Liraglutid: Was kann die Fett-weg-Spritze?

Das Diabetesmittel Liraglutid wird neuerdings auch als Abnehm-Spritze vermarktet. Wunder sollte man jedoch nicht erwarten
von Dr. Antje Kunstmann, 20.10.2017

Liraglutid: Der Zuckersenker soll auch beim Abnehmen helfen

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Eben noch "nur" ein Zuckersenker, jetzt plötzlich auch noch Abnehm-Mittel: Der Wirkstoff Liraglutid legt gerade eine steile Karriere hin.

Ursprünglich wurde die Substanz zur Therapie des Typ-2-Diabetes entwickelt. Dabei zeigte sich jedoch ein überraschender Nebeneffekt: Bei vielen der behandelten Dia­betiker sank nicht nur der Blutzucker, sondern auch das Körpergewicht. Kein Wunder also, dass die Herstellerfirma rasch einen neuen Absatzmarkt witterte. Seit 2016 ist Liraglutid nun unter dem Handelsnamen Saxenda® auch als Abnehm-Hilfe zugelassen und auf dem Markt. Genauso wie als Zuckersenker wird es nicht geschluckt, sondern mit einer Injektionshilfe unter die Haut gespritzt.

Liraglutid regt Insulinausschüttung an

"Liraglutid imitiert die Wirkung des Darmhormons GLP-1", erklärt Professor Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-­Gesellschaft. "Es senkt den Blutzucker, indem es die Bildung und Freisetzung von Insulin stimuliert." Und zwar nur, wenn der Zuckerspiegel erhöht ist. Daher bleiben Unterzuckerungen aus: eine wichtige Voraussetzung, damit auch Nicht-Diabetiker das Mittel risikolos nehmen können.

Dass Lira­glutid dem Fettgewebe zu Leibe rückt, hat wohl verschiedene Gründe: Zum einen verzögert sich die Magenentleerung, was für schnelle Sättigung sorgt – bei nicht wenigen Anwendern aber auch für Übelkeit oder Völlegefühl, zumindest zu Beginn der Therapie. Zum anderen hemmt Liraglutid den Appetit über eine Wirkung im Gehirn.

Liraglutid als Zuckersenker

Liraglutid ist in Deutschland seit 2009 unter dem Handelsnamen Victoza® als Zuckersenker für Patienten mit Typ-2-Dia­betes erhältlich. Verordnet wird der Wirkstoff, wenn andere Diabetesmedikamente und Lebensstiländerungen nicht ausreichend helfen. Liraglutid wird mit einer Injektionshilfe (Pen) unter die Haut gespritzt. Da die Therapie relativ teuer ist und Unsicherheiten bezüglich der dauerhaften Verträglichkeit bestehen, sind viele Ärzte mit der Verordnung zurückhaltend.

Die Spritzen wirken nicht bei jedem

Wunderdinge sollte man sich von der Abnehm-Spritze jedoch nicht erhoffen. In einer Studie verloren die Teilnehmer binnen Jahresfrist durchschnittlich acht bis elf Prozent ihres Gewichts, wobei ihnen von Anfang an auch eine kalorienärmere Kost und regelmäßige Bewegung ans Herz gelegt worden waren. Und nicht alle sprachen gleich gut auf die Spritzen an. Der Hersteller empfiehlt, den Versuch zu beenden, wenn nach zwölfwöchiger Behandlung in der höchsten Tagesdosis nicht mindestens fünf Prozent des ursprünglichen Gewichts verschwunden sind. Zudem gibt es Hinweise, dass Liraglutid in seltenen Fällen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, aber auch Probleme mit der Galle oder den Nieren auslösen kann.

Liraglutid als Ansporn zum Abnehmen?

Dr. Jens Aberle, Diabetologe an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, sieht die Spritze vor allem als Motiva­tionshilfe: "Der Gewichtsverlust kann anspornen, sein Gewicht dauerhaft durch gesünderes Essen und Bewegung in den Griff zu bekommen." Ohnehin kann Liraglutid nur Fettleibigen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von wenigstens 30 verordnet werden bzw. Übergewichtigen mit einem BMI ab 27, die mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung wie Diabetes haben. Und stets nur in Ergänzung zu einer kalorienärmeren Kost und verstärkter körperlicher Aktivität.

Die Kosten: 300 Euro im Monat

Die Kassen zahlen die Behandlung nur in Einzelfällen – und wenn Lebensstiländerungen nachweislich nichts gebracht haben. Die meisten Betroffenen müssen für die Spritzen also selber in die Tasche greifen, und zwar ziemlich tief. Rund 300 Euro im Monat muss man für die Injektionen berappen. Fragt sich, ob man da nicht doch noch mal nachdenkt und das Geld lieber in gesündere Ernährung und eventuell ein neues Fahrrad investiert.


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