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Jason Smith: Ein Leben für den Basketball

Jason Smith aus Alabama, USA, erkrankte schon als Kleinkind an Typ-1-Diabetes. Seinem Erfolg als Basketballprofi stand die Krankheit nie im Weg. Doch dann bereitete eine Dopingkontrolle ihm Probleme


Jason ist Typ-1-Diabetiker und spielt als Profi-Basketballer in europäischen Ligen

Diabetes ist heute kein Hinderungsgrund mehr für den Leistungssport. Beispiele für erfolgreiche Sportlerkarrieren mit Diabetes gibt es genug: Gewichtheber Matthias Steiner, der zwar kürzlich in London Pech hatte, aber 2008 in Peking eine Goldmedaille holte, Läufer Daniel Schnelting, dreifacher deutscher Meister im 200-Meter-Sprint, oder Anja Renfordt, Weltmeisterin im Kickboxen. Ihre Leistungsfähigkeit hat der Diabetes nie eingeschränkt. Im Gegenteil: Wer seine Zuckerwerte stets im Auge behalten muss und kaum über die Stränge schlagen darf, bringt wohl auch leichter die eiserne Disziplin fürs tägliche Training auf.

Dopingkontrolle mit Folgen

Das ist bei Jason Smith nicht anders. Der 28-jährige Basketballprofi mit Typ-1-Diabetes aus dem amerikanischen Alabama kann auf eine erfolgreiche Laufbahn als Top-Sportler zurückblicken. Fünf Jahre lang spielte er bei europäischen Spitzenvereinen, unter anderem in Tschechien, Ungarn und Portugal. Zuletzt wechselte er für die Wintersaison 2011/2012 zu den Schwelmer Baskets, einem deutschen Verein in der zweiten Bundesliga. Dort wurde er nach einem Heimspiel zusammen mit seinem Team zur Dopingkontrolle gebeten. Und fiel auf. Dass er Typ-1-Diabetes hat und Insulin spritzt, gab er zwar noch vor dem Test zu Protokoll. Nun steht Insulin aber auf der Liste der verbotenen Doping-Mittel, weil es den Muskelaufbau fördert.

Über Jasons Schwierigkeiten mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland (NADA) war damals in den Medien nachzulesen. Dem Verein gelang es, eine Ausnahmegenehmigung für die restlichen Spiele der Saison zu erwirken, sodass Jason im Einsatz bleiben durfte. Für die NADA war die Angelegenheit damit allerdings noch nicht abgeschlossen.

Wir haben Jason Smith gefragt, wie er zum Basketball kam, warum Diabetes sich in diesem Sport doch als nachteilig erweisen kann – und welche Folgen der Dopingtest im Dezember 2011 für seine Karriere hat.


Leistungssport mit Diabetes: Das ist schon eine ziemliche Herausforderung, oder?

Den Diabetes habe ich mit drei Jahren bekommen. Ich weiß gar nicht, wie es sich „ohne“ lebt. Sport war für mich schon als Kind das Höchste: Baseball, Fußball, Tennis, Basketball. Und ich wollte immer einer der Besten sein.

Was gab dann den Ausschlag für Basketball?

Basketball ist Tradition in unserer Familie. Mein älterer Bruder spielt zurzeit in Argentinien als Profi und war vorher jahrelang bei Spitzenvereinen in Europa. Ihm hat es dort so gut gefallen, dass ich mit 18 beschlossen habe, auch als Profi-Basketballer nach Europa zu gehen.

Hat sich mal ein Verein an Ihrem Diabetes gestört?

Nein. Ich habe mir in den fünf Jahren, die ich unter anderem in Portugal und Tschechien verbracht habe, einen guten Ruf erworben. Teams, die mich verpflichten, wissen, dass sie einen Top-Spieler bekommen. Mein Diabetes kümmert sie nicht.

