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Schutz für die Abwehr

Das Immunsystem beseitigt Krankheitserreger und schadhafte Körperzellen. Bei seinem Einsatz für die Gesundheit können Sie es gezielt unterstützen

von Alexandra von Knobloch, 20.05.2019
Kneippguss

Ein kalter Knieguss stärkt das Immunsystem


Was macht Diabetes mit dem Immunsystem?

"Diabetes schwächt das Immunsystem", sagt Professor Dr. Lothar Rink, Leiter des Instituts für Immunologie an der Uniklinik der RWTH Aachen. Der Grund: Bei hohen Blut­zuckerwerten sind Haut und Schleimhaut trockener und oft schlechter durchblutet. Über eine geschwächte Hautbarriere können Krankheitserreger dann leichter in den Körper eindringen und sich dort vermehren. Zudem bedingt ein anhaltend zu hoher Zuckerspiegel eine chronische Entzündungsreaktion im Körper. All das strapaziert die Abwehr. Bei einer akuten Infektion etwa kann das Immunsystem seine Aktivität kaum noch schnell genug steigern, um Krankheitserreger unschädlich zu machen. Gezielte Reize, etwa Kälte oder anstrengender Sport, stacheln das Immunsystem an.

Wichtig: Bei einer akuten Infektion darf man sich aber keinesfalls sportlich betätigen.

Was bewirken Kneippgüsse?

"Beenden Sie jede Dusche mit einem kalten Knieguss", rät Dr. Joachim Schulz, Haus- und Badearzt in Bad Malente. Dafür den Wasserstrahl — mit einer Temperatur von 8 bis 18 Grad — an der Rückseite des rechten Beines bis über das Knie hochführen, dann an der Vorderseite wieder hinunter zum Fuß. Danach ist das linke Bein dran. "Der Kältereiz löst immunfördernde Reaktionen aus", erklärt Schulz, der auch Mitglied im Vorstand des Kneippärztebundes ist. Die Effekte stellen sich aber erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Anwendung ein. Vor dem Kältekontakt müssen die Füße warm sein.

Wichtig: Bei Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Bluthochdruck nur mit ärztlicher Erlaubnis kneippen.

Einfluss Essen Vitalität

Sorgt Bewegung für Immunfitness?

Bewegung bringt das Immunsystem auf Trab: Sie regt u.a. den Blut- und Lymphfluss an und damit die Zirkulation von Immunzellen. "Um die Lymphflüssigkeit einmal aktiv durch die Beine zu den Lymphknoten an der Leiste zu transportieren, muss man etwa 30 Minuten am Stück gehen", sagt Immunologe Lothar Rink. Ideale Ergänzung zum täglichen Spaziergang: sich einmal in der Woche richtig anstrengen. "Das setzt Reize, welche bei regelmäßigem Training die Abwehrbereitschaft erhöhen", sagt Rink. Zudem hilft Bewegung beim Abbau von Körperfett. Dann entstehen auch weniger entzündungsfördernde Signalstoffe, was sich günstig auf die Immunabwehr auswirkt.

Welchen Einfluss hat das Essen?

Für eine funktionierende Abwehr benötigt der Körper Nährstoffe in ausgewogener Zusammensetzung. Wer abwechslungsreich isst, z. B. eine mediterrane Mischkost, nimmt ausreichend Mikronährstoffe auf: Mineralstoffe wie Eisen, Zink oder Kupfer und Vitamine. Lediglich für die Bildung von Vitamin D benötigen wir auch Sonne. Evtl. mit dem Arzt besprechen, ob ein Mangel besteht. Vor allem fette Kaltwasserfische wie Lachs, Hering oder Makrele und pflanzliche Fette, etwa Raps- oder Walnussöl, enthalten viel Omega-3-Fettsäuren. Sie liefern entzündungshemmende Botenstoffe und unterstützen so die Immunabwehr

Spezielle Impfungen bei Diabetes?

Wer Diabetes hat, sollte sich gegen Pneumokokken und regelmäßig gegen Grippe impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO). Der Grund: Die chronische Krankheit erhöht die Infektanfälligkeit. Außerdem erkranken Diabetiker häufig schwerer und sterben öfter an Grippe oder Pneumokokken als Menschen ohne Diabetes. Den besten Impfzeitpunkt mit dem Arzt besprechen!

Singen zur Abwehr

Singen oder beten?

Sei es Beten, Singen oder Lachen: All das hat Studien zufolge eine immunstimulierende Wirkung. Der gemeinsame Nenner: "Alles, was uns zufriedener macht, dient der Gesundheit", erklärt Stoffwechselexperte Nawroth. Wer Freude am Singen hat, sollte es tun. Weniger Musikinteressierte setzen auf ein anderes Wohlfühlprogramm. Ein Tipp aus der Wissenschaft: soziale Kontakte pflegen, etwa Begegnungen und gemeinsame Mahlzeiten mit Freunden, Bekannten und Familie.

Warum Hände waschen?

Wasser, Seife und mindestens 20 Sekunden Reinigung unter fließendem Wasser: So geht Händewaschen richtig. Es hält einem Keime vom Leib und ist eine ebenso einfache wie wirksame Maßnahme zum Schutz vor Infektionen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommt es nicht darauf an, die Hände möglichst oft zu reinigen, sondern zur richtigen Zeit: etwa wenn man nach Hause kommt, nach dem Toilettengang, vor dem Kochen, vor dem Schminken, nach Tierkontakt sowie nach dem Schnäuzen und Niesen.

 Infekt durch Stress?

"Dauernder Stress begünstigt Infektionen", sagt Diabetesforscher Professor Dr. Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Entspannung hilft, mit Belastungen besser umzugehen. Zusammen mit genügend Schlaf halten Yoga (s. Seite 74) oder autogenes Training immundämpfende Hormone wie Adrenalin und Cortisol im Zaum. "Wie viel Schlaf jemand benötigt, ist individuell", sagt Nawroth. "Wer aber unter Schlafstörungen leidet, sollte mit dem Arzt sprechen."