Diabetes: Die richtigen Schuhe finden

Die passenden Schuhe beugen bei Diabetes Fußproblemen vor. Worauf Sie beim Kauf achten sollten

von Dr. Sabine Haaß, 07.01.2016

Schuhkauf: Achten Sie darauf, dass die Schuhe groß genug sind

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Von wegen „Eitelkeit ist Trumpf“. Laut einer Umfrage im Auftrag des Diabetes Ratgeber verzichten rund vier von zehn Frauen ihren Füßen zuliebe auf Schuhe mit hohen Absätzen. Und müsste sich die deutsche Bevölkerung für ein einziges Paar Schuhe entscheiden, so wären es für die Mehrheit bequeme Sneaker oder Boots – wie der Online-Marktplatz eBay herausfand.

Für Menschen mit Diabetes gestaltet sich der Schuhkauf oft als eine besondere Herausforderung. Kein Wunder: Schließlich hört und liest man ständig, wie gefährdet gerade die Füße bei Diabetes sind. Täglich solle man sie nach unbemerkten Verletzungen absuchen, sie baden, cremen und pflegen und bloß keine zu engen, scheuernden Schuhe tragen.


Schäden an Nerven und Gefäßen bedrohen die Füße

Der Grund ist, dass viele Menschen nach langjährigem Diabetes Nervenschäden und Durchblutungsstörungen an den Beinen haben. Dadurch kann sich ein sogenanntes diabetisches Fußsyndrom entwickeln. Das bedeutet, dass sich an den Füßen Wunden bilden, die schlecht heilen, zu Entzündungen neigen und eine häufige Ursache für Amputationen sind. „Bei diabetesbedingten Nerven- oder Gefäßschäden lässt man sich vor dem Schuhkauf am besten vom Arzt beraten“, sagt Dr. Michael Eckhard, Chefarzt der GZW Diabetes-Klinik in Bad Nauheim. Der Arzt kann gegebenenfalls spezielle Dia­betes-Schutzschuhe verordnen. Das sind Schuhe, die die Füße durch ihre besondere Konstruktion vor Druckstellen und Schäden schützen. Die Krankenkasse beteiligt sich in der Regel an den Kosten.

Hauptsache, der Schuh passt

„Wer keine Nerven- oder Gefäßschäden und keine ausgeprägten Fehlstellungen hat, braucht keine speziellen Schuhe“, sagt Eckhard. In diesem Fall rät er seinen Patienten dasselbe wie anderen Menschen: Die Schuhe sollen passen. Das heißt Halt bieten, ohne einzuengen, und vor den Zehen einen Zentimeter Platz lassen.

„Viele Geschäfte haben Bequem- oder Komfortschuhe aus weichem, atmungsaktivem Material im Angebot, die diese Anforderungen erfüllen“, sagt Orthopädie-Schuhtechniker Thomas Kreißl aus Friedberg. Atmungsaktives Material wie Echtleder oder Textil hilft, Schweißfüßen und Fußpilz vorzubeugen. 

Keine Kompromisse beim Schuh-Kauf

Weil die Füße dazu neigen, im Laufe des Tages anzuschwellen, sollte der Schuhkauf auf den späten Nachmittag oder Abend gelegt werden. Fußspezialist Eckhard rät, Umrisszeichnungen der Füße auf Pappe anzufertigen. Vor dem Anprobieren legt man die Pappe in den Schuh: „Wenn sie knickt oder sich verbiegt, ist klar, dass der Schuh nicht passt.“

Orthopädie-Schuhtechniker Kreißl warnt davor, einen Schuh, der seitlich zu eng oder weit ist, einfach eine Nummer größer oder kleiner zu kaufen. Dann passe er vielleicht in der Mitte, aber hinten und vorne nicht. Wer sehr schmale oder breite Füße hat, sollte den Verkäufer um Rat fragen: Es gibt Hersteller, die Schuhe in verschiedenen Weiten anbieten. 

Hoch und spitz: Schlecht für den Fuß

Für Frauen wichtig: „Je höher die Absätze sind und je spitzer der Schuh vorne zuläuft, desto schlechter ist es für die Füße“, sagt Michael Eckhard. Dadurch würden die Zehen gequetscht und bei häufigem Tragen Fehlstellungen wie Hammer- und Krallenzehen oder eingewachsene Fußnägel gefördert. „Pumps“ solle man daher möglichst selten tragen und von „High Heels“ (Absatzhöhe ab zehn Zentimeter) besser ganz die Finger lassen.

Die breiten Plastikpantoffeln, die seit einigen Jahren voll im Trend liegen, seien deshalb problematisch, weil sie keine Feuchtigkeit aufnehmen. „Das begüns­tigt bei schwitzigen Füßen Pilz-Infektionen“, so Eckhard. Flipflops wiederum lassen zwar viel Luft an die Füße – der Zehensteg könne aber die Haut aufreiben. Doch es sind nicht nur „Modeschuhe“, die der Experte kritisch sieht. Auch sogenannte „Gesundheitsschuhe“ mit Korkfußbett und Lederriemen können nach seiner Erfahrung Kummer bereiten.

Vorsicht mit „Gesundheitsschuhen“

„Gesundheitsschuhe“ seien nämlich für die Füße nicht immer so gesund, wie ihr Name vielleicht glauben macht: „Die Kante und der Steg der Sohle können auf der Haut scheuern und drücken und so die Bildung von Hornhaut fördern“, sagt Dr. Michael Eckhard. Auch zu feste Riemen würden die Haut strapazieren – was schon für gesunde Füße ein Problem ist, erst recht aber, wenn man wegen eines diabetischen Nervenschadens nichts davon spürt und sich deshalb Wunden entwickeln.

Kurzum: Wer die richtigen Schuhe trägt, hat nicht nur gesündere, sondern oft auch schönere Füße. Hier ist Eitelkeit übrigens durchaus „Trumpf“, wie die Umfrage des Diabetes Ratgeber ergab: Die Mehrheit, nämlich acht von zehn Befragten, gab an, großen Wert auf gut gepflegte Füße zu legen.


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