Diabetes mellitus – mit dieser Diagnose zurechtzukommen, fällt Neuerkrankten meist nicht leicht. Klar, gehört hat man von der Zuckerkrankheit schon. Doch wie ist das nun genau? Stimmt es wirklich, dass Diabetiker nichts Süßes essen dürfen? Muss jeder Diabetiker Insulin spritzen? Blutzucker messen – wie geht das überhaupt?
Fragen über Fragen, mit denen neu diagnostizierte Typ-2-Diabetiker nicht alleine gelassen werden dürfen. Deshalb gibt es spezielle Schulungen, in denen die Patienten alles Wichtige über ihre Krankheit lernen. Moderne Konzepte setzen auf wenig Theorie und viel Praxis. Das neu erworbene Wissen hilft Diabetikern, Experte in eigener Sache zu werden. Und wer über seine Erkrankung gut Bescheid weiß, hat auch das Know-How, die Behandlung selbst mitzubeeinflussen und auf Dauer mit dem Diabetes klarzukommen.
"Da höre ich doch nur wieder, was ich alles zu tun und zu lassen habe!" So skeptisch reagieren viele Diabetiker, wenn die Rede auf eine Schulung kommt. Die Angst vor Vorschriften und Verboten ist ein Grund, warum mancher Diabetiker in Deutschland noch nie an einer solchen "Fortbildung in Sachen Diabetes" teilgenommen hat. Und weil zu hohe Blutzuckerwerte nicht wehtun, fehlt oft auch die Motivation, etwas dagegen zu unternehmen. Gedanken an mögliche Folgeschäden eines schlecht eingestellten Diabetes werden häufig verdrängt.
Den Begriff "Schulung" verbinden viele Menschen mit Erinnerungen an muffige Klassenzimmer, langweiligen Unterricht und schweißtreibende Prüfungen. Moderne Diabetes-Schulungen sind weit davon entfernt. Die "Schüler" sitzen nicht über Lehrbüchern, sondern besprechen gemeinsam Alltagssituationen und üben diese ein – vom Einkaufen im Supermarkt bis zum Verhalten bei Festen und Feiern. Jeder Teilnehmer erarbeitet sich einen persönlichen Plan, wie er die Diabetestherapie – beispielsweise mehr Bewegung – so gut wie möglich in seinen Alltag einbauen kann. Mit gutem Erfolg. Diabetes-Schulungen verbessern die Lebensqualität nachweislich.
Die Inhalte der Schulung richten sich in erster Linie nach den Bedürfnissen des Einzelnen. Zunächst einmal werden Grundlagen über den Diabetes vermittelt. Dann geht es darum, wie die Therapieziele, beispielsweise bessere Blutzuckerwerte und Abbau von Übergewicht, erreicht werden können. Dabei ist die gesunde Ernährung ein zentrales Thema. Die Teilnehmer erfahren zum Beispiel, wie sie beim Kochen Fett sparen können, ohne dass der Geschmack auf der Strecke bleibt. In Kliniken, die Diabetes-Schulungen anbieten, dürfen Patienten in der hauseigenen Lehrküche schon mal selbst die Schürze umbinden und den Kochlöffel in die Hand nehmen.
Neben der Ernährung spielt auch die Bewegung eine große Rolle. Die meisten Typ-2-Diabetiker wissen zwar, dass ihnen mehr Bewegung gut täte. Doch oft hapert's an der Motivation. Schulungen öffnen so manchem Bewegungsmuffel die Augen dafür, dass Sprt auch viel Spaß machen kann. Vor allem, wenn man gemeinsam mit anderen aktiv wird, zum Beispiel in einer Diabetiker-Sportgruppe.
Weil Diabetiker-Füße besonders viel Aufmerksamkeit brauchen, wird in der Schulung natürlich auch besprochen, worauf Diabetiker bei der Fußpflege und der Auswahl ihrer Schuhe achten sollten.
Und schließlich geht es noch um Technisches, wie etwa Blutzuckerkontrolle und Blutdruckmessen. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, trainieren die Schulungs-Teilnehmer auch, Symptome einer Unterzuckerung zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren. Diabetiker, die mit Insulin behandelt werden, lernen zusätzlich, wie sie richtig spritzen und die Insulindosis anpassen.
www.diabetes-ratgeber.net;
25.08.2009, aktualisiert am 06.09.2012
Bildnachweis: W&B/ Jan Greune
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