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Diabetesmedikament gegen Alzheimer?

Ein Diabetesmedikament könnte nicht nur gegen die Zuckerkrankheit, sondern auch Menschen mit Alzheimer helfen. Darauf deutet eine Studie aus Großbritannien hin

von Elena Zelle, 03.09.2021

Die britischen Forscher um Paul Edison hatten den Wirkstoff Liraglutid in ihrer Studie zwölf Monate lang an Alzheimer-Patienten getestet. Sie stellten fest: Die Teilnehmer, die das Medikament bekommen haben, hatten ein besseres Gedächtnis und ihr Hirnvolumen hatte weniger stark abgenommen als in der Kontrollgruppe.

Wie genau war die Studie aufgebaut?

Es handelt sich um eine randomisierte, doppel-blinde und Placebo-kontrollierte Studie – das bedeutet: Insgesamt nahmen 204 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz an der Studie teil und sie wurden zufällig (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeordnet. Eine bekam das Medikament, die andere ein Scheinmedikament (Placebo-kontrolliert). Weder die Teilnehmer noch die Studienleiter wussten, wer das Medikament und wer das Placebo bekam (doppelblind).

Zu Beginn und zum Ende der Studie absolvierten die Teilnehmer verschiedene Tests. Zum Beispiel wurde das Hirnvolumen gemessen, es wurde die kognitiven Fähigkeiten ermittelt und erfasst, wie gut die Teilnehmer ihren Alltag bewältigen können. Die Studie hat ergeben, dass nach zwölf Monaten sowohl das Hirnvolumen als auch die kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmer, die das Medikament bekommen hatten, besser waren als bei der Placebo-Gruppe.

Was hat Diabetes mit dem Gedächtnis zu tun?

Nun mag man sich fragen: Wie kamen die Forscher überhaupt darauf, ein Diabetesmedikament gegen Alzheimer zu testen? Wie genau Blutzucker und Gehirn zusammenhängen, ist noch nicht komplett erforscht. Aber bereits jetzt steht fest: Zu hohe oder zu niedrige Zuckerwerte beeinträchtigen das Gedächtnis. Zudem erkranken Menschen mit Diabetes häufiger an Demenz. Einer der Gründe dafür ist, dass ein erhöhter Blutzucker Gefäßverkalkungen mit sich bringen kann. Das beeinträchtigt die Durchblutung, was wiederum die Hirnleistung verschlechtern kann.

Die Studie zu Liraglutid ist eine der Phase IIb. In Studien der Phase II wird das Arzneimittel Patienten verabreicht. So soll die Dosierung ermittelt, Nebenwirkungen erkannt und festgestellt werden, ob das Medikament schädlich ist. Während es in Studien der Phase IIa vor allem um die Arzneimittelsicherheit geht, sollen solche der Phase IIb die Wirksamkeit, die Dosierung und die Sicherheit untersuchen.

Dieser Phase gehen in der Regel zunächst Tests mit sehr kleinen Dosierungen (Phase 0) sowie Untersuchungen mit gesunden Probanden (Phase I) voraus. Auch Liraglutid wurde mit Blick auf seine Wirkung bei Alzheimer zuvor in anderen Studien getestet. Vor der Zulassung eines Medikaments werden größer angelegte Studien durchgeführt (Phase III). Auch nach der Zulassung stehen neue Arzneimittel weiter auf dem Prüfstand (Phase IV).

Ob das Medikament also tatsächlich gegen Alzheimer wirkt, lässt sich heute – auch wegen der kleinen Gruppe an Studienteilnehmern – noch nicht sagen. Zu beachten ist außerdem, dass die Studie teilweise mit Geldern der Industrie gefördert wurde.


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