Bis zu der Dopingkontrolle bei den Schwelmer Baskets Ende 2011 …



Ballverliebt: Jason Smith

Da standen die Dinge etwas anders. Mein Wechsel zu den Schwelmern ging damals ziemlich schnell vonstatten, weil sie mich als Spieler dringend brauchten. Nach Krankheiten oder der Einnahme von Medikamenten wurde ich gar nicht gefragt. Aus meiner Zeit bei anderen europäischen Vereinen weiß ich, dass ein neuer Spieler nach seiner Ankunft normalerweise ärztlich untersucht wird. In Schwelm gab es keine solche Untersuchung für mich. Hätte es sie gegeben, wäre mein Diabetes gleich bekannt geworden. Das wäre wichtig gewesen, wie ich heute weiß. Denn um mit Diabetes Profi-Basketball spielen zu dürfen, braucht man in Deutschland wie in einigen anderen Ländern eine Ausnahmegenehmigung. Theoretisch besteht eben die Möglichkeit, dass sich ein Sportler mit Insulin dopt, weil es die Muskeln wachsen lässt. Auch wenn das in der Praxis Unsinn und wegen des Unterzuckerungsrisikos viel zu gefährlich ist. Für die Genehmigung muss man sich bei der NADA, der Dopingkontrollagentur des Deutschen Basketball-Bundes, als Diabetiker registrieren lassen.

Hört sich ganz einfach an. Sie haben doch sicher ein Attest von Ihrem amerikanischen Diabetologen.

Klar. Ich habe Unterlagen, die meinen Diabetes seit der Diagnose im Alter von drei Jahren dokumentieren und belegen. Aber die reichten der NADA nicht. Um die Ausnahmegenehmigung zu erhalten, musste ich mich in einem deutschen Diabeteszentrum untersuchen und den Diabetes bestätigen lassen.

Deshalb haben Sie damals versucht, um die Registrierung als Diabetiker herumzukommen?

So etwas habe ich noch nie getan. Ich gehe immer offen und ehrlich mit meinem Diabetes um. Wie gesagt: Bei den Schwelmer Baskets habe ich angefangen, als die Saison schon in vollem Gange war. Da wurde einiges schneller abgewickelt oder weggelassen. Eine ärztliche Untersuchung hat nicht stattgefunden, sonst hätte ich den Diabetes wie bei meinen früheren Vereinen im medizinischen Fragebogen angegeben. Profi-Basketballer mit Diabetes brauchen auch nicht in allen Ländern eine Ausnahmegenehmigung. Deshalb konnte ich anderswo ohne diese spezielle Erlaubnis spielen und bekam keine Schwierigkeiten. Wenn mich die Schwelmer Baskets nach Krankheiten gefragt hätten, bevor ich nach Deutschland kam, hätte ich sie damals schon informiert. Immerhin ist es ihnen dank großem Einsatz gelungen, mir eine vorläufige Ausnahmegenehmigung bis zum Ende der Saison zu verschaffen.

Und vom Diabetes hat der Verein nichts bemerkt?

Nein. Ich habe meinen Blutzucker sehr gut im Griff. Deshalb ist niemandem etwas aufgefallen. Dem Mannschaftskollegen, mit dem ich mein Zimmer teilte, habe ich allerdings schon erzählt, dass ich Diabetes habe – das mache ich immer, damit im Notfall jemand Bescheid weiß. Im Umgang mit dem Diabetes habe ich Routine. Ich gehe mit einem etwas höheren Wert ins Spiel, um Unterzuckerungen zu vermeiden, und halte immer einen Sportdrink bereit. Sport und Diabetes sind für mich so selbstverständlich, dass ich genau weiß, was ich tun muss. Schließlich kenne ich es nicht anders – seit 25 Jahren.

Wie haben die Teamkollegen und Ihr Trainer reagiert, als sie davon erfuhren?

Für meine Mitspieler war der Diabetes sowieso kein Problem, die wollten mich so schnell wie möglich wieder auf dem Feld haben. Der Trainer war zwar ein bisschen überrascht, dass er nichts gemerkt hatte, aber auch er hat sehr verständnisvoll reagiert.

Aber mit der NADA hat es Ärger gegeben.

