Diabetes mellitus Typ 2 ist eine der wichtigsten Volkskrankheiten überhaupt. Hier finden Sie Informationen über Vorbeugung, Diagnose und Behandlung
Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, die zu erhöhten Blutzuckerspiegeln führt. Der erhöhte Blutzucker schädigt langfristig Blutgefäße und Nerven. Das kann zu zahlreichen Organproblemen führen. Folgekrankheiten des Diabetes sind beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche, Netzhautschäden, Erektionsstörungen und viele andere. Sie werden oft als "Spätschäden" bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch irreführend, weil viele Diabetes-Folgekrankheiten bereits in einem sehr frühen Stadium des Diabetes auftreten können – oft sogar schon, wenn erst ein Prädiabetes (ein Diabetes-Vorstadium) besteht.
Die Neigung zu Diabetes Typ 2 ist genetisch bedingt. Außerdem begünstigen vor allem Übergewicht und Bewegungsmangel, dass die Krankheit entsteht.
"Diabetes mellitus" ist eine der ältesten bekannten Krankheiten, die schon in einem ägyptischen Papyrus beschrieben ist. Weil der Urin der Kranken durch den ausgeschiedenen Zucker süßlich schmeckte, wurde sie als "honigsüßer Durchfluss" (Diabetes mellitus) bezeichnet.
In Deutschland leiden derzeit rund sieben Millionen Menschen an einem Diabetes, der mit Medikamenten behandelt wird – rund 90 Prozent davon sind Typ-2-Diabetiker. Dazu kommen vermutlich bis zu vier Millionen Menschen, deren Diabetes noch nicht diagnostiziert wurde. Genaue Angaben sind nicht möglich, da Diabetes keine meldepflichtige Krankheit ist. In Deutschland gibt es deshalb kein bundesweites Diabetes-Register.
Darüber hinaus schätzen Experten, dass sich in Deutschland rund elf Millionen Menschen in einem Vorstadium des Typ-2-Diabetes befinden (Prädiabetes). Diese Menschen haben ein hohes Risiko, in den nächsten Jahren ebenfalls an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
In der Vergangenheit wurde der Typ-2-Diabetes gerne auch als "Alterszucker" bezeichnet. Tatsächlich erkranken in erster Linie ältere Menschen daran. Dennoch erkranken zunehmend auch 30- bis 40-Jährige an Typ-2-Diabetes. Grund dafür ist, dass immer mehr Menschen schon in jungen Jahren stark übergewichtig sind und sich nur wenig bewegen – beides gilt als die Hauptursache von Diabetes Typ 2. Immer häufiger stellen Ärzte die Krankheit auch bei Kindern und Jugendlichen fest. In den USA haben etwa ein Viertel der Jugendlichen Diabetes oder eine Vorstufe davon. Die Bezeichnung „Alterszucker“ ist also längst nicht mehr korrekt.
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Das Abwehrsystem des eigenen Körpers zerstört dabei die Insulin produzierenden Zellen, die sich in der Bauchspeicheldrüse befinden. Das führt zu einem Mangel an Insulin. Dieses Hormon schleust den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen, die ihn zur Energiegewinnung brauchen. Ohne Insulin steigt der Blutzuckerspiegel deshalb rasch an.
Wer Typ-1-Diabetes hat, muss von Anfang an regelmäßig Insulin spritzen, um seinen Blutzuckerspiegel zu senken. Oft erkranken schon Kinder (Durchschnittsalter acht Jahre). Aber auch alte Menschen können an Typ-1-Diabetes erkranken. Im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes spielt die Vererbung beim Typ-1-Diabetes übrigens eine untergeordnete Rolle.
Typ-2-Diabetes (siehe auch nächstes Kapitel: Die Ursachen) ist dagegen eine Erkrankung, bei der zunächst weniger der Mangel an Insulin im Vordergrund steht. Vielmehr entwickeln die Körperzellen eine Insulinresistenz. Das bedeutet, dass sie immer weniger auf Insulin ansprechen, bis sie schließlich unempfindlich (resistent) werden. Das Hormon kann den Zucker dann nicht mehr in die Zellen schleusen. Infolgedessen steigt der Blutzuckerspiegel an. Mögliche Ursachen der Insulinresistenz sind vor allem erbliche Veranlagung, Übergewicht und Bewegungsmangel.
Um die Insulinresistenz zu überwinden, produziert die Bauchspeicheldrüse zunächst mehr Insulin. Im Laufe der Jahre lässt die Insulinproduktion jedoch nach, die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse "erschöpfen" sich und der Blutzuckerspiegel steigt. Typ-2-Diabetes kann, im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes, anfangs meist durch eine Umstellung des Lebensstils behandelt werden, die sich günstig auf die Insulinresistenz auswirkt. Dazu gehören viel Bewegung, gesunde Ernährung und gegebenenfalls Abnehmen. Außerdem helfen Tabletten, die die Insulinwirkung verbessern oder die Insulinausschüttung anregen. Im Laufe der Zeit müssen jedoch auch viele Typ-2-Diabetiker Insulin spritzen.
