Was für ein Patienten-Typ bin ich?

Unser Test verrät, wie Sie Ihren Arzt sehen – und liefert Tipps für den nächsten Praxisbesuch

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 02.03.2017

Hobbymediziner oder Ärzte-Hopper: Wie sieht es bei Ihnen aus?


Welcher Patienten-Typ sind Sie?

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Was denken Sie als Erstes, wenn Sie die Arztpraxis betreten?

Der Angsthase

Diabetes und Krankheit? Schon wenn Sie solche Wörter hören, wird Ihnen flau. Im Wartezimmer trifft man Sie häufig, weil Sie schnell etwas Ernstes befürchten.

Ihr Problem: Vor lauter Aufregung können Sie sich nicht auf das Gespräch konzentrieren. Sie tendieren dazu, jede Auffälligkeit als Schreckensmeldung zu interpretieren.

Das rät Experte Professor Thomas Kühlein vom Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Erlangen: "Mal ehrlich: Warum haben Sie so große Angst? Natürlich sollte man den Diabetes ernst nehmen. Mit der richtigen Therapie können Sie aber uralt werden. Gegen Sorgen und Bedenken hilft Information. Fragen Sie Ihren Arzt genau, was Sie beachten müssen, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Machen Sie sich bei einem nicht ganz optimalen Untersuchungswert klar: Auch bei Gesunden schwanken Werte wie Blutzucker und Blutdruck, das ist völlig normal.Die Diabetesschulung in der Gruppe ist eine gute Möglichkeit, unnötige Ängste abzulegen."

 

Der Hobbymediziner

Man nennt Sie auch "Dr. Google"! Keine medizinische Website ist vor Ihnen sicher, es gibt kein Symptom, das Sie nicht online recherchieren. Ihre Internet-Fundstücke präsentieren Sie dann dem Arzt. Mal sehen, wer sich besser auskennt!

Ihr Problem: Wenn Sie sich schlauer geben als der Arzt, könnte das Ihrem Gegenüber auf die Nerven gehen. Und: Nicht jede Information im Web ist seriös!

Das rät Experte Kühlein: "Viele Mediziner wünschen sich einen mündigen Patienten. Schließlich treffen idealerweise Arzt und Patient gemeinsame Entscheidungen. Aber: Seriöse Quellen und aktuelle Fakten sind im Netz oft schwer auszumachen.
Ich rate deshalb, unter den gängigen Nationalen Versorgungsleitlinien zum speziellen Krankheitsbild nach den sogenannten Patientenleitlinien zu suchen, bei Diabetes unter www.leitlinien.de/nvl/diabetes. Auch das Portal www.gesundheitsinformation.de kann ich ohne Einschränkungen empfehlen."

 

Der Verdränger

Diabetes – war da was? Am liebsten würden Sie sich mit der Diagnose gar nicht auseinandersetzen. Könnte ja bedeuten, dass Sie sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten trennen müssen.

Ihr Problem: Die Vogel-Strauß-Taktik erschwert die Zusammenarbeit mit dem Arzt.

Das rät Experte Kühlein: "Hinter Verdrängung steckt oft Angst, etwa davor, den Genuss einschränken zu müssen. Dennoch bringt es nichts, die Krankheit zu ignorieren. Ich ziehe deshalb immer den Begriff der ‚artgerechten Lebensführung‘ heran und erkläre: Wir sind alle Säugetiere. Ursprünglich waren weder Sahnetorten noch stundenlanges Sitzen in unserem evolutionären Programm vorgesehen. Wer sich das bewusst macht, dem fällt es vielleicht leichter, zu einem gesünderen Lebensstil zu finden. In kleinen Schritten Risikofaktoren minimieren – das ist mithilfe des Arztes für jeden ohne große Einbußen der Lebensqualität möglich."

 

Der Ehrfürchtige

Was Ihr Arzt Ihnen rät, machen Sie ungefragt. Sie haben riesigen Respekt vor seinem Wissen. Und fürchten insgeheim, dumme Fragen zu stellen oder getadelt zu werden.

Ihr Problem: Vor lauter Gehorsam vergessen Sie manchmal Ihre eigenen Bedürfnisse und nehmen Ratschläge an, mit denen Sie sich eigentlich nicht wohlfühlen – oder die Sie nicht verstehen.

Das rät Experte Kühlein: "Bitte machen Sie sich bewusst: Jeder Mediziner ist daran interessiert, ein Vertrauensverhältnis zu Ihnen aufzubauen. Ein Arzt ist kein Oberlehrer, der langweilige Vorlesungen halten möchte oder Wissen abfragt. Betrachten Sie es so: Sobald Sie die Praxis verlassen, sind Sie eigenverantwortlich für Ihr Leben. Der Arzt hilft Ihnen sozusagen dabei, zum Experten für Ihre eigene Gesundheit zu werden, indem er sein Wissen weitergibt. Trauen Sie sich deshalb ruhig nachzufragen. Mit etwas Übung klappt das bald auch ohne Überwindung."

 

Der Ärzte-Hopper

Ihre Devise: Irren kann jeder – da ist es doch besser, mehrere Meinungen zu kennen, oder? Erst recht, wenn es um die eigene Gesundheit geht!

Ihr Problem: Je mehr Ansprechpartner Sie aufsuchen, desto eher verlieren Sie und Ihre Ärzte den Überblick.

Das rät Experte Kühlein: "Ich persönlich halte Ärzte-Hopping für teuer, unnötig und gefährlich. Je länger die Ärzteliste, desto weniger fühlt sich der einzelne Mediziner für das Wohl des Patienten verantwortlich. Und oft geht wertvolle Zeit verloren, sodass sich Symptome verschlimmern. Geben Sie Ihrem Hausarzt deshalb bei aller Skepsis die Chance, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Er wird Ihnen sicher nicht verweigern, mal eine zweite Meinung einzuholen. Aber auf lange Sicht kann ein Arzt, der Ihre Krankengeschichte jahrelang begleitet, am besten einschätzen, was Ihnen guttut. Und Ihnen auch die richtigen Fachärzte empfehlen."

Professor Dr. Thomas Kühlein hat in Erlangen den Lehrstuhl für Allgemeinmedizin inne


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