werden. Beim Essverhalten ist es günstig, zwischen dem ersten Impuls und dem Ausführen einen kurzen Moment innezuhalten und nicht gleich etwas in sich hineinzustopfen – sondern etwa von dem Objekt der Begierde ein Foto mit dem Smartphone zu machen. Dadurch schiebt man eine Ebene zwischen das "Her damit" des Elefanten und das "Eigentlich brauche ich das nicht" unserer Vernunft.

Wenn ich Lust habe auf Junkfood, mache ich ein Foto davon. Oft reicht dieser Moment der Veranschaulichung, um dem ersten Impuls zu trotzen. Wenn es weiter lockt? Essen und dazulernen!

W&B/Pressestelle/Michael Zargarinejad

Eckart von Hirschhausen ist Mediziner, Kabarettist, Autor und Moderator. Zuletzt erschien sein Buch "Wunder wirken Wunder" (Rowohlt Verlag). Mehr zum aktuellen Programm: www.hirschhausen.com


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