Kräutertees richtig zubereiten

Ob Blasenentzündung, Bauchweh oder Erkältung: Kräutertees können den Heilungsprozess unterstützen. Wie bereitet man sie so zu, dass sie tatsächlich wirken?

von Andrea Grill, aktualisiert am 10.03.2016

Medizin aus der Tasse: Heilpflanzentees können Beschwerden lindern

Thinkstock/Pixland

Abwarten und Tee trinken! Wer erkältet ist, sich den Magen verdorben hat oder einfach entspannen will, darf die Redensart ruhig wörtlich nehmen. Teezubereitungen aus Heilkräutern helfen gegen viele leichte Alltagsbeschwerden.

Heilkräuter bei leichten Beschwerden

Die Klassiker wie Kamille, Fenchel und Salbei kennt jeder. Aber schon mal von Klettenwurzel, Goldrute oder Hauhechel gehört? Für Ingrid Neß aus Kempten sind das gute Bekannte. Die pharmazeutisch-kaufmännische Assis­tentin ist Expertin für die Heildrogen aus der Natur. Sie hält Vorträge über Heilpflanzen, bietet Führungen an und gibt Tipps, wie sich Heilpflanzen am besten zubereiten und anwenden lassen.


Ganz wichtig: "Akute, heftige Erkrankungen sollten Sie immer vom Arzt abklären lassen", rät Ingrid Neß. Bei leichten Beschwerden reichen Heilkräuter oft zur Behandlung aus. "In anderen Fällen können sie die medikamentöse Therapie unterstützen", sagt die Expertin.

Die Mischung macht´s

Ihre heilsame Wirkung verdanken die Kräuter speziellen Pflanzenstoffen wie ätherischen ­Ölen oder Gerbstoffen. Aus dem Kräutersortiment der Apotheke werden die Tees nach Bedarf abgefüllt. Manche enthalten nur ein Kraut, andere sind Mischungen aus verschiedenen Pflanzen. Ingrid Neß erklärt, warum: "Oft haben mehrere Pflanzen ein ähnliches Wirkspektrum. Miteinander kombiniert, ergänzen sie sich optimal."

Manche Kräuter, zum Beispiel das Tausendgüldenkraut, seien aber auch sehr bitter oder hätten, wie der Baldrian, einen eher unangenehmen Geruch und Geschmack. Gemischt mit wohlschmeckenden Pflanzen lässt sich der Tee dann trotzdem gut trinken.

Tipps zur Zubereitung

Damit Heiltee optimal wirkt, kommt es auf die richtige Zubereitung und Dosierung an. Viele Kräuter werden heiß aufgegossen und sind nach etwa zehn bis 15 Minuten trinkfertig. Andere müssen für einige Stunden in kaltem Wasser ziehen, weil ihre Wirkstoffe hitzeempfindlich sind. Meist werden ein bis zwei Teelöffel Kräuter pro Tasse angesetzt.

Gut zu wissen: Viele medizinisch wirksame Inhaltsstoffe sind lichtempfindlich und bauen sich im Laufe der Zeit ab. Deshalb werden Heilkräutertees in Apotheken in gepolsterte, dunkle Tüten abgefüllt. "Brühen Sie jede Tasse frisch auf", empfiehlt Ingrid Neß. Wenn das Getränk über Stunden in der Thermos­kanne herumsteht, gehen Wirkstoffe verloren.

Muss es mal schnell gehen, ist auch Kräutertee in Portionsbeuteln eine Alternative. Weil die Pflanzenteile in den Beuteln extrem fein zerkleinert sind, verlieren sie durch den Kontakt mit Luft an Wirkung. Daher ist auch ihre Haltbarkeit geringer. Am besten lassen Sie sich in der Apotheke beraten, wie Sie den Tee zubereiten und aufbewahren.

Den Tee richtig dosieren

Wer hofft, einen Infekt oder Magendrücken schneller loszuwerden, wenn er Heilkräutertee literweise konsumiert oder stärker dosiert als angegeben, der irrt. "Viel hilft nicht viel", meint Kräuterexpertin Neß. Drei Tassen pro Tag, vor den Mahlzeiten genossen, reichen. Wichtig: "Wenn sich die Beschwerden nach drei Tagen nicht bessern, sollten Sie einen Arzt fragen", rät die Expertin. Heilkräutertees sind auch nicht zum Dauerkonsum gedacht. Sie sollten ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht länger als vier bis sechs Wochen getrunken werden.

Strenge Auflagen für Tee aus der Apotheke

Anders als bei Tees aus dem Lebensmittelhandel oder bei selbst gezogenen Heilpflanzen von Garten, Balkon oder Fensterbank ist der Wirkstoffgehalt bei Teedrogen aus der Apotheke bekannt und konstant. "Für Apotheken-Tees gelten strenge Auflagen", erklärt Ingrid Neß. Das Arzneibuch schreibt regelmäßige Qualitätsprüfungen vor, die eine optimale Wirkung garantieren.

Wer seine Heilkräuter selbst ernten möchte, sollte sie wegen möglicher Verwechslungsgefahr und auch wegen des Naturschutzes nur unter kundiger Führung sammeln.


Diese Heilpflanzen lassen sich zu Tee verarbeiten

  • Heilpflanze
    W&B/Dr. Ulrike Möhle

    Baldrian

    Tee aus Baldrianwurzeln ist ein bewährtes pflanzliches Schlafmittel. Auch Nervosität und Unruhe kann die Wurzel mildern.

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  • Heilpflanze
    W&B/Dr. Ulrike Möhle

    Bärentraube

    Ihre kleinen, ledrigen Blätter wirken antibakteriell und sind das bekannteste Naturheilmittel gegen Blasenentzündungen.

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  • Heilpflanze
    W&B/Dr. Ulrike Möhle

    Salbei

    Als Hausmittel bei Erkältungen mit Halsschmerzen und Heiserkeit ist Salbeitee ein Klassiker. Er lindert Entzündungen und löst Schleim.

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  • Heilpflanze
    W&B/Dr. Ulrike Möhle

    Weißdorn

    Blätter und Blüten des dornigen Busches können als Tee-Zubereitung die Herzgesundheit unterstützen.

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  • Heilpflanze
    W&B/Dr. Ulrike Möhle

    Johanniskraut

    Aufgüsse aus Stängeln, Blättern und Blüten der Pflanze helfen bei Angstzuständen und depressiven Verstimmungen.

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  • Heilpflanze
    W&B/Dr. Ulrike Möhle

    Pfefferminze

    Sie stärkt den Magen, kann gegen Blähungen und Krämpfe eingesetzt werden. Die Wirkung beruht auf dem ätherischen Öl in den Blättern.

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