Neben Typ-1-und Typ-2-Diabetes gibt es eine Reihe weiterer Diabetesformen, die jedoch sehr selten sind.
Die Veranlagung zu Diabetes Typ 2 ist erblich. Wenn nahe Verwandte (vor allem Eltern, Geschwister) Typ-2-Diabetiker sind, beträgt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens ebenfalls zu erkranken, bis zu 60 Prozent.
Gefördert wird das Entstehen eines Typ-2-Diabetes durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Beides leistet einer Insulinresistenz Vorschub, die eine der wichtigsten Ursachen für Typ-2-Diabetes ist.
Insulinresistenz bedeutet, dass die Zellen des Körpers unempfindlich auf Insulin reagieren. Das Hormon aus der Bauchspeicheldrüse schleust normalerweise den Zucker aus dem Blut in die Zellen, die aus ihm Energie gewinnen und ihn zum Teil speichern. Sprechen die Zellen nicht oder kaum auf Insulin an, kann es diese Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen.
Übergewicht begünstigt diese Entwicklung, da Fettgewebe, insbesondere das Fettgewebe am Bauch, Botenstoffe ausschüttet, die eine Insulinresistenz fördern. Bewegungsmangel verstärkt vor allem bei Muskelzellen die Insulinresistenz.
Zunächst versucht der Körper, die Insulinresistenz zu überwinden, indem er mehr Insulin ausschüttet. In einem frühen Stadium des Diabetes ist der Insulinspiegel im Blut daher erhöht (Hyperinsulinämie). Schließlich erschöpft die Insulinproduktion. Der Insulinspiegel sinkt und der Blutzuckerspiegel steigt – bis er so hoch ist, dass die Kriterien für die Diagnose eines Diabetes mellitus erfüllt sind (siehe Kapitel: Diagnose).
Diabetes mellitus vom Typ 2 tritt häufig im "Paket" mit erhöhtem Blutdruck (bis zu 80 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickeln im Laufe der Zeit Bluthochdruck), Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen auf. Mediziner sprechen in diesem Fall vom Metabolischen Syndrom (Stoffwechsel-Syndrom, auch "tödliches Quartett"). Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Unter anderem begünstigen genetische Faktoren und Botenstoffe aus dem Fettgewebe das gemeinsame Auftreten der Krankheiten. Außerdem können sich die einzelnen Krankheiten gegenseitig verstärken. So gibt es Hinweise, dass erhöhter Blutdruck die Insulinresistenz fördert.
Typ-2-Diabetes macht lange Zeit keine Beschwerden. Deshalb bleibt er oft viele Jahre unentdeckt. Häufig wird die Krankheit erst dann festgestellt, wenn sie bereits Folgekrankheiten ausgelöst hat, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Wenn der Blutzuckerspiegel steigt, versucht der Körper überschüssigen Zucker mit dem Urin auszuscheiden. Dabei geht Flüssigkeit verloren. Häufiges Wasserlassen, Schwächegefühl, Durst und trockene Haut sind deshalb typische Anzeichen für einen Diabetes. Da die Zuckerkrankheit das Abwehrsystem schwächt, sind Diabetiker anfälliger für Infektionskrankheiten wie beispielsweise Fuß- oder Scheidenpilz und Blasenentzündungen. Auch Erkältungen oder Grippeerkrankungen treffen Diabetiker häufiger. Wundheilungsstörungen können zudem auf eine Durchblutungsstörung der Haut hinweisen, wie sie gehäuft bei Diabetes auftritt.
Anzeichen, die auf erhöhte Blutzuckerwerte hindeuten, sind vor allem:
Allerdings verbinden viele Menschen mit solchen Symptomen häufig andere Ursachen und denken nicht an Diabetes. Gerade bei älteren Menschen besteht diese Gefahr. Wer eines oder mehrere dieser Symptome an sich feststellt, sollte unbedingt auch seinen Blutzucker überprüfen lassen.
Ein Arzt kann mit Hilfe eines Blutzuckertests feststellen, ob ein Diabetes vorliegt. Dabei gibt es drei Grenzwerte, bei denen die Zuckerkrankheit als nachgewiesen gilt:
Normal ist ein Nüchternblutzucker unter 100 md/dl (5,6 mmol/l). Nüchternwerte zwischen 100 und 125 mg/dl können auf einen Prädiabetes, also eine Diabetes-Vorstufe, hinweisen.
