Wie man Diabetes im Alter behandelt

Gute Blutzuckerwerte sind auch bei alten Diabetespatienten wichtig. Allerdings sieht die Therapie anders aus als bei jüngeren. Was Ältere wissen müssen

von Dr. Sabine Haaß, 07.10.2016

Altersdiabetes: Dieses Wort hören Ärzte heute gar nicht mehr gern, wenn von Typ-2-Diabetes die Rede ist. Aus verschiedenen Gründen. Natürlich trifft der Typ 2 vor allem ältere Menschen. Mehr als die Hälfte aller Diabetiker in Deutschland ist über 65 Jahre alt. In der Altersgruppe zwischen 75 und 80 hat sogar fast jede dritte Frau und jeder vierte Mann Diabetes. Aber auch in mittleren Lebensjahren und sogar bei Jugendlichen und Kindern wird die Krankheit heute immer häufiger diagnostiziert – eine Folge von Bewegungsmangel und Übergewicht.

Außerdem erweckt das Wort Alters­diabetes den Eindruck, im ­Alter sei Diabetes fast normal. "Das bisschen Zucker, das macht doch nichts", hieß es früher oft. Dabei steht längst fest: Die Zuckerkrankheit ist keine harmlose Begleiterscheinung des Älterwerdens, sondern eine ernst zu nehmende Krankheit. Deren Behandlung ist auch im hohen Alter wichtig, um die Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten.

Risiko für Nebenwirkungen höher

Doch im Alter verändert sich einiges, was bei der Behandlung berücksichtigt werden sollte. Zum Beispiel werden Medikamente bei älteren Menschen oft langsamer verstoffwechselt. Das beeinflusst ihre Wirkung und das Risiko für Nebenwirkungen. Etwa für Unterzuckerungen, wenn sich der Wirkstoff eines Zuckersenkers im Blut anhäuft.

Zudem schlucken alte Menschen meist viele verschiedene Tabletten – nicht nur gegen Dia­betes, sondern oft auch für bessere Blutdruck- oder Cholesterinwerte und gegen Krankheiten wie Arthrose oder Gicht. Im Durchschnitt nehmen über 80-Jährige sieben bis acht verschiedene Wirkstoffe ein, so der Arzneimittel­report der Barmer GEK. "Bei der Auswahl und Dosierung eines Medi­kaments muss der Arzt deshalb beachten, dass ältere Menschen besonders durch Wechsel- und Nebenwirkungen ­gefährdet sind", sagt Dr. Jürgen Wernecke, Chefarzt der Klinik für Diabetologie und der Medizinisch-Geriatrischen Klinik am Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg.

Hauptgefahr: Unterzuckerungen

Dass für die Diabetestherapie in fortgeschrittenen Jahren andere Richtlinien gelten sollten als bei jüngeren Menschen, darüber sind Experten sich seit Langem einig. Früher galt bei der Diabetesbehandlung im Alter oft die Devise: "Das kann man lockerer sehen – Spätfolgen schlechter Zucker­­werte erlebt man ja vielleicht gar nicht mehr …"

Inzwischen hat sich diese Einstellung geändert. Ein schlecht behandelter Diabetes mit ständig erhöhten Zuckerwerten kann älteren Menschen im Alltag stark zu schaffen machen. Vermehrter Durst, häufiger Harndrang (weil überschüssiger Zucker über die Nieren ausgeschieden wird), Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder schlecht heilende Wunden sind nur einige mögliche Folgen.

Auf der anderen Seite gilt es aber, Unterzuckerungen zu vermeiden. Denn diese stellen für ältere oder hochbetagte Menschen die größte Gefahr dar: Das Risiko für Unfälle und Stürze steigt, die Gehirnleistung lässt nach, und auch das Herz ist gefährdet, weil der Körper im Stress der Unterzuckerung Botenstoffe ausschüttet, die Puls und Blutdruck in die Höhe treiben. Zudem bemerken alte Menschen Unterzuckerungen oft nicht rechtzeitig oder schieben Warnzeichen wie Zittern, Schwindel und Herzklopfen auf ihr Alter.

So bleiben Sie im Alter gesund


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