Leitungs- oder Mineralwasser: Was ist besser?

Kann man unser Leitungswasser problemlos trinken? Und ist Mineralwasser wirklich gesünder? Eine kleine Wasserkunde

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 23.07.2018
Glas Wasser

Kühle Erfrischung: Deutsches Leitungswasser lässt sich meist problemlos trinken


Zwanzig Euro für eine Flasche exotisches Edelwasser? In manchen Spitzen-Restaurants ist das nicht ungewöhnlich. Dafür hat das Wasser, das oft auch noch in edlen Designerflaschen gereicht wird, meist eine weite Reise hinter sich, stammt etwa aus kanadischem Gletschereis oder pazifischem Urwaldboden. Im Supermarkt um die Ecke zahlt man dagegen oft nur Centbeträge für eine Flasche Wasser aus heimischen Quellen. Und am günstigsten kommt es aus der Leitung.

Aber wie ist das eigentlich mit den Qualitätsunterschieden? Ist Leitungswasser tatsächlich ebenso gut und gesund wie Wasser aus dem Supermarkt? Und wie viel besser sind dagegen die teuren Luxuswässer aus der Edelgastronomie?

Deutsches Leitungswasser hat sehr gute Qualität

Für welches Wasser man sich entscheidet, ist vor allem Geschmackssache. Wer nur seinen Durst löschen möchte und keinen Wert auf bestimmte Inhaltsstoffe legt, kann sich getrost aus dem Wasserhahn bedienen. Das Umweltbundesamt bescheinigt dem deutschen Leitungswasser eine sehr gute Qualität. Es unterliegt schließlich auch strengen Auflagen und darf zum Beispiel nur äußerst geringe Mengen bestimmter Schadstoffe, etwa von Pestiziden, enthalten.

Leitungswasser enthält verschiedene Mineralstoffe, deren Mix sich je nach Region unterscheidet. "Über die genaue Zusammensetzung kann man sich bei den örtlichen Wasserversorgern infor­mieren", sagt Julia Carstens vom Forum Trinkwasser. Diese machen häufig auch auf ihren Internetseiten Angaben zu Mineralstoffgehalt und Ähnlichem.

500 heimische Mineralwässer: Die Qual der Wahl

Wer möchte, kann in Deutschland zwischen rund 500 heimischen Mineralwässern wählen. Dazu kommen noch knapp 50 ausländische Mineralwässer sowie etliche Quell-, Tafel- und Heilwässer.

Natürliches Mineralwasser stammt aus unterirdischen Vorkommen. Es entsteht aus Regenwasser, das über viele Jahre durch Erd- und Gesteinsschichten sickert. Auf seiner Reise in den Untergrund wird es nicht nur gereinigt und gefiltert, sondern es reichert sich auch mit Mineralstoffen und Spurenelementen an. "Welche und wie viele das sind, hängt von den Böden und Gesteinen der jeweiligen Region ab", weiß Anja Krumbe von der Informationszentrale Deutsches Mineralwasser. Deswegen gleicht kein Mineralwasser dem anderen – auch nicht im Geschmack.

Viele Wässer enthalten von Natur aus Kohlensäure, allerdings oft so wenig, dass noch Kohlensäure zugesetzt wird, um den prickelnden und frischen Geschmack zu verstärken. Weitere Zusatzstoffe sind übrigens nicht erlaubt.

Mineralwasser: Inhaltsstoffe lassen sich auf dem Etikett nachlesen

Damit sich ein Wasser Mineral­wasser nennen darf, benötigt es eine amtliche Anerkennung. Eine Voraussetzung dafür: Es muss einen gleichbleibenden Gehalt an Mineralstoffen aufweisen. Die Konzentration der wichtigsten Inhaltsstoffe kann man bei Mineralwasser auf dem Etikett nachlesen. Wer etwa ein Wasser mit viel Magnesium oder Kalzium möchte, sollte auf die Angaben "Kalzium-" oder "Magnesiumhaltig" achten. Mineralwässer mit dem Hinweis "Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" erfüllen besonders strenge Grenzwerte, zum Beispiel für den Gehalt an Natrium und Nitrat.

