Macht Insulin dick?

Nach Beginn einer Insulintherapie können Menschen mit Diabetes an Gewicht zulegen. Mit den richtigen Gegenmaßnahmen lässt sich das aber oft vermeiden
von Stephan Soutschek, 21.09.2016

Insulinpen: Der Körper kann Zucker nach Therapiebeginn wieder besser verwerten

W&B/Schneider & Sporrer

Viele Menschen mit Diabetes fürchten, als Folge einer Behandlung mit Insulin zuzunehmen. Diese Sorge ist tatsächlich nicht völlig unberechtigt. "Etwa die Hälfte der Patienten nimmt nach dem Wechsel zu", sagt Professor Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie an der Uniklinik Freiburg.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass bei vielen der Zeiger auf der Waage nicht wandert. Und bei denen, die an Gewicht zulegen, gibt es eine große Spannbreite. Viele bringen nur ein bis zwei Kilogramm mehr auf die Waage.

Insulintherapie: Körper kann Zucker wieder verwerten

Mehrere Faktoren können begünstigen, dass Betroffene zu Beginn einer Insulintherapie erst einmal an Gewicht zulegen. Zum einen bewirkt Insulin, dass der Körper den Zucker in den Blutbahnen wieder besser verwerten kann. Dabei wird ein Teil davon nicht in die Zellen weitergeleitet, um den akuten Energiebedarfs abzudecken, sondern in Form von Fettgewebe gespeichert.

"Dazu kommt, dass der Organismus bei erhöhten Werten den überschüssigen Zucker im Blut über den Urin auszuscheiden versucht", sagt Dr. Winfried Keuthage, Diabetologe und Ernährungsmediziner aus Münster. Bessert sich dank des Insulins der Zuckerhaushalt wieder, sondert der Körper wieder weniger Flüssigkeit ab. Das kann sich auf der Waage bemerkbar machen. Und schließlich besitzt das Hormon Insulin selbst noch Eigenschaften, die eine Gewichtszunahme fördern können.

Was Patienten selbst tun können

Trotz dieser drei Gründe nehmen Diabetespatienten keineswegs zwangsläufig im Zuge einer Insulinbehandlung zu. Wichtig ist in dieser Phase vor allem, auf ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung zu achten.

Oft behalten Patienten nach dem Umstieg auf Insulin ihre bisherigen Essensgewohnheiten bei. Der Körper kann die zugeführte Energie aber auf einmal effektiver nutzen. Er verfügt dadurch über mehr Energie, als er benötigt, und legt den Überschuss als Reserve an. Etwa zehn bis 20 Prozent weniger Kalorien sollten Patienten bei Beginn einer Insulintherapie zu sich nehmen, nennt Seufert als Richtwert. Gegebenenfalls kann ene Ernährungsberatung sinnvoll sein.

Lang wirkende Insuline verringern Gefahr der Gewichtszunahme

Daneben kann der Arzt mit der Auswahl des Therapieschemas das Risiko einer Gewichtszunahme verringern. Eher günstig unter diesem Gesichtspunkt sind Behandlungsschemata mit lang wirksamen Insulinen, zum Beispiel eine basal unterstützte orale Therapie (BOT). Bei dieser Kombinationstherapie spritzt der Patient zusätzlich zu seinen Tabletten einmal täglich ein lang wirkendes Insulin.

Insulintherapie nicht aufschieben

Wer fürchtet, im Zuge der Insulinbehandlung zuzunehmen, spricht am besten seinen Arzt auf diese Sorgen an. Gemeinsam lassen sich dann das im Einzelfall passende Therapieschema sowie geeignete Gegenmaßnahmen finden. "Die Angst vor einer Zunahme sollte aber nie ein Grund sein, um eine Insulintherapie aufzuschieben", sagt Seufert. Zwar ist gerade bei Typ-2-Diabetes der Abbau von Übergewicht wichtig, um den Stoffwechsel zu verbessern. "Doch im Zweifelsfall sind zu hohe Blutzuckerwerte immer schädlicher als ein paar Kilogramm mehr", so der Diabetologe.

Wieder mehr Energie

Kurz- und mittelfristig können Patienten eine Gewichtszunahme oft vermeiden, wenn sie ihr Verhalten entsprechend anpassen. Langfristig kann die Insulintherapie sogar beim Abnehmen behilflich sein: "Bei hohen Zuckerwerten fühlen Betroffene sich meist müde", sagt Keuthage. "Bessert sich das dank Insulin, fällt es ihnen leichter, wieder aktiv zu sein." Sie haben dann – im Wortsinne – wieder mehr Energie zur Verfügung.


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