Unterzucker: Anzeichen können fehlen

Langjährige Diabetespatienten haben oft Probleme, Unterzucker wahrzunehmen. Das erhöht das Risiko für die gefährlichen Zuckertiefs. Ein Hypo-Training kann helfen
von Stephan Soutschek, 18.05.2016

Kopfschmerzen: Vor allem im Alter können solche Unterzuckerungs-Anzeichen fehlen

Stockbyte/ RYF

Langjährige Patienten mit Typ-1-Diabetes sind in der Regel anfälliger für Unterzuckerungen. Das liegt unter anderem daran, dass Betroffene mit zunehmender Krankheitsdauer die Anzeichen für niedrige Zuckerwerte schlechter wahrnehmen. So können sie nicht rechtzeitig gegensteuern.

Studie mit langjährigen Diabetespatienten

Eine neue US-Studie belegt, dass solche Wahrnehmungsstörungen ein ernstzunehmender Risikofaktor sind. Die Untersuchung erschien im Journal Diabetes Care.

Alle 101 Teilnehmer waren über 60 Jahre alt und lebten seit mindestens 20 Jahren mit ihrem Typ-1-Diabetes. Außerdem hatten sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine schwere Unterzuckerung erlebt. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe mit 100 Mitgliedern. Diese waren in der jüngeren Vergangenheit von Hypoglykämien – so heißen Unterzuckerungen in der Fachsprache – verschont geblieben.

Auch im folgenden Beobachtungszeitraum von August 2013 bis April 2014 traten in der Gruppe der gefährdeten Teilnehmer deutlich häufiger schwere Unterzuckerungen auf, bei denen die Betroffenen sogar auf Hilfe von anderen angewiesen waren.

Fehlende Anzeichen machen anfällig

Was waren die Gründe für dieses erhöhte Risiko? In Fragebögen gaben nur elf Prozent der Teilnehmer mit häufigen Unterzuckerungen an, immer die Anzeichen sinkender Blutzuckerspiegel wahrzunehmen. In der Kontrollgruppe bemerkte es dagegen fast jeder zweite, wenn die Werte in den Keller rauschten. Außerdem neigte der Glukosegehalt im Blut in der Unterzuckergruppe zu stärkeren Schwankungen.

Überraschend ist das sicherlich nicht, dass eine gestörte Wahrnehmung von Warnzeichen sich in häufigeren Unterzuckerungen niederschlägt. Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c spielte dagegen wohl nur eine untergeordnete Rolle. Dieser war zwischen beiden Gruppen annähernd gleich.

Generell heißt es, dass mit niedrigeren HbA1c-Werten oft das Unterzuckerrisiko ansteigt, gerade bei instabilen Stoffwechselverläufen. Allein auf den HbA1c zu achten reiche aber nicht aus, um schweren Unterzuckerungen effektiv vorzubeugen, schlussfolgern die Studienautoren.

Kurse schulen Wahrnehmung

In speziellen Kursen können Teilnehmer ihre Hypo-Wahrnehmung trainieren (Infos unter www.hypos.de). Diese Schulungen richten sich an alle Diabetiker, denen Unterzuckerungen im Alltag zu schaffen machen.

Betroffen sind nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge. Bei häufigen Hypoglykämien sinkt mit der Zeit oft die Wahrnehmungsschwelle, sodass Patienten künftige Zuckertiefs noch schlechter bemerken. Die Trainings können einen Ausweg aus diesem Teufelskreis bieten. Wer teilnehmen möchte, spricht am besten seinen behandelnden Arzt auf Angebote in der Nähe an.


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