Sieben Vorurteile gegen Insulin

Kaum einer Therapie wird mit so vielen Vorurteilen begegnet wie der mit Insulin. Aber stimmen sie überhaupt? Hier sind die Fakten

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 23.02.2017
Insulin spritzen

Ein Piks in den Oberschenkel tut meist nicht wirklich weh


1. Spaß am Essen? Jetzt nicht mehr ...

Die Insulintherapie wird auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Wer zum Beispiel trotz Diabetes-Tabletten nach dem Essen immer zu hohe Zuckerwerte hat, kann das mit schnell wirkendem Insulin verhindern – und wird dadurch sogar "freier" beim Essen. Freilich muss man trotzdem auf die Kalorien achten!

2. Dann hänge ich für immer an der Nadel!

Manchmal gibt es auch einen Weg zurück zu "nur" Tabletten. Etwa weil man es geschafft hat, starkes Übergewicht abzubauen, und regelmäßig Sport treibt. Die meisten Typ-2er brauchen Insulin aber "lebens­lang". Allerdings ohne das Gefühl, "an der Nadel zu hängen". Denn: "Dank der besseren Zuckerwerte fühlt man sich meist wohler und fitter", sagt Diabetologe Dr. Ralf Kolassa aus Bergheim.

3. Insulin? Davon bekomme ich doch Unterzucker!

Unterzuckerungen sind das Schreckgespenst vieler Diabetiker. Und ja: Insulin erhöht das Risiko. Wie stark, hängt von der Art der Insulintherapie ab – und von den Zucker-Zielwerten. Die bespricht man mit seinem Arzt. Meist sind Unterzuckerungen zum Glück nur leicht und lassen sich mit etwas Traubenzucker schnell beheben.

4. Wenn ich spritzen muss, stehe ich als Versager da ...

"Niemand ist ein ‚Versager‘, wenn er Insulin braucht", sagt Psychodiabetologin Dr. Andrea Benecke von der Universität Mainz. Gewichtsprobleme haben zudem nicht nur Diabetiker.

Dazu kommt: Die Insulinproduktion lässt bei allen Menschen mit zunehmendem Alter nach. Für Typ-2-Diabetiker bedeutet das, dass die Tabletten nach jahrelangem Diabetes oft nicht mehr reichen, auch wenn man Übergewicht abgebaut hat und Sport treibt.

5. Insulin macht dick

Tatsächlich nehmen viele Diabetiker etwas zu, wenn sie Insulin spritzen. Das hat verschiedene Gründe. Bei hohen Zuckerspiegeln wird zum Beispiel ein Teil des Zuckers über den Urin ausgeschieden. Dadurch gehen Kalorien verloren. Das fällt weg, wenn die Zuckerwerte dank Insulin wieder normal sind. "Am besten reduziert man die Kalorienzufuhr schon zu Beginn einer Insulintherapie, damit man gar nicht erst zunimmt", rät Dia­betologe Kolassa. "Auch körperliche Bewegung hilft dabei!"

6. Spritzen ist schwierig

Das war früher so. Heute ist das Spritzen einfach. Man benutzt dazu einen Insulinpen, der ähnlich aussieht wie ein Füller. Wie man ihn handhabt, zeigen der Arzt oder die Diabetesberaterin in der Schulung. Die sollte jeder Typ-2-Dia­betiker machen, wenn er eine Insulintherapie beginnt (Infos beim Hausarzt oder der Krankenkasse). Auch für Menschen, die Probleme mit den Händen oder Augen haben, gibt es geeignete Pens.

7. Das tut doch weh

Gespritzt wird in den Bauch oder Oberschenkel. Dort sind viel weniger Empfindungsnerven als zum Beispiel in den Fingern. Außerdem sind die Kanülen der Insulinpens sehr kurz und dünn. Am besten: "Sich einmal überwinden und es ausprobieren", rät Psychodiabetologin Andrea Benecke. "Wer sich einmal gepikst hat, hat seine Angst schnell abgelegt."


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