Goldstandard für die Diagnose eines Diabetes ist der Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest). Dabei bekommt der Patient eine Lösung mit 75 Gramm Glukose zu trinken. Steigt der Blutzucker nach zwei Stunden auf über 200 mg/dl (11,1 mmol/l), ist der Diabetes bestätigt.
Diabetes mellitus kann zu zahlreichen Folgekrankheiten führen. Sie sind das Ergebnis von Schäden der kleinen und großen Arterien (Mikro- bzw. Makroangiopathie) und häufig auch der Nerven. Die Wahrscheinlichkeit, diabetesbedingte Folgekrankheiten zu entwickeln, ist schon im Vorstadium des Diabetes (Prädiabetes) erhöht. Deshalb ist es wichtig, Diabetes rechtzeitig zu erkennen und optimal zu behandeln.
Nachfolgend finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Diabetes-Folgekrankheiten. Weiterführende Informationen zu den einzelnen Krankheiten erhalten Sie, wenn Sie den Links folgen.
Herzinfarkt: Der Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen von Menschen mit Diabetes. Hohe Zuckerwerte fördern eine Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose). Sind die Herzkranzgefäße davon betroffen, die das Herz mit Blut versorgen, sprechen Ärzte von einer "koronaren Herzerkrankung". Sie äußert sich in Brustschmerzen und Engegefühl über der Brust. Infolge von Nervenschäden fehlen diese Warnhinweise oft bei Diabetikern. Verschließt sich ein Herzkranzgefäß, wird der von ihm versorgte Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Dadurch kann es zu einer Herzleistungsschwäche kommen. Deshalb sind regelmäßige EKG-Kontrollen zu empfehlen, auch um unbemerkt abgelaufene Herzinfarkte (stumme Infarkte) zu entdecken und eine entsprechende Diagnostik der Gefäße einzuleiten.
Was viele nicht wissen: Bei Frauen machen sich die Anzeichen oft anders bemerkbar, zum Beispiel durch Rücken- oder Kieferschmerzen.
Schlaganfall: Menschen mit Diabetes haben ein stark erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. In den meisten Fällen ist der Schlaganfall Folge einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Dazu kommt es beispielsweise, wenn eine der beiden Halsschlagadern, die das Gehirn mit Blut versorgen, infolge einer Gefäßverkalkung verstopft ist oder wenn ein Gerinnsel oder eine Kalkablagerung, die sich von der Gefäßwand ablöst, mit dem Blutstrom ins Gehirn verschleppt wird und dort eine Arterie verschließt. Die Optimierung des Blutdrucks ist neben der Blutzuckereinstellung von zentraler Bedeutung.
Netzhautschaden: Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße der Netzhaut in den Augen. So entstehen Gefäßaussackungen, später auch Gefäßverschlüsse, Blutungen und Fetteinlagerungen. Außerdem bilden sich neue Adern, die jedoch leicht reißen und eine Netzhautablösung auslösen können. Netzhautschäden wegen Diabetes (diabetische Retinopathie) sind eine häufige Erblindungsursache. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich. Das Fortschreiten der Krankheit lässt sich durch Ausschalten der Risikofaktoren (Bluthochdruck behandeln, Rauchverzicht) und Lasertherapie aufhalten.
Nervenschaden: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen in den Füßen sind oft erste Anzeichen eines diabetesbedingten Nervenschadens (diabetische Neuropathie). Er kann alle Nerven treffen. Besonders gefährdet sind die sensiblen Nerven. Sie leiten Empfindungen wie Schmerz und Temperatur weiter. Später kommen oft starke Schmerzen hinzu. Auch autonome Nerven, die innere Organe versorgen, werden geschädigt. Nervenschäden können Störungen der Magen- oder Blasenentleerung, Durchfall oder Potenzprobleme zur Folge haben.
Nierenschaden: Mediziner sprechen hier von einer diabetischen Nephropathie. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Nierenschwäche und Nierenversagen. Geschädigte Blutgefäße in den Nieren bewirken, dass deren Filterfunktion gestört wird. Ein frühes Zeichen dafür ist der Nachweis von Eiweiß im Urin (Mikroalbuminurie). Eine rechtzeitige Therapie (Blutdruck und Diabetes einstellen, Medikamente: ACE-Hemmer) verhindert das Fortschreiten des Nierenschadens.
Diabetischer Fuß: Nervenschäden an den Füßen sind ein häufiger Grund für Amputationen. Ist die Schmerzwahrnehmung gestört, bemerken Diabetiker Druckstellen oder kleine Verletzungen oft nicht rechtzeitig. Diese können sich infizieren. Da häufig auch die Durchblutung beeinträchtigt ist, heilen die Wunden zudem schlecht ab. Es bilden sich Geschwüre, die Gewebe und Knochen angreifen (diabetisches Fußsyndrom). Diese schweren Folgen lassen sich meist vermeiden, wenn man seine Füße regelmäßig auf Unregelmäßigkeiten untersucht und sorgfältig pflegt. Wichtig ist auch, dass bei geringsten Veränderungen frühzeitig ein Arzt aufgesucht wird.
