"Demenz-Früherkennung ist schwierig"

Ständig Dinge vergessen – ist das schon eine Demenz? Wann es sich lohnt, einen Arzt aufzusuchen, verrät Thomas Arendt, Hirnforscher an der Universität Leipzig
von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 27.07.2016

Professor Thomas Arendt, Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, Uni Leipzig

W & B/ Michael Bader

Es passiert immer mal wieder, dass ich Namen vergesse oder Dinge verlege – muss ich mir Sorgen machen, dass sich eine Demenz anbahnt?

Einerseits beginnt eine Demenz oft mit zunehmender Vergesslichkeit. Andererseits lässt das Gedächtnis bei vielen Menschen mit dem Alter etwas nach, ohne dass sie an einer Demenz erkranken. Auch andere Faktoren, etwa chronischer Stress, können zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen führen.

Wann sollte ich zum Arzt?

Spätestens dann, wenn die Gedächnisstörun­gen Ihren Alltag beeinträchtigen. Etwa wenn Sie ständig vergessen, Ihr Insulin zu spritzen. Oder wenn vertraute Handlungen wie das Einkaufen schwerfallen.

Wohin wende ich mich dann?

Idealerweise an die Gedächtnisambulanz einer Klinik. Dort lässt sich klären, ob hinter den Problemen eine Demenz steckt oder etwas anderes.

Zum Beispiel?

Etwa eine Depression oder eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Wenn solche Ursachen erkannt und behandelt werden, bessert sich meist auch die Gehirnleistung wieder.

Gibt es für eine Demenz Früherkennungstests?

Mit bestimmten bildgebenden Verfahren lassen sich zwar Alzheimer-typische Gehirnveränderungen erkennen. Diese Tests sind aber sehr aufwendig – und ihre Aussagekraft ist begrenzt.

Weshalb?

Viele ältere Menschen zeigen Alzheimer-Veränderungen im Gehirn, bekommen aber dennoch keine Demenz.

Sie entwickeln derzeit einen Bluttest zur Alzheimer-Früherkennung. Wie funktioniert dieser Test?

Er beruht darauf, dass bei Alzheimer die Fähigkeit der weißen Blutkörperchen, sich zur Zellteilung anregen zu lassen, stark verändert ist. Derzeit prüfen wir, wie sicher der Test die Krankheit vorhersagt.

Lässt sich eine Demenz mit Medikamenten aufhalten?

Bedingt geht das – bei einer beginnenden Demenz besteht die Chance, das Fortschreiten zu bremsen. Für Betroffene bedeutet das zum Beispiel auch, dass sie Zeit gewinnen, um ihre Dinge rechtzeitig regeln zu können.

Professor Dr. Thomas Arendt ist Lei­ter des Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung an der Universität Leipzig und Vorsitzender des wissen­schaftlichen Beirats der Alzheimer Forschung Initiative e. V.

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