Auslandsjahr mit Diabetes gut vorbereiten

Tipps und Informationen für Schüler und Studenten mit Diabetes, die einen längeren Aufenthalt in der Ferne planen

von Dr. Sabine Haaß, 28.08.2015

Traumziel Kalifornien: Ein Auslandsjahr ist bei Diabetes meist kein Problem


Informationen zum Auslandsaufenthalt mit Diabetes finden Sie auch in der Septemberausgabe des "Diabetes Ratgeber", die ab 01.09.2015 kostenlos in Apotheken erhältlich ist.

1. Krankenversicherung im Ausland

Für gesetzlich Krankenversicherte: In außereuropäischen Ländern wie USA, Kanada, Australien oder Neuseeland, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen nicht für medizinische Behandlungen. Deshalb braucht man für diese Länder eine private Auslandskrankenversicherung. Die wiederum übernimmt aber oft keine Kosten für die Behandlung von Krankheiten, die schon vor Beginn des Auslandsaufenthaltes bekannt waren – also auch nicht für die Diabetestherapie. Und wer doch eine Versicherung findet, die dazu bereit ist, muss mit einem hohen Zuschlag rechnen.

Eine Sonderregelung gibt es jedoch, von der zumindest manche Studenten mit Diabetes profitieren könnten. Sie gilt für gesetzlich krankenversicherte Schüler und Studenten und ist im Sozialgesetzbuch (SGB) V, Paragraf 18, Absatz 3, festgelegt.

Danach kann die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Diabetestherapie im Ausland bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt, der für die Schul- oder Hochschulausbildung erforderlich ist, übernehmen – wenn es dem betreffenden Schüler oder Studenten aufgrund einer chronischen Krankheit wie Diabetes nicht gelungen ist, sich für die Zeit im Ausland privat zu versichern, und er das seiner Krankenkasse belegt. Ob das möglich ist, sollten Reisewillige vor Beginn ihres Auslandsaufenthalts mit der Kasse klären.

Für Behandlungskosten, die nichts mit dem Diabetes zu tun haben – von der Erkältung bis zum Beinbruch – braucht man zusätzlich eine private Auslandskrankenversicherung. Allerdings muss man der Kasse nachweisen, dass die Ausbildung einen Auslandsaufenthalt erfordert. Was für einen Studenten immerhin möglich erscheint, wenn etwa sein Studiengang ein Auslandssemester vorschreibt, für einen Schüler aber wohl eher unrealistisch ist.

Für privat Krankenversicherte: Ihr Versicherungsschutz gilt in der Regel für maximal drei Monate auch weltweit. Ob sich dieser Zeitraum ausweiten lässt, und die Kosten für die Diabetestherapie übernommen werden, muss man mit seinem Versicherer abklären. Letzteres hängt beispielsweise davon ab, inwieweit sich für den Versicherer die Risiken im Gastland abschätzen lassen. Das ist etwa in den USA besser möglich als in einem Entwicklungsland. Sagt die private Krankenversicherung die Kostenübernahme zu, fällt auch hier ein Prämienzuschlag an.

Wichtig: Den Zeitraum, auf den man den Versicherungsschutz ausweiten möchte, sollte man lieber von vornherein etwas großzügiger bemessen. Denn verlängern kann man ihn, sobald der Auslandsaufenthalt einmal begonnen hat, nicht immer.

2. Flugreise

Viele Schüler und Studenten mit Diabetes umgehen die komplizierte Versicherungslage dadurch, dass sie alles mitnehmen, was sie im Gastland für die Therapie brauchen. Wer seinen Halbjahres- oder Jahresvorrat an Insulin, Teststreifen, Pumpenzubehör und Ersatzgeräten im Flugzeug befördern muss, hat allerdings häufig ein Transportproblem: Einen Extra-Koffer lassen sich Fluggesellschaften oft teuer bezahlen. Manche können auch nicht sicher garantieren, dass die Temperatur im Frachtraum während des Fluges über null Grad bleibt. Also muss zumindest das Insulin ins Handgepäck, und das kann dann die erlaubte Menge überschreiten. Am besten meldet man sich frühzeitig bei der Fluggesellschaft und schildert seinen besonderen Fall – Kulanz ist durchaus Verhandlungssache. Nicht vergessen: ein Attest des Arztes, das auch den Zweck des mitgeführten Diabetesbedarfs erklärt.

3. Zollvorschriften bei der Einreise

Damit es bei der Einreise keine Hindernisse gibt, sollte man sich vorher nach den Zollvorschriften des Gastlandes erkundigen. Australien etwa erlaubt nur die Einfuhr des Dreimonatsbedarfs an Insulin, mitnehmen sollte man es möglichst immer in der Originalverpackung.

4. Gesundheitssystem und Diabetesversorgung im Gastland

Auch wenn man sich entschlossen hat, alles mitzunehmen, was man für die Zeit im Ausland an Insulin und Diabetes-Utensilien benötigt, sollte man sich sicherheitshalber vor der Abreise über einige grundsätzliche Dinge informieren. Zum Beispiel:

  • Wie ist das Gesundheitssystem des Gastlandes organisiert?
  • Wo ist der nächste Arzt, an den man sich wenden kann, falls es Probleme mit Diabetes gibt? Bei Schülern weiß hier bestimmt auch die Gastfamilie Rat.
  • Welche Klinik in der Nähe kommt bei einem Diabetes-Notfall infrage? 
  • Sind die Insuline, die man spritzt, auch vor Ort erhältlich, und unter welchen Namen? Falls es sie nicht gibt, sollte man vor der Abreise mit seinem Arzt klären, welche Insuline man stattdessen verwenden kann. 
  • Wo ist die nächste Servicestelle des Insulinpumpenherstellers – falls die eigene Pumpe ausfällt?

5. Nationale Diabetes-Selbsthilfeorganisationen

Auskünfte über Gesundheitssystem, Krankenversicherungen, Zoll- und Einreisebestimmungen erteilen auch die nationalen Diabetes-Selbsthilfeorganisationen zum Beispiel der USA, Kanadas, Australiens oder Neuseelands. Die entsprechenden Telefon-Hotlines und Mailadressen finden sich auf deren Internetseiten. Dort kann man sich auch bei Problemen mit dem Diabetes hinwenden oder nach Selbsthilfegruppen vor Ort fragen.

USA: www.diabetes.org
Kanada: www.diabetes.ca
Australien: www.diabetesaustralia.com.au
Neuseeland: www.diabetes.org.nz

6. Infos im Netz

Informationen rund ums Auslandsjahr für Schüler und Eltern, eine Datenbank der wichtigsten Anbieter für den Schüleraustausch, eine Zusammenstellung von Voll- und Teilstipendien für den Auslandsaufenthalt, um die sich Schüler bewerben können, sowie Foren und Blogs zum Thema finden sich auf der von einem gemeinnützigen Verein betriebenen Seite www.ausgetauscht.de.


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