Depression: Mehr als jeder zehnte Diabetiker leidet an einer behandlungsbedürftigen Depression. Weitere 20 Prozent an einer depressiven Stimmungsstörung wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Traurigkeit. Umgekehrt haben auch Menschen mit Depression ein erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus vom Typ 2 zu erkranken. Die genauen Ursachen für das gehäufte Auftreten von Depressionen bei Diabetikern sind nicht geklärt.
Die Basis der Therapie ist die Diabetes-Schulung. Hier erfahren neu diagnostizierte Typ-2-Diabetiker, wie Sie durch einen gesünderen Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und Abbau von Übergewicht selbst dazu beitragen können, ihre Blutzuckerwerte zu senken. Jeder Diabetiker sollte sich darum bemühen, dass sein Arzt ihn zu einer entsprechenden Schulung überweist. Diabetologische Schwerpunktpraxen, aber auch viele Kliniken bieten diese an. Informationen gibt es beispielsweise bei den Krankenkassen.
Bewegung und Abnehmen verbessern die Insulinempfindlichkeit der Zellen und bewirken so, dass der Zucker besser aus dem Blut in die Zellen gelangt. Vielen Menschen mit Diabetes gelingt es, ihre Blutzuckerwerte allein durch eine gesundheitsfördernde Lebensweise wieder in den Normalbereich zu senken. Allerdings ist der Diabetes damit nicht geheilt. In der Regel lässt die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse im Laufe der Jahre nach, auch bei Nichtdiabetikern. Deshalb steigen die Blutzuckerwerte wahrscheinlich irgendwann trotz gesunder Lebensweise und erfordern eine Behandlung mit Medikamenten.
Experten empfehlen: Versuchen Sie in jedem Fall, mindestens 10.000 Schritte am Tag zu gehen. Das gelingt, indem man das Auto öfter einmal stehen lässt, Treppen statt Aufzug oder Rolltreppen benutzt oder am Abend noch einen längeren Spaziergang macht. Erfahrungsgemäß ist ein Schrittzähler, wie man ihn zum Beispiel in der Apotheke bekommt, eine nützliche Motivationshilfe.
Im Idealfall bewegt man sich an mindestens fünf Tagen in der Woche etwa eine halbe Stunde lang. Optimal ist eine Kombination von Sportarten, die sowohl die Ausdauer als auch die körperliche Kraft stärken. Günstige Ausdauersportarten sind Laufen, Nordic Walken, Radfahren oder Schwimmen. Für das Krafttraining eignen sich mäßige Übungen mit Gewichten, die gezielt einzelne Muskelgruppen aufbauen und somit den Grundumsatz erhalten bzw. fördern. Ohne Muskeltätigkeit keine Verbrennung der Kalorien! Faustregel: Die Intensität der Belastung ist richtig, wenn Sie leicht ins Schwitzen kommen und sich noch unterhalten können. Sie müssen sich also nicht völlig verausgaben.
Wer bislang keinen Sport getrieben hat, sollte sich zuvor unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Denn bei körperlicher Anstrengung braucht der Herzmuskel mehr Blut. Bei verengten Blutgefäßen kann es so passieren, dass das Herz nicht ausreichend versorgt ist. Diabetiker bemerken die Warnzeichen einer solchen Unterversorgung häufig nicht rechtzeitig, weil die Zuckerkrankheit die dafür verantwortlichen Nerven geschädigt hat. Eine sportmedizinische Untersuchung, gegebenenfalls mit einem EKG und einem Belastungs-EKG, schafft Sicherheit.
Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, Sport in einer ärztlich betreuten Gruppe (Herzsportgruppe), einer Diabetes-Sportgruppe oder Senioren-Sportgruppe zu treiben. Besprechen Sie die Möglichkeiten mit Ihrem Arzt; Informationen gibt es auch bei der Krankenkasse.
Trainingsübungen und Informationen zu einzelnen Sportarten, die gut bei Diabetes sind, finden Sie auf unseren Sport-Ratgeberseiten.
Für Menschen mit Diabetes gelten grundsätzlich dieselben Empfehlungen für eine gesunde Kost wie für Menschen ohne Diabetes.
Diabetiker dürfen Zucker verwenden. Der Anteil an der täglichen Kalorienzufuhr sollte zehn Prozent (rund 30 bis 50 Gramm) nicht überschreiten – versteckte Zucker, etwa in süßen Brotaufstrichen, Fruchtnektar und Konserven eingeschlossen.
