Der Pfusch mit den Pillen

Im Internet ist der Handel mit gefälschten Medikamenten weit verbreitet – mit teils lebensgefährlichen Folgen. Höchste Zeit, sich schlau zu machen und zu schützen!

von Jana Hauschild, 18.04.2018

Gefährlicher Schwindel: Kunden erkennen gefälschte Medikamente oft nicht


Das Zeug bringt mehr als Drogen: Mit einem Kilogramm Potenzmittel ließen sich auf dem Schwarzmarkt zwischen 90.000 und 100.000 Euro erzielen, rechnet die Apothekervereinigung ABDA vor. Die gleiche Menge Heroin brächte "nur" 50.000 Euro.

Kein Wunder also, dass die polizeiliche Kriminalstatistik und die Zollämter einen Anstieg bei den Arzneimittelverbrechen verzeichnen. Im Jahr 2015 stellten Zollfahnder in Deutschland 3,9 Millionen gefälschte Tabletten sicher. Jedes zweite Präparat, das im Internet angeboten werde, sei eine Fälschung — das ergab jüngst eine von der Bundesregierung geförderte Studie der Universität Osnabrück. 

Ohne Rezept, aber gefährlich

Am häufigsten gefälscht werden Medikamente, die teuer und weitverbreitet sind. So lässt sich der Gewinn maximieren. Dabei nutzen die Fälscher oft aus, dass Patienten aus Scham lieber anonym im Internet bestellen, etwa Potenzmittel und Abnehmpillen. Mit ernsten Folgen für die Gesundheit: "Gefälschte Medikamente können Patienten gesundheitlich schwer schaden", sagt Pharmazeutin Dr. Bettina Sauer von der Stiftung Warentest. So enthalten die Präparate oft gar keinen oder zu viel Wirkstoff oder werden unter mangelhaften hygienischen Bedingungen produziert. Behörden hätten zudem Lösungsmittel, Schwermetalle oder Keime in solchen Präparaten gefunden. Mit Backpulver, Kreide oder Sägemehl werden diese gestreckt.

In gefälschten Insulinen etwa fanden sich Nebenprodukte, die Allergien auslösen, warnt Dr. Hans-Peter Hubmann, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands. "Zudem ist nicht sichergestellt, dass die Insuline während der Lieferung gekühlt werden und noch voll wirksam sind", erklärt der Experte.

Kunden sind oft ahnungslos und erkennen den Schwindel nicht. Denn die Betrüger können sich gut tarnen. Sie erstellen gefälschte Internetauftritte, imitieren professionelle Versandapotheken, locken mit Niedrigpreisen — und geben rezeptpflichtige Medikamente auch ohne ärztliche Verordnung heraus. 

Machen Sie sich schlau! 

Doch wie erkennen Verbraucher, ob es sich bei einem Anbieter um eine seriöse Adresse handelt? Seit 2015 zeigt dies ein europäisches Versandhandelslogo. Das grün-weiße Symbol muss laut Bundesgesundheitsministerium "gut sichtbar auf jeder Seite dargestellt werden, auf der Arzneimittel angeboten werden". Das Siegel verlinkt auf einen Eintrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI, www.dimdi.de). 

Dort können Verbraucher überprüfen, ob der Shop den Überwachungsbehörden bekannt ist. Zusätzlich empfiehlt das DIMDI, das Impressum von Online-Händlern zu überprüfen. Ist die Anschrift vollständig, der Inhaber, die zuständige Aufsichtsbehörde und Apothekenkammer genannt sowie ein direkter Kontakt angegeben?

Am besten in die Apotheke

Fernhalten sollte man sich von Internetseiten mit übertriebenen Werbeversprechen, die Preise weit unter dem Marktüblichen bieten oder rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept abgeben. Wer trotz allem aufs Internet setzt, sollte seine Ware nach Erhalt genau ansehen: "Kein gutes Zeichen ist es, wenn Packungen offen sind, der Aufdruck unsauber ist, das Design der Packung und Blister von dem bisherigen abweicht", sagt Apotheker Hubmann. Bei einem ernsthaften Fälschungsverdacht kann man sich an seine Apotheke wenden, die das Präparat an das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker zur Untersuchung schickt, rät die Apothekervereinigung ABDA. 

"Am besten kommen Sie gleich in Ihre Apotheke vor Ort, wenn Sie ein Medikament benötigen", sagt Hubmann. "Dort steht ein Mensch vor Ihnen, der Sie persönlich berät und der seine Präparate aus sicherer Quelle bezieht." 


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