Cholesterin: Gute Fette, schlechte Fette?

Welche Blutfettwerte sollte ich anstreben? Welche Rolle spielt die Ernährung? Wir beantworten sieben Fragen zu Cholesterin
von Dr. Sabine Haaß, 13.06.2017

HDL gilt als gutes Cholesterin, LDL als böses. Aber warum?

W&B/Ulrike Tölg

1. Wofür ist Cholesterin wichtig?

Chemisch gehört Cholesterin zu den Fetten. Für den Körper ist es aus vielen Gründen unverzichtbar: Beim Aufbau der Zellwände, bei der Herstellung von Hormonen wie Kortisol, Östrogen und Testosteron oder bei der Bildung von Gallensäuren für die Verdauung sind wir auf Cholesterin angewiesen. Den größten Teil seines Bedarfs produziert der Körper übrigens selbst, und zwar in der Leber.


2. Welcher Wert ist ungünstig?

Ungünstig für die Gesundheit ist ein hoher LDL-Wert. Im Überfluss vorhandenes LDL-Cholesterin lagert sich nämlich in den Gefäßwänden ab. Deshalb wird es oft als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet. "Je höher der LDL-Wert, desto höher ist das Risiko für eine Arterienverkalkung — und damit für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall", sagt Diabe­tologe Dr. Werner Paul aus dem schwäbischen Friedberg. Dem HDL-Cholesterin hat man dagegen früher eine gefäßschützende Wirkung zugeschrieben und es als "gutes" Cholesterin bezeichnet. In welchem Maß der HDL-Wert oder die Triglyzeride das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko beeinflussen, ist aber weniger klar.

3. Was wird beim Arztgemessen?

Zur Kontrolle der Blutfettwerte zieht der Arzt nicht nur das Gesamtcholesterin heran, sondern auch seine Untergruppen LDL- und HDL-Cholesterin. LDL steht für "Low-Den­sity-Lipoprotein" (Lipoprotein mit niedriger Dichte), HDL für "High-Density-Lipo­protein" ­(Lipoprotein mit hoher Dichte). Beide Lipoproteine transportieren Cholesterin im Blut: LDL schafft es aus der Leber dorthin, wo es gebraucht wird, HDL sammelt überschüssiges Cholesterin ein und bringt es zur Leber zurück. Neben dem Cholesterin bestimmt der Arzt häufig auch die Trigly­zeride (Neu­tralfette).

4. Welcher Grenzwert gilt für mich?

"Der LDL-Grenzwert richtet sich nach dem individuellen Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko", sagt Privatdozentin Dr. Corinna Lebherz, Kardiologin am Universitätsklinikum Aachen. Weil dieses Risiko bei Typ-2-Diabetikern erhöht ist, sollte ihr LDL-Wert unter 100 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) liegen. "Kommen ­weitere Risiken wie Bluthochdruck oder Rauchen hinzu oder sind die Herzkranzgefäße bereits ­geschädigt, sollte der Grenzwert unter 70 mg/dl gesenkt werden", sagt Lebherz. Für Typ-1-Diabetiker gelten, abhängig von ihrem Ausgangs-LDL-Cholesterin, eigene Grenz­werte, die sie bei ihrem Arzt erfragen sollten.


5. Kann ich meine Werte durch die Ernährung senken?

Nur einen kleinen Teil seines Cholesterinbedarfs deckt der Körper aus der Nahrung. "Der LDL-Wert lässt sich deshalb über die Ernährung nur um fünf bis zehn Prozent senken", erklärt Lebherz. Ist der LDL-Wert geringfügig erhöht, kann es genügen, wenn Sie sich bei tierischen Fetten zurückhalten, also weniger Fleisch, Wurst oder Käse essen. Wählen Sie fettarme Sorten, und verwenden Sie (in Maßen) pflanzliche Fette wie Raps- oder Olivenöl. "Für Eier gibt es hinsichtlich des Cholesterins keine Einschränkung", sagt Diabetologe Paul. Bei einem hohen LDL-Wert genügt eine Ernährungsumstellung allein in der Regel nicht.

6. Wann brauche ich ein ­Medikament?

Wenn sich der LDL-Grenzwert nicht anders erreichen lässt, wird Ihnen der Arzt ein cholesterinsenkendes Medikament (meist ein Statin) verschreiben. Es kann den LDL-Wert und damit auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich senken. "Typ-2-Diabetiker brauchen fast immer ein Statin", sagt Experte Paul. "Für manche sind diese Cholesterinsenker noch wichtiger als Diabetes-Medikamente."

7. Führen Cholesterin­senker ­zu Diabetes?

Statine können den Blutzucker leicht steigen lassen. "Bei Menschen mit ohnehin erhöhtem Risiko kann eine Statintherapie das Auftreten eines Typ-2-Diabetes beschleunigen", sagt Kardiologin Lebherz, "in der Regel um etwa zwei bis vier Monate." Statine tragen jedoch wesentlich dazu bei, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern. Ihr Nutzen überwiegt daher das mögliche Diabetesrisiko bei Weitem. Manchmal treten unter Statinen Muskelschmerzen auf. Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrem Arzt. "Ist das Statin tatsächlich die Ursache, kann er eventuell einen anderen Cholesterinsenker verordnen", sagt Diabetologe Paul. Setzen Sie Ihr Statin auf keinen Fall eigenmächtig ab – das wäre wirklich riskant!



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