Zuckerhaltige Getränke sollten Diabetiker vermeiden. Es sei denn, um eine Unterzuckerung zu behandeln. Der Grund dafür ist, dass der Zucker aus den Getränken sehr schnell ins Blut gelangt und zu Blutzuckerspitzen führt, die für die Gefäße schädlich sind. Zucker sollte generell möglichst in "verpackter" Form aufgenommen werden, das heißt in Verbindung mit Ballaststoffen und anderen Nährstoffen. So geht er langsamer ins Blut, es kommt nicht zu raschen Anstiegen.
Ballaststoffe bewirken, dass der Zucker langsamer ins Blut übertritt. Dadurch wirken sie "glättend" auf den Blutzuckerspiegel. Eine große Studie hat nachgewiesen, dass eine ballaststoffreiche Ernährung auch den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c günstig beeinflusst. Hinzu kommt, dass Ballaststoffe auch die Blutfettwerte verbessern und, da sie länger satt machen, beim Abnehmen helfen. Ballaststoffreiche Lebensmittel sollten daher reichlich auf dem Speiseplan stehen. Viel trinken unterstützt eine ballaststoffreiche Ernährung zusätzlich. So quellen die Ballaststoffe im Darm und können ihre positiven Eigenschaften entfalten.
Reichlich Ballaststoffe liefern zum Beispiel:
1 Portion Rosenkohl (200 Gramm): 9 Gramm
1 Portion Grünkohl (200 Gramm): 8 Gramm
1 Portion Möhren (200 Gramm): 7 Gramm
1 Portion Brokkoli (200 Gramm): 6 Gramm
1 Portion Blumenkohl (200 Gramm): 6 Gramm
2 mittelgroße Kartoffeln (160 Gramm): 4 Gramm
1 mittelgroße Birne: 4 Gramm
Eine ausführliche Zusammenstellung der Empfehlungen für eine gesunde Ernährung finden Sie in unserem Extra Gesund essen bei Diabetes, das von Spezialisten des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen verfasst worden ist.
Eine dauerhafte Gewichtsabnahme gelingt in der Regel nur, indem man seine Ernährung umstellt und sich regelmäßig bewegt. Beim Essen ist vor allem die Verringerung der Fettzufuhr wichtig. Durchschnittlich nimmt jeder Deutsche pro Tag 130 Gramm Fett auf – empfohlen sind aber nur 60 Gramm.
Auf fette Wurst und fetten Käse sollten Sie möglichst verzichten. Bei Milch und Milchprodukten fettreduzierte Varianten wählen. Bei der Zubereitung sind Öle mit einfach ungesättigten Fettsäuren, etwa Raps-, Oliven- oder Walnussöl zu bevorzugen. Essen Sie außerdem mindestens einmal pro Woche frischen Seefisch. Vor allem Lachs, Hering und Makrele liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren.
Ausführlichere Tipps zum Abnehmen gibt es in unserem Abnehm-Spezial.
Moderne Messgeräte und Stechhilfen machen die Blutzuckerkontrolle heutzutage sehr einfach. Trotzdem passieren dabei oft Fehler – viele davon unbewusst. Zum Beispiel können beschädigte Teststreifen das Messergebnis verfälschen, etwa weil sie nicht in der Originalpackung aufbewahrt wurden, sondern lose in der Hemdtasche. Oder man vergisst, sich vor dem Blutzuckermessen die Hände zu waschen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie beim Blutzuckermessen alles richtig machen, lassen Sie es sich von Ihrem Apotheker, Arzt oder Diabetesberater noch einmal erklären. Ausführliche Tipps finden Sie auch in unserem Ratgeber zur Blutzuckerkontrolle.
Nehmen Sie die Kappe von Ihrer Stechhilfe und setzen Sie eine neue Lanzette ein. Verwenden Sie jedes Mal eine neue Lanzette. Zum einen aus hygienischen Gründen. Außerdem wird die Nadel mit jedem Gebrauch stumpfer.
Nehmen Sie den Teststreifen aus der Packung und verschließen Sie diese sofort wieder. Führen Sie den Teststreifen in das Gerät ein. Wenn ihr Messgerät nicht automatisch codiert, prüfen Sie, ob der Code in der Anzeige mit dem auf der Streifenpackung übereinstimmt.
Setzen Sie die Stechhilfe seitlich (tut weniger weh!) an eine Fingerkuppe und betätigen Sie den Auslöser. Reicht die Blutmenge nicht, stellen Sie eine größere Stichtiefe ein.
Halten Sie den Blutstropfen vorsichtig an den ins Gerät eingelegten Streifen, sodass das Blut ins Testfeld eingesogen wird. Einige Geräte messen erst, wenn die Blutmenge ausreicht. Die meisten modernen Messgeräte brauchen nur eine winzige Blutmenge: zwischen 0,5 und 2 Mikroliter.
