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Kraft für die Lunge!

Manche Lungenkrankheiten treten bei Diabetes häufiger auf. Warum das so ist und was Sie vorbeugend tun können

von Stephan Soutschek, 08.05.2019
Tief Atmen

Ein gut eingestellter Diabetes schützt auch die Lunge


Wer in die Praxis von Dr. Michael Barczok in Ulm kommt, hat ein Problem mit der Lunge. Etwa Husten, der seit Wochen anhält, oder Luftnot, die sich schon bei leichten Anstrengungen einstellt. Typische Beschwerden, bei denen man einen Lungenfacharzt wie Barczok aufsucht.

Ebenfalls typisch für viele Patienten des Lungenfacharztes: ein zu hoher Blut­­zuckerspiegel. Denn Diabetes und manche Erkrankungen des Atmungsorgans treten häufiger zusammen auf, sagt Experte Barczok.

Atemnot: Eine Diabetes-Folge?

So leidet mindestens jeder zehnte Mensch mit Diabetes auch an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Studien deuten außerdem darauf hin, dass Typ-2-Dia­betiker ein erhöhtes Risiko haben, an Asthma bronchiale zu erkranken, ebenso wie Kinder mit Typ-1-Diabetes. Sind Lungenerkrankungen also eine Folgeerkrankung von Diabetes? Darüber sind sich Experten nicht einig.

Diabetologe Dr. Stefan Kopf, Oberarzt an der Studienambulanz für Dia­­betesforschung der Universitätsklinik Heidelberg, stellte in einer 2018 veröffentlichten Studie fest: Teilnehmer mit Typ-2-Dia­betes litten häufiger unter Kurzatmigkeit infolge einer sogenannten restriktiven Lungenerkrankung — und zwar umso mehr, je ausgeprägter der Diabetes war und je länger er bestand. Restriktiv bedeutet, dass das Lungengewebe krankhaft verändert ist und an Elastizität verliert. Welche Ursachen das hat, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Die Heidelberger Forscher konnten in Versuchen mit Mäusen allerdings Hinweise darauf finden, dass auch der Diabetes eine Rolle spielen könnte.

Erhöhtes Risiko für Asthma

Viel häufiger als die restriktiven Lungenkrankheiten sind die obstruktiven Formen. Dazu zählen das Asthma bronchiale und die COPD. Obstruktion bedeutet, dass die Bronchien verengt sind, etwa durch übermäßige Verschleimung. Warum Asthma und Typ-2-Diabetes gehäuft im Doppelpack auftreten, könnte verschiedene Ursachen haben. Einerseits begünstigt Übergewicht nicht nur Diabetes, sondern auch Asthma.
Andererseits können Entzündungsstoffe, die der Körper bei Asthma ausschüttet, womöglich auch den Blutzucker verschlechtern. Dazu kommt, dass Asthmatiker häufig Kortisonsprays benutzen müssen, was sich auf Dauer ebenfalls ungünstig auf den Blutzucker auswirken kann. Auch bei der COPD spielen Übergewicht und Entzündungsbotenstoffe eine wichtige Rolle als Auslöser, wenngleich hier das Zigarettenrauchen als wichtigster Risikofaktor gilt.

Was Sie selbst für Ihre Lunge tun können

• Sofort mit dem Rauchen aufhören

• Sich viel bewegen

• Übergewicht abbauen

• Auf gute Blutzucker­werte achten

• Gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen

Rechtzeitig zum Arzt!

Doch was kann man eigentlich vorbeugend tun, um seine Lungen zu unterstützen? Am wichtigsten ist, rechtzeitig zum Arzt zu gehen, wenn man das Gefühl hat: Die Luft wird knapp. "Viele Patienten kommen leider erst sehr spät", so Lungenfacharzt Barczok. Der Arzt kann unter anderem mit einer einfachen Lungenfunktionsprüfung erkennen, ob die Atemprobleme an der Lunge liegen. Hausärzte nehmen den Test entweder selbst vor oder überweisen ihre Patienten zu einem Lungenspezialisten. Je nach Ergebnis der Untersuchung kann dann eine gezielte Behandlung beginnen.

Diabetes im Auge behalten

Zur Therapie eines Bronchialasthmas und einer COPD stehen heute viele verschiedene und gut wirksame Medikamente zur Verfügung. Zahlreiche Betroffene werden mit Kortisonsprays zum Einatmen behandelt. Dabei gelangt deutlich weniger Wirkstoff ins Blut als bei einer Behandlung mit Tabletten. Dennoch können auch die Sprays auf Dauer den Blutzucker erhöhen. Daher sollte man den Wirkstoff bei Diabetikern nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung einsetzen, rät Lungen­experte Michael Barczok. Steigen die Zuckerwerte, muss die Dia­betestherapie angepasst werden.

Schwieriger gestaltet sich die Behandlung von restriktiven Lungen­­erkrankungen wie einer Fibrose. Umso wichtiger ist es, vorbeugend auf eine gute Diabetestherapie zu achten. Außerdem gibt es Hinweise, dass regelmäßiger Sport die Lungenfunktion verbessert, sagt Experte Stefan Kopf. Ideales Pensum: mehrmals wöchentlich eine halbe Stunde Auspowern auf dem Fahrrad oder im Fitnessstudio. Dies sollte man jedoch unbedingt vorher mit seinem Arzt besprechen.