Natriumarmes Wasser bietet sich vor allem für Menschen mit Bluthochdruck an, die vom Arzt angehalten wurden, ihren Kochsalzkonsum einzuschränken, weil Salz Wasser im Körper bindet und so den Blutdruck erhöhen kann.

Heilwasser: Gesundheitlicher Nutzen muss nachgewiesen sein

Als "Heilwasser" dürfen Mineralwässer etikettiert werden, die nachweislich bei bestimmten Gesundheitsproblemen helfen. So kann etwa ein Heilwasser mit viel Kalzium dazu beitragen, Osteoporose (Knochenschwund) vorzubeugen. Ein hoher Sulfatgehalt wiederum kann Verstopfung entgegenwirken und Hydrogencarbonat kann dabei helfen, Sodbrennen zu lindern.

Wegen ihrer gesundheitsfördernden Wirkungen gelten Heilwässer als Arznei­­mittel und brauchen eine entsprechende Zulassung. Auf dem Etikett von Heilwasser findet man Angaben dazu, bei welchen Gesundheitsproblemen es helfen kann und wie viel man dann jeweils trinken sollte.

Noch mal zurück zum Blutdruck: Manche Heilwässer enthalten zwar viel Natrium, allerdings meist in Verbindung mit Hydrogencarbonat (NaHCO3). Diese Kombination kann, anders als Natrium-Chlorid (Kochsalz; NaCl), den Blutdruck nicht erhöhen, sodass man es unbesorgt trinken kann.

Tafelwasser: Aus verschiedenen Wässern hergestellt

Keine heilende Wirkung, nur einen edlen Namen, hat das Tafelwasser. Tafelwasser ist ein industriell gemischtes Produkt aus verschiedenen Wässern, zum Beispiel aus Leitungs- und Meerwasser. Es kann Zusätze wie Kochsalz und andere Mineralsalze enthalten. Im Restaurant wird es überlicherweise "gezapft" und im Glas serviert. Mineralwasser darf dagegen nur in der original verschlossenen Flasche an den Tisch gebracht werden.

Und die teuren Luxuswässer? "Aus gesundheitlicher Sicht haben sie keine Vorteile", sagt Ernährungswissenschaftlerin Anja Krumbe. Der hohe Preis liegt auch am edlen Design der Flaschen – und nicht zuletzt daran, dass diese um die halbe Welt verschifft wurden. Heimisches Wasser, egal ob aus dem Hahn oder aus der Flasche, schont also nicht nur den Geldbeutel. Sondern auch die Umwelt.

Tipps für den Umgang mit Wasser

  • Geschützt lagern: Wasserflaschen vor Sonnenlicht, Feuchtigkeit und Frost geschützt lagern. In Glasflaschen hält Wasser ungeöffnet mindestens zwei Jahre, in Plastikflaschen etwa halb so lang. Das Wasser ist danach zwar noch trinkbar. Aus PET-Flaschen kann aber mit der Zeit Kohlensäure entweichen, sodass es weniger frisch schmeckt. Plastikflaschen lassen auch starke Gerüche durch. Also nicht neben Zwiebeln oder in einen muffigen Keller stellen.

 

  • Laufen lassen: Leitungswasser, das länger als vier Stunden in den Leitungen gestanden hat, sollte man kurz ablaufen lassen, bis es gleichbleibend kühl aus dem Hahn kommt. So werden Substanzen, die sich aus der Leitung gelöst haben könnten, oder eventuelle Keime ausgespült.

 

  • Genug trinken: Erwachsene sollten über den Tag verteilt etwa 1,5 Liter Wasser trinken, an heißen Tagen oder wenn man viel schwitzt, mehr. Auf Vorrat trinken funktioniert nicht.

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