Dokumentieren Sie jeden Wert in Ihrem Blutzuckertagebuch – und nehmen Sie es mit, wenn Sie zu Ihrem Hausarzt oder Diabetologen gehen. Bei einigen Geräten lassen sich die gespeicherten Geräte einfach in den Computer übertragen.
Metformin ist das Standardmedikament bei Diabetes. Es kann bereits zum Zeitpunkt der Diagnose verschrieben werden oder wenn der Langzeitblutzuckerwert HbA1c drei bis sechs Monate nach der Diagnose noch immer über 6,5 Prozent liegt. Allerdings werden heute auch beim HbA1c individuelle Therapieziele angestrebt. Wenn eine Metformingabe nicht möglich ist, können andere Diabetesmedikamente (z.B: Acarbose, Sulfonylharnstoffe, DPP-4-Hemmer) verordnet werden. Bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion ist die Einnahme von Metformin nur bedingt möglich.
Die Kontrolle des HbA1c-Werts nach weiteren drei bis sechs Monaten entscheidet, ob die Therapie so bleibt oder ob sie weiter intensiviert werden muss.
Liegt der HbA1c beispielsweise nach drei bis sechs Monaten immer noch über 6,5 Prozent – aber unter 7,5 Prozent – ist eine Kombinationsbehandlung aus zwei Diabetesmedikamenten sinnvoll.
Liegt der HbA1c über 7,5 Prozent, sollte der Patient zusätzlich zu der Tablettengabe Insulin spritzen. Die Insulinmenge kann im weiteren Verlauf, je nach Qualität der Blutzuckerwerte, weiter steigen, bis die Blutzuckerwerte sich verbessert haben (siehe nächstes Kapitel: Insulin).
Studien haben gezeigt, dass der Diabetes möglichst rasch nach der Diagnose optimal eingestellt werden sollte, um Folgekrankheiten zu vermeiden. Deshalb empfehlen Ärzte Tabletten und Insulin heute schneller als früher.
Wirkstoff: Metformin
Wirkweise: Metformin (das einzige zugelassene Biguanid) verbessert die Insulinempfindlichkeit und die Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettgewebe. Außerdem hemmt Metformin die Glukose-Neubildung in der Leber und verzögert die Glukoseaufnahme aus dem Darm.
Wirkstoffe: z.B. Acarbose, Miglitol
Wirkweise: Alpha-Glucosidasehemmer hemmen das Enzym Alpha-Glukosidase, das im Dünndarm Kohlenhydrate aus der Nahrung zu Einfachzuckern abbaut. Dadurch verzögert sich der Übertritt von Zucker aus dem Darm ins Blut, der Blutzucker steigt nach den Mahlzeiten nicht so stark an. Eine negative Begleiterscheinung sind Blähungen. Wichtig ist der Beginn mit einer niedrigen Dosierung.
Wirkstoffe: z.B. Glibenclamid, Glimepirid, Glibornurid, Gliclazid, Glipizid, Gliquidon
Wirkweise: Sulfonylharnstoffe regen die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse an. Sie wirken daher nur, wenn die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert. Die häufigste Nebenwirkung ist ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen, insbesondere bei älteren Menschen kann dieses länger dauern. Eine regelmäßige Nahrungsaufnahme ist bei der Einnahme dieser Medikamente unerlässlich.
Wirkstoffe: Repaglinide
Wirkweise: Ähnlich wie die Sulfonylharnstoffe, mit denen sie entfernt verwandt sind, regen die Glinide die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse an. Ihre Wirkung setzt schneller ein und hält kürzer an als bei den Sulfonylharnstoffen. Sie können daher unmittelbar vor den Hauptmahlzeiten eingenommen werden. Entfällt eine Mahlzeit, lässt der Patient sie einfach weg. Dadurch ist auch das Unterzuckerrisiko geringer als bei den Sulfonylharnstoffen. Die Medikamentengruppe der Glinide ist nur in speziellen Situationen (Niereninsuffizienz) erstattungsfähig (Repaglinide).
Wirkstoffe: Pioglitazon, Rosiglitazon
Wirkweise: Glitazone verbessern die Insulinempfindlichkeit der Zellen. Insulin kann den Zucker somit besser aus dem Blut in die Zellen schleusen. Das Pioglitazon wird nur im Einzelfall (wenn eine ärztliche Begründung vorliegt) verordnet, Rosiglitazon wurde wegen unerwünschter Nebenwirkungen vom europäischen Markt genommen.
Wirkstoffe: Exenatid, Liraglutid
Wirkweise: Die Inkretin-Analoga wirken ähnlich wie das Darmhormon GLP-1 (siehe auch "Inkretin-Verstärker"). Der Körper baut sie aber langsamer ab. Diese Medikamente werden wie Insulin ins Unterhautfettgewebe gespritzt.