Ja. Man hat mich bestraft, weil ich in der Basketball-Bundesliga spielte, ohne als Diabetiker registriert zu sein. Nach der Untersuchung in einem Düsseldorfer Diabeteszentrum konnte ich die nötigen schriftlichen Unterlagen einreichen. Inzwischen hat mir die NADA auch die endgültige Lizenz erteilt, mit der ich auf Dauer in Deutschland Profi-Basketball spielen darf. Hätte man diesen schriftlichen Antrag gleich nach meiner Ankunft in Schwelm gestellt, wäre ich nie in eine solche Lage geraten. Weder die Schwelmer Baskets noch die NADA haben mich jedoch korrekt informiert. Sonst hätten alle von meinem Diabetes erfahren und die Situation wäre völlig anders. Und dafür, dass der schriftliche Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung nicht ordnungsgemäß erfolgte, muss ich nun allein den Kopf hinhalten.

Was ist passiert? Und worin besteht Ihre Strafe?

Ich wurde sechs Monate gesperrt – für alle Spiele nach den Regeln des Weltbasketballverbandes. Ohne Ausnahmegenehmigung hätte ich eben nicht spielen dürfen. Dafür kann die NADA eine Strafe verhängen, wie ich leider erfahren musste. Die offizielle Anhörung der NADA, bei der darüber verhandelt wurde, fand im Mai 2012 statt. Da war die Saison schon lang zu Ende und ich wieder zu Hause in Alabama. Mit meinem deutschen Agenten konnte ich den Ablauf der Anhörung vorher besprechen. Aber ich wäre lieber selbst dabei gewesen oder wenigstens telefonisch zugeschaltet worden. Letzteres hat sich leider nicht ergeben, obwohl die Rede davon war. Nach der Entscheidung hat man mich angerufen und gefragt, ob ich mit der Strafe einverstanden wäre. Man sagte mir auch, sie sei gar nicht so schlimm. Dass das nicht stimmt und dass die Sperre sehr wohl Folgen für meine Karriere haben wird, ist mir erst später aufgegangen. Denn ich durfte zwar bei einem Verein unterschreiben, mit der Mannschaft trainieren und bei Turnieren außerhalb der Saison mitspielen. Aber ich durfte bis 27. September 2012 nicht an Spielen nach den Regeln des Weltbasketballverbandes teilnehmen. Und auf die kommt es den Vereinen an.

Wie wirkt sich die Sperre konkret auf Ihre sportliche Laufbahn aus?

Negativ. In Deutschland hat es mir sehr gefallen. Deshalb wollte ich im Winterhalbjahr gern wieder dorthin zurück. Aber obwohl ich in der vergangenen Saison wirklich erfolgreich gespielt habe, sind die Angebote von den deutschen Vereinen ausgeblieben, eben weil mein Name mit dieser Sperre verbunden ist. Ich fühle mich ungerecht behandelt. Man hat mich dafür bestraft, dass ich mir mein lebensnotwendiges Insulin spritze – ähnlich wie einen Spieler, der tatsächlich verbotene Medikamente nimmt und dann bei einer Dopingkontrolle auffliegt. Zumindest in nächster Zeit werde ich wohl nicht in Deutschland spielen können.

Gibt es irgendwo anders die Aussicht auf eine Verpflichtung?

Glücklicherweise bin ich immer noch in Verbindung mit einigen meiner früheren Vereine und habe gute Kontakte zu den damaligen Trainern. Gerade hat mir mein früherer Verein in Portugal angeboten, zurückzukommen. Trainer und Team wissen von meinem Diabetes – und welche Leistungen sie von mir erwarten können. Sie freuen sich, mich wieder in der Mannschaft zu haben. Das passt insofern gut, als die Saison in Portugal erst am 20. Oktober beginnt. Bis dahin ist meine Sperre abgelaufen. Ich kann wieder spielen und die ganze Geschichte hinter mir lassen.

Herzlichen Glückwunsch! Und alles Gute für die neue Saison in Portugal. Vielleicht kommen Sie ja trotzdem noch mal zurück nach Deutschland …




Bildnachweis: W&B/Privat

Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber; erstellt am 10.10.2012
Bildnachweis: W&B/Privat

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