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Coronakrise: „Phil wartet im Auto, während ich arbeite“

Phil D. (10) aus Peine in Niedersachsen erhielt 2016 die Diagnose Typ-1-Diabetes. Hier erzählen seine Mutter Claudia D. (45) und er, wie sie den Alltag in Zeiten von Corona erleben

von Katja Töpfer, 07.04.2020
Pflegegrad

Phil und seine Mutter Claudia aus Peine in Niedersachsen


Claudia D.: "Ich arbeite im Außendienst für Medizinprodukte wie Blasenkatheter und Urinbeutel. Ich bin häufig in Pflegeheimen unterwegs. Mein Job ist es, bei Bewohnern, die nicht mehr auf die Toilette gehen können, Katheter zu setzen und diese regelmäßig zu wechseln.

Um die Menschen in den Pflegeheimen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, habe ich so viele Termine wie möglich abgesagt. Aber natürlich kann ich nicht alle absagen, die Patienten müssen ja versorgt werden.

Wenn ich beruflich unterwegs bin, kommt mein Sohn Phil mit. Denn mein Mann, der im Einkauf für Medizinprodukte arbeitet, geht weiterhin jeden Tag ins Büro.

Phils Blutzuckerwerte fahren seit einigen Wochen Achterbahn, mal ist der Zucker viel zu hoch, dann rauscht er in den Keller. Deswegen hat er Angst, alleine zu Hause zu bleiben, wenn ich arbeite. Da bleibt er lieber im Auto sitzen, während ich meine Patienten versorge.

Obwohl unser Familienalltag zwischen Homeschooling, Homeoffice, Haushalt, Diabeteskontrolle und Außendienst im Moment anstrengend ist, kommen wir ganz gut zurecht. Phil geht es gesundheitlich gut. Ich versuche, mir nicht zu große Sorgen zu machen.

Bei Kindern verläuft die Infektion mit dem Corona-Virus ja meist harmlos, auch, wenn sie Diabetes haben. Die Menschen in den Pflegeheimen, die mir bei meiner Arbeit begegnen, sind da viel gefährdeter.

Die Situation in den Heimen ist sehr bedrückend. Schon vor der Pandemie mussten zu wenige Pflegekräfte zu viele Menschen versorgen. Jetzt kommt hinzu, dass Masken und Schutzanzüge knapp werden, dass Pflegekräfte noch weniger Zeit für die Patienten haben oder krankheitsbedingt ganz ausfallen, dass die Einwohner keinen Besuch mehr von ihren Familien erhalten dürfen. Die Menschen zu sehen, die sich so alleine gelassen fühlen, und nichts tun zu können: Das macht mich traurig."

Phil D.: "Ich fahre sonst immer mit dem Fahrrad in die Schule, das geht jetzt nicht. Das finde ich blöd. Dass gerade keine Schule ist, finde ich nicht blöd, auch wenn mir manchmal schon langweilig ist. Schularbeiten mache ich am Esszimmertisch. Wenn ich bei einer Aufgabe etwas nicht verstehe, frage ich meine Mama oder meinen Papa. Wenn meine Eltern das nicht wissen, rufe ich meinen besten Freund Noel an. Wenn der nicht helfen kann, fragt er seine Mutter. Die ist Lehrerin. Die muss das können.

Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Ich wollte mit meinen Freunden im Kino feiern. Aber das ging ja nicht. Wir holen das nach, hat Papa gesagt. Dafür habe ich Spiele für meine Spielekonsole geschenkt bekommen. Und ganz viele Geburtstagskarten kamen mit der Post. Wegen Corona habe ich nicht so viel Angst. Aber ich freue mich schon, wenn es vorbei ist. Dann feiere ich meinen Geburtstag."


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