Wirkstoffe: Sitagliptin, Vildagliptin, Saxagliptin
Wirkweise: Die Inkretin-Verstärker in Tablettenform hemmen den Abbau des Darmhormons GLP-1 (die Darmhormone werden als "Inkretine" bezeichnet). GLP-1 regt die Insulinsekretion an, verzögert die Magenentleerung (früheres Sättigungsgefühl) und unterdrückt die Ausschüttung des Insulin-Gegenspielers Glukagon.
Viele Typ-2-Diabetiker spritzen regelmäßig Insulin. Diabetiker sollten eine Insulinbehandlung erwägen, wenn die Blutzuckerwerte trotz gesunder Lebensweise und Medikamenten nicht ausreichend sinken. In der Regel wird es Zeit für Insulin, wenn der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c – längere Zeit – nicht im individuell vereinbarten Zielwertbereich liegt.
Es gibt verschiedene Formen der Insulintherapie, die bei Typ-2-Diabetes infrage kommen. Welche Therapie für Sie die beste ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Für die Entscheidung spielen viele Faktoren eine Rolle: Sind nur die morgendlichen Nüchternwerte zu hoch, kann es genügen, abends ein langwirkendes Insulin zu spritzen. Wer vor allem nach dem Essen Blutzuckerspitzen hat, die er mit Tabletten nicht auffangen kann, profitiert möglicherweise von einer Insulintherapie, bei der er zu den Mahlzeiten ein schnell wirkendes Insulin spritzt.
Prinzip: Ergänzend zu Blutzucker senkenden Tabletten spritzen Betroffene einmal täglich morgens oder abends ein langwirkendes Insulin.
Geeignet: Vor allem für Typ-2-Diabetiker, bei denen die morgendlichen Nüchternwerte zu hoch sind.
Prinzip: Der Patient spritzt morgens und abends eine fixe Dosis Mischinsulin (schnell- und langwirkendes Insulin).
Geeignet: Vor allem für Typ-2-Diabetiker mit festen Ernährungsgewohnheiten und regelmäßigem Tagesablauf, die eine möglichst einfache Therapie wünschen.
Prinzip: Zu den Hauptmahlzeiten wird ein kurz wirkendes Insulin gespritzt.
Geeignet: Für Typ-2-Diabetiker, die vor allem nach dem Essen zu hohe Werte haben. Die SIT kann mit Tabletten kombiniert werden.
Prinzip: Betroffene spritzen zu jeder Mahlzeit ein kurz wirkendes Insulin. Den Grundbedarf deckt ein lang wirkendes Insulin, das man ein- oder zweimal täglich spritzt.
Geeignet: Für Typ-2-Diabetiker, die flexibel sein möchten und die Insulindosis selbstständig anpassen können und wollen.
Von einer Unterzuckerung spricht man in der Regel, wenn der Blutzucker unter 50 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise -2,7 Millimol pro Liter (mmol/l) sinkt. Normal sind Nüchternwerte um die 100 mg/dl.
Die häufigste Ursache einer Unterzuckerung sind falsche Dosierungen der oralen Diabetesmedikamente und von Insulin, auch körperliche Aktivität oder das Auslassen von Mahlzeiten. Besonders Medikamente aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe (Wirkstoffe z.B. Glibenclamid, Glimepirid, Gliclazid, Glibornurid) und der Glinide können Unterzuckerungen auslösen, da sie die Bauchspeicheldrüse anregen, Insulin auszuschütten, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen einschleust.
Unterzuckerungen infolge von Sulfonylharnstoff-Tabletten können sehr anhaltend sein. Das Risiko für eine Unterzuckerung ist geringer bei Metformin oder Medikamenten aus der Gruppe der Glitazone, Inkretinmimetika, DPP-4 Hemmer sowie bei kurz- und langwirksamen Insulinanaloga.
Auch Alkohol erhöht das Risiko von Unterzuckerungen, da Alkohol die Zuckerneubildung in der Leber hemmt. Die Zuckerspeicher in der Leber sind wichtig für die Grundversorgung des Körpers mit Traubenzucker. Alkohol am Abend kann daher zu einer nächtlichen Unterzuckerung führen.
Nach langjährigem Diabetes (das gilt aber vor allem für Menschen mit Typ-1-Diabetes) kann die Wahrnehmung der Unterzuckerungs-Warnzeichen gestört sein. Auch das erhöht das Risiko für Unterzuckerungen.
Schon bevor der Blutzucker in den kritischen Bereich fällt, kann sich ein sinkender Blutzuckerspiegel bemerkbar machen. Sinkt der Blutzucker unter einen Wert von etwa 70 mg/dl (3,9 mmol/l) beginnt der Körper zu reagieren, um den Blutzucker wieder zu erhöhen – sogenannte „Gegenregulationen“.
