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Glück auf Rezept:
Ich war richtig glücklich, als ...

... mein Zug Verspätung hatte – denn sonst hätte ich ihn verpasst, meint Katharina R. aus Hamburg

von Dr. Eckart von Hirschhausen, 08.11.2016
Kabarettist Dr. Med. Eckart von Hirschhausen

Dr. med. Eckart von Hirschhausen


Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, analysiert für Leser des Diabetes Ratgeber individuelle Glücksmomente und stellt für jeden das passende Glücksrezept aus:

Liebe Katharina,

die Bahn und das Glück – ein ideales Übungsfeld für meditative Gelassenheit. Wenn man selber mal zu spät ist, wünscht man sich inständig, der Zug wäre es auch. Aber dummerweise kann man sich da bei der Bahn nicht drauf verlassen!

Ich fahre selbst sehr viel Zug und weiß, wie nervig die Unpünktlichkeit sein kann, gerade wenn dann der Zug, in dem man sitzt, fünf Minuten zu spät ist und der Schaffner auf dem Bahnsteig aus falschem Ehrgeiz den Anschlusszug nicht warten, sondern einem direkt vor der Nase wegfahren lässt. Das sind Momente, in denen der Glücksprofi gefragt ist.

Der Jargon der Bahner amüsiert mich dann, sie reden untereinander immer davon: Der Zug "hat" fünf Minuten. Als hätte er sich etwas eingefangen. Ich muss auch an Erich Fromms "Haben oder Sein" denken: pünktlich sein – Verspätung haben. Was mich ebenfalls tröstet: dass ich im Auto noch viel öfter zu spät komme als mit dem Zug, und im Stau zu stehen finde ich wesentlich unangenehmer, als auf dem Bahnsteig noch Zeitung zu lesen oder die anderen Leute zu beobachten. Und aus ärztlicher Sicht ist ein kleines Nickerchen bei 200 km/h im Zug deutlich gesünder als hinterm Steuer.

Glückstraining heißt nicht, sich über nichts mehr zu ärgern. Man darf sich ruhig ab und an aufregen, die Frage ist nur, wie lange einem ein unerwünschtes Ereignis die Stimmung vergällt. Ist der Zug vor der Nase weggefahren: Ist die Bahn doof, weil sie nicht zu spät war, bin ich doof, weil ich nicht früher von zu Hause aufgebrochen bin, ist das ganze Leben doof, weil ich immer Pech habe ...

Oder kommt in einer Stunde der nächste Zug. Und vielleicht treffe ich just in dem Zug im Speisewagen mein großes Glück – das hätte ich sonst verpasst!

In diesem Sinne – viel Glück!


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