Diagnose Typ 1 bei Erwachsenen: "Häufiger als gedacht"

Warum die Erkrankung manchmal nicht erkannt wird

von Tina Haase, 24.09.2018
Nachdenklicher älterer Mann

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen als Erwachsene an Diabetes Typ 1 erkranken


Warum wird ein später Typ-1-Diabetes oft nicht gleich erkannt?

Weil ein Typ-2-Diabetes bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte viel wahrscheinlicher ist. Selbst die Ärzte der britischen Premier­ministerin Theresa May sollen deren Typ 1 anfangs für einen Typ 2 gehalten haben.

Wie viele Menschen erkranken als Erwachsene an Typ 1?

Es gibt keine verlässlichen Zahlen. Ich schätze, dass in Deutschland bis zu zehn Pro­zent der Erwachsenen mit vermeintlichem Typ 2 eine spät auftretende Form des Typ-1-Diabetes haben. Laut einer britischen Studie mani­festieren sich vier von zehn Typ-1-Diabetesfällen erst zwischen dem 31. und dem 60. Lebensjahr.

Bernd-M. Scholz

Wie stellen Sie den Diabetestyp bei Erwachsenen fest?

Anhand der Familiengeschichte und des Gewichts. Haben Mutter, Vater oder Geschwister Typ-2-Diabetes und ist der Betroffene übergewichtig, liegt es nahe, dass es sich um einen Typ 2 handelt. Gibt es keine Fälle in der Familie, ist der Patient schlank und spricht nicht auf blutzucker­senkende Tabletten an, testen wir das Blut auf bestimmte Antikörper. Sind sie vorhanden, handelt es sich um einen Typ 1.

Was passiert, wenn der Diabetestyp nicht richtig erkannt wird?

Das kann gefährlich sein. Wird ein Typ-1-Diabetiker nicht rechtzeitig mit Insulin behandelt, kann es zu einer schweren Überzuckerung mit Übersäuerung des Körpers kommen.

Lässt sich ein Typ-1-Diabetes, der im Alter auftritt, schwerer einstellen?

Häufig entwickelt sich die Krankheit bei Erwachsenen langsam, und es besteht noch eine Restfunktion der Bauchspeicheldrüse. Sie ist aber unberechenbar — das lässt die Werte oft stark schwanken.


Nachrichten zum Thema Diabetes

Handy

Aktuelle Nachrichten zum Thema Diabetes