Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit

Klettern die Temperaturen zum ersten Mal nach Monaten wieder in wärmere Gefilde, überfällt viele Menschen eine bleierne Müdigkeit. Zwei Experten verraten, wie Sie am besten dagegen ankommen

von Andrea Grill, aktualisiert am 16.03.2017

Frühling: Die warme Sonne lockt ins Freie

Thinkstock/iStockphoto

Siebenschläfer müsste man sein! Oder Murmeltier. Die dürfen sich noch wochenlang im kuschlig gepolsterten Nest zusammenrollen und einfach nur schlafen, bis der Frühling so richtig da ist. Unsereins dagegen kämpft sich unmotiviert und dauermüde durch den Tag, geplagt von Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen.

"Frühjahrsmüdigkeit" nennt man in Deutschland diesen Zustand, der manche Frauen und Männer jedes Jahr aufs Neue befällt, wenn der Winter sich allmählich verabschiedet und die Tage wieder länger, heller und wärmer werden. Das Phänomen kennt man aber nicht nur hierzulande, sondern in allen Regionen, in denen sich Tageslänge, Temperatur und Lichtverhältnisse mit den Jahreszeiten merklich ändern.


Gründe für Frühjahrsmüdigkeit

Die Natur blüht und ist voller Kraft, doch der Mensch macht schlapp – wie kann das sein? "Wir tun uns schwer mit der Umstellung vom Winter- auf den Sommermodus, weil Stoffwechsel und Hormonhaushalt sich auf eine neue Situ­ation einstellen müssen", sagt Professor Andreas Matzarakis, Biometeorologe beim Deutschen Wetterdienst. Ein paar Wohen dauert es laut Matzarakis, bis der Frühjahrs-Umbau im Körper abgeschlossen ist, die Müdigkeit verfliegt und auch wetterfühlige Menschen den Beginn der warmen Jahreszeit genießen können. Was hilft dabei, mit der Umstellung besser klarzukommen?

Kreislauf und Abwehr trainieren

Professorin Petra-Maria Schumm-Draeger, bis 2016 Chefärztin am Münchner Klinikum Bogenhausen, rät dazu, sich am besten täglich und bei jedem Wetter im Freien zu bewegen. "Viele Diabetiker haben während der Wintermonate meist schlechtere Blutzuckerwerte, weil da einfach die Bewegung fehlt", weiß die Ärztin. Sportliche Aktivität helfe ihnen dabei, ihre Werte wieder zu verbessern. Außerdem kurbelt Bewegung die Abwehr an – und tut dem Herz-Kreislauf-System gut.

Die Ärztin selbst geht mindestens dreimal in der Woche joggen. Ihren Patienten rät sie: "Holen Sie das Fahrrad aus dem Keller, walken oder joggen Sie. Hauptsache, es macht Ihnen Spaß." Bewegungseinsteiger fragen vorher ihren Arzt, welche Belas­tung gut für sie ist.

Wechselduschen für die Abwehrkräfte

Das Immunsystem lässt sich auch im Badezimmer trainieren: zum Beispiel mit kalt-warmen Wechselduschen (bei Herzproblemen vorsichtshalber den Arzt fragen). Dazu einfach warm duschen, bis man sich angenehm durchwärmt fühlt. Dann den Wasserstrahl auf kühler (Ungeübte: keinesfalls eiskalt, lieber lauwarm) stellen. Zuerst die Gliedmaßen abduschen: rechtes Bein außen vom Fuß bis zur Hüfte, zurück innen vom Oberschenkel zum Fuß, dann das linke Bein. Nun den rechten Arm außen über den Handrücken bis zur Schulter und innen bis zurück zur Hand duschen. Dann sind Brust, Bauch, Nacken und Gesicht dran. Zweimal wiederholen, mit kalt aufhören.


Ausreichend Licht tanken

Für den Biometeorologen Matzarakis steht an erster Stelle: "Sonne, Sonne, Sonne!" Sie hilft dem Körper, sich auf die längeren Tage einzustellen. Außerdem bildet der Körper mit Licht Vitamin D. Das ist nicht nur wichtig für den Knochenaufbau, sondern nützt auch der Abwehr. Bei großen Problemen mit der Frühjahrsmüdigkeit hilft vielleicht eine Lichttherapie. Sie wird in Arztpraxen angeboten, ist aber keine Kassenleistung. Alternativ kann man Tageslichtlampen selbst in Elektromärkten oder im Versandhandel kaufen und sich zu Hause Lichtduschen gönnen.

Frühlingsgefühle erleben

Einen eher unkonventionellen Tipp, um gesund und immunstark ins Frühjahr zu starten, geben niederländische Forscher: leidenschaftlich küssen. Nüchtern betrachtet, tauscht man dabei Mikro­ben aus, die das Immunsystem gegen Krankheitserreger wappnen. Medizinerin Schumm-Draeger glaubt aber eher an die emotionale Wirkung von Küssen: Es macht glücklich. Und was der Psyche eines Menschen guttut, stärkt auch die Gesundheit.



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