Zunächst drosselt der Körper die Insulinsekretion durch die Bauchspeicheldrüse. Sinkt der Blutzucker weiter, werden die Hormone Adrenalin und Glukagon ausgeschüttet, etwas später auch Wachstumshormone, Cortisol und Noradrenalin. Diese bewirken, dass die Leber gespeicherten Zucker ins Blut abgibt.
Frühe Symptome einer Unterzuckerung, die durch die Ausschüttung von Adrenalin bedingt sind, sind beispielsweise:
Zeichen eines Energiemangels im Gehirn sind:
Bei sehr tiefen Werten kann es zu folgenden Symptomen kommen:
Bei Diabetikern, deren Blutzuckerwerte seit langer Zeit unzureichend eingestellt sind, können diese Vorgänge schon vorher einsetzen. Etwa wenn die Blutzuckerwerte ansonsten um 100 bis 150 mg/dl (5,6 bis 8,3 mmol/l) liegen.
Im Rahmen einer Unterzuckerung können Betroffene sich selbst und andere gefährden (beispielsweise im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz).
Bei häufigem und schwerem Unterzuckerungen vor allem nach jahrelanger Diabetesdauer können möglicherweise Veränderungen der Hirnfunktionsleistung, z.B. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, auftreten.
Generell sollten Diabetiker Blutzuckerwerte unter 80 mg/dl (5,5 mmol/l) vermeiden.
Wenn Sie erste Anzeichen einer Unterzuckerung bemerken, sollten Sie ein bis zwei BE/KE schnell ins Blut gehende Kohlenhydrate zu sich nehmen. Beispielsweise zwei bis vier Plättchen Traubenzucker oder Flüssigzucker aus der Apotheke. Schnelle Kohlenhydrate sind (absteigend nach Wirkstärker geordnet):
Schokolade, Sahneeis etc. sind weniger geeignet, weil sie eher langsam wirken. Ihre Fette verzögern die Magenentleerung und damit auch die Aufnahme der Kohlenhydrate.
Diabetiker, die eine Therapie mit Unterzuckerungspotential durchführen, sollten immer drei bis vier BE/KE Traubenzucker mit sich führen und nachts neben dem Bett liegen haben.
Diabetiker, die Tabletten mit Wirkstoff Acarbose oder Miglitol einnehmen, verwerten Haushaltszucker und Stärke nur verzögert. Sie sollten bei Unterzucker deshalb immer zu Traubenzucker greifen.
Eine schwere Unterzuckerung ist ein Zustand, bei dem sich der Betroffene nicht mehr selbst helfen kann, sondern Fremdhilfe notwendig wird. Verliert ein Diabetiker im Rahmen einer schweren Unterzuckerung das Bewusstsein, darf man ihm keinesfalls etwas einflößen. Das könnte dazu führen, dass etwas in die Luftröhre gerät. Bei Bewusstlosigkeit sofort den Notarzt (112) verständigen. Der Arzt kann dem Betroffenen eine hochkonzentrierte Zuckerlösung spritzen, die die Unterzuckerung schnell beseitigt.
Diabetiker, die zu häufigen und schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit neigen, können sich ein Glukagon-Set verschreiben lassen. Glukagon ist ein Hormon, das den Blutzucker erhöht. Im Falle einer Bewusstlosigkeit können Familienangehörige, Freunde oder Kollegen, die über den Umfang mit dem Glukagon-Set informiert sind, dem Diabetiker eine Spritze in den Muskel oder eine Hautfalte setzen. Glukagon wirkt innerhalb von wenigen Minuten. Nach dem Aufwachen muss der Diabetiker zwei bis drei BE/KE schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen, damit der Blutzucker nicht erneut sinkt. Vor allem Unterzuckerungen, die durch Sulfonylharnstoff-Präparate bedingt sind, können bis zu mehreren Tagen anhalten, so dass eine stationäre Überwachung in der Klinik nötig sein kann.
Es gibt Hinweise darauf, dass schwere Unterzuckerungen das Risiko für Blutdruckkrisen, Herzrhythmusstörungen oder sogar einen plötzlichen Herzstillstand erhöhen. Daher sollte insbesondere bei älteren Diabetikern mit Herzproblemen die Diabetestherapie mit Augenmaß erfolgen (individuelle Zielwertbereiche) und der Blutzucker nicht zu aggressiv gesenkt werden. Schwere Unterzuckerungen sollten Diabetiker in jedem Fall vermeiden.
Dr. Young Hee Lee-Barkey, Diabetologin (DDG), ist Oberärztin am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen und leitet den Bereich Ernährungsmedizin.
www.diabetes-ratgeber.net / Diabetes Ratgeber, 11.01.2013