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Die Macht der Worte

Wie denken und sprechen Sie über den Diabetes? Und welche Körperhaltung nehmen Sie dabei ein? Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Denn es könnte Ihr Leben verändern

von Rieke Winter, 23.01.2019
Die Macht der Worte

Leben Sie mit Diabetes oder leiden Sie daran? Worte beeinflussen die Wahrnehmung


Waren Ihre Blutzuckerwerte heute mal wieder schlecht? Und Sie vielleicht zu undiszipliniert? Inkonsequent? Faul? Stopp! Überlegen Sie mal, wie Sie da gerade über sich selbst reden. Unsere Sprache ist ein mächtiges Instrument. Die Wörter, die wir verwenden, haben eine Bedeutung und eine Wirkung —auf andere und auf uns selbst. Das gilt nicht nur für große politische Debatten, sondern auch im Privaten.

Vorsicht vor Angst-Vokabeln

"Der Umgang mit Begriffen ist natürlich etwas sehr Persönliches", sagt Diplom-Psychologin Susan Clever. Ob Sie sich zum Beispiel als Diabetiker oder als Mensch mit Diabetes bezeichnen, liegt ganz bei Ihnen, findet die Fachpsychologin Diabetes aus Hamburg. Trotzdem lohnt es sich, ab und zu darüber nachzudenken, wie man Dinge, etwa den Umgang mit Diabetes, versprachlicht. Eine negative Wortwahl kann Sie auf Dauer ganz schön runterziehen. Auch wenn andere sie verwenden."Viele sagen sich zum Beispiel: Diabetes ist eine heimtückische Krankheit", sagt Eva Küstner, Diplom- und Fach­psychologin Diabetes aus Gau-Bischofs­heim. "Aber wozu führt das? Sie haben Angst und fühlen sich hilflos." Positive Worte und Gedanken hingegen ermutigen. "Sie können da­zu selbst viel tun", sagt Küstner.

Die Macht der Worte

Probieren Sie es doch mal aus! Würden Sie eher sagen, dass Sie an Diabetes leiden oder mit Diabetes leben? Sicher ist das auch abhängig von der persönlichen Tagesform. Aber denken Sie mal darüber nach, was Sie mit "leiden" und was mit "leben" verbinden. Und womit Sie sich stärker fühlen.

Sich selbst nicht beschuldigen

Oder: Anstatt zu sagen, Sie testen Ihren Blutzucker, verwenden Sie einfach mal das Wort "checken". Bei einem Test können Sie nämlich durchfallen — kein schönes Gefühl. Ein Check hat da schon eher etwas von einer neu­tralen Bestandsaufnahme. Denn auch wenn Sie sich normalerweise vorbildlich verhalten und auf sich achten: "Es gibt viele Gründe dafür, dass der Blut­­zucker mal höher oder niedriger ist als erwartet", erklärt Susan Clever.

Botschaft des Körpers

Dabei geht es nicht darum, negative Gedanken zu verdrängen. Nehmen Sie einfach häufiger bewusst wahr, wie Sie denken. Überlegen Sie, welches Gefühl Ihnen manche Worte vermitteln. Vielleicht gibt es ja Alternativen, die sich besser anfühlen. Das auszuprobieren macht nicht nur Spaß, sondern kann langfristig den Blick auf sich selbst ändern — und auf den Diabetes.

Übrigens: Nicht nur Gedanken und Worte wirken sich auf die Selbstwahrnehmung aus. Wissenschaftler haben in Studien festgestellt, dass auch Körperhaltung und Mimik die persönliche Verfassung beeinflussen. Die Schweizer Psychotherapeutin Dr. Maja Storch nennt dieses Zusammenspiel "Embodiment". Sie ist überzeugt, dass Gefühle immer körperlich eingebettet sind. Eigentlich logisch: Wer mit einem krummen Rücken dasitzt und sich klein macht, fühlt sich auch so. Aufrecht stehen, mit beiden Füßen fest auf dem Boden und einem Lächeln im Gesicht: Das wirkt nicht nur freundlich und sicher auf andere, sondern strahlt auch nach innen ab.

Die Macht der Worte

Kein Feind, sondern ein Begleiter

Falls Sie sich selbst mal wieder bei vielen negativen Gedanken ertappen: Finden Sie heraus, woran es liegen mag und was Sie tun könnten, um es zu ändern. Der Diabetes sei ein lebenslanger Begleiter, sagt Diplom-Psychologin Eva Küstner. Und wenn kleine sprachliche und gedankliche Tricks dabei helfen können, ihn nicht als Feind zu sehen, lohnt es sich, das mal zu…checken!


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