Was bei Blähungen hilft

Im Magen-Darm-Trakt bilden sich Gase. Das ist ganz natürlich, kann aber auch unangenehme Winde verursachen. Welche Hausmittel gegen Blähungen helfen

von Sabine Lotz, 20.12.2017
Frau trinkt Tee

Kräutertees können Blähungen entgegenwirken


Die Blähungen von Babys sind ein beliebter Gesprächsstoff, die von Erwachsenen werden totgeschwiegen. Denn über den Darm hör- oder gar riechbare Gase abzugeben, verstößt gegen die gesellschaftliche Etikette. Dabei sind Blähungen eine natürliche Körperaktivität.

Für Gastroenterologen sind sie ohnehin kein Tabuthema. "Etwa jeder dritte Patient klagt über häufige Blähungen", so Dr. Wilhelm Höchter. Nach Erfahrung des Münchner Facharztes für Gastroenterologie leiden viele der Betroffenen unter einem sogenannten Reizdarm – einem Beschwerdebild, das unter anderem mit Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall, unregelmäßigem Stuhlgang, Völlegefühl und Blähungen einhergehen kann. Als Auslöser der Symptome werden unter anderem psychische Belastungen vermutet.

Lebensmittel-Unverträglichkeiten

Eine ebenfalls sehr verbreitete Blähungsursache: Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, allen voran die Laktoseintoleranz. Von ihr sind rund 15 bis 20 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen. Dem Körper mangelt es dabei an Laktase, dem Enzym, das den Milchzucker (Laktose) aufspaltet. Auch eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit (Fruktoseintoleranz) kann Blähungen verursachen.

Auch manche ältere Menschen leiden unter Blähungen. Das kann daran liegen, dass mit den Jahren die Effektivität der Verdauungsvorgänge nachlässt: Die Zähne können das Essen schlechter zerkleinern, die Produktion von Magensäure geht eventuell zurück, der Darm wird träger. Speziell Menschen mit Diabetes leiden in fortgeschrittenem Alter oft unter ausgeprägten Motilitätsstörungen der Verdauungsorgane. "Das bedeutet, dass sich Magen und Darm nicht mehr optimal bewegen und ihr Inhalt verzögert weitertransportiert wird", sagt Höchter. "Die Folge sind unter anderem Bakterienwucherungen im Dünndarm und damit eine vermehrte Gasbildung."

Essgewohnheiten können Blähungen fördern

Sicherheitshalber sollte man zunehmende oder massive Blähungen vom Arzt abklären lassen. Denn: Manchmal können Blähungen Begleiterscheinung einer Erkrankung sein. Einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse etwa, einer Infektion mit Parasiten oder aber von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Doch: "In den meisten Fällen", so Gastroenterologe Höchter, "sind Blähungen schlicht Folge individueller Lebensumstände und Lebensgewohnheiten." Seiner Erfahrung nach haben dabei hauptsächlich folgende Faktoren einen großen Einfluss:

1. Essensvorlieben

Wer gern Rohkost und Körner isst, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte sowie Zwiebeln und ihre Verwandten liebt, muss mit vermehrten Blähungen rechnen. Denn die unverdaulichen Bestandteile dieser Lebensmittel werden vor dem Ausscheiden aus dem Körper von Bakterien bearbeitet. Dabei geschehen Gärungsvorgänge, die Gase freisetzen.

Das hilft:

  • Wer Ballaststoffe nicht gewohnt ist, sollte den Anteil im Essen langsam steigern und dabei gründlich kauen. Nicht auf die Pflanzenfasern verzichten – gerade bei Diabetes haben sie viele Vorteile
  • Das tägliche Essen auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilen und große Menüs, vor allem abends, meiden 
  • Entblähende Tees mit Pfefferminze, Anis, Kümmel und Fenchel trinken
  • Eventuell, wenn sonst nichts hilft, in der Ernährung konsequent auf Lebensmittel mit hohem Fodmap-Anteil verzichten. Die englische Abkürzung Fodmap steht für vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole. Diese Stoffe kommen unter anderem reichlich in bestimmten Gemüsen, Obst und Getreideprodukten vor. Zu den Lebensmitteln mit niedrigem Fodmap-Anteil gehören zum Beispiel Bambussprossen, Sellerie, Paprika.

2. Essgewohnheiten

"Mit vollem Mund spricht man nicht" – diese Tischregel hat einen handfesten medizinischen Hintergrund. Denn wer gleichzeitig isst und spricht, schluckt mit dem Essen oft auch viel Luft hinunter, die dann vom Magen in den Darm gelangt und sich dort als Blähungen bemerkbar macht.

Das hilft:

  • Langsam essen
  • Beim Kauen und Schlucken nicht reden
  • Zum Essen nichts Kohlensäurehaltiges trinken
  • Speisen und Getränke nacheinander zu sich nehmen und nicht das eine mit dem anderen hinunterspülen

3. Arzneimittel

Manche Medikamente verursachen Blähungen. Besonders bekannt dafür sind Antibiotika, weil sie die Darmflora durcheinanderbringen können, sowie die bei vielen Diabetikern eingesetzten Alpha-Glukosidasehemmer.

Das hilft:

  • Den behandelnden Arzt fragen, ob man blähungsfördernde Medikamente durch andere ersetzen kann

4. Bewegungsmangel

Wer viel sitzt, neigt oft zu Blähungen. Denn in der abgeknickten Körperhaltung auf Stuhl und Sessel können Darmgase schlechter entweichen.

Das hilft:

  • Immer wieder aufstehen, herumlaufen, eine Runde ums Haus drehen
  • Regelmäßig Sport treiben

5. Psyche

Stress und seelische Belastungen können sich nicht nur auf den Magen schlagen, sondern auch die Darmtätigkeit beeinträchtigen und Blähungen fördern.

Das hilft:

  • Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation, Autogenes Training
  • Genug schlafen
  • Beruflich eventuell kürzer treten
  • Unter